Kinder / Baby
TEST vom 31. Mai 2013
Kinderschuhe, Sandalen
Der Lauf der Dinge
Kinderschuhe, Sandalen
Wieder einmal landen alle Sandalen im roten Bereich. Dennoch: Die Schadstoffbelastung ist insgesamt etwas gesunken. Doch die Hersteller machen offenbar nur kleine Schritte vorwärts.

E inmal im Jahr ist es so weit, das Kind braucht neue Sandalen. Die gute Nachricht ist, dass das große Winterschuhproblem hier entfällt: Ob der Schuh passt oder nicht, kann man direkt sehen. Eingezogene oder zusammengedrückte Zehen fallen in Sandalen sofort auf. Aber die zweite große Schuhfrage bleibt. Wie erkennt man, ob der Schuh schadstoffbelastet ist oder nicht? Gerade im Sommer, wenn die nackten Füße in den Schuhen stecken, wollen Eltern gerne auf Nummer sicher gehen. Aber wie?

Wenn es um Schuhe geht, sind leider auch wir oft ratlos. Was empfehlen, wenn kaum ein Schuh in unseren Tests besser als "ungenügend" abschneidet? Ob Lauflernschuhe für die Kleinen oder Sneakers und Sandalen für die Großen: Schadstoffe, so weit das Auge reicht. Kein Wunder. Die meisten Schuhe bestehen aus einem bunten Materialmix, es wird gepolstert, gefärbt, ausgerüstet und verklebt, was das Zeug hält. Und leider hat es gerade Leder oft ganz schön in sich. Denn bis aus einem Stück Tierhaut robustes Schuhleder geworden ist, waren in der Regel jede Menge problematischer Chemikalien im Einsatz. Die Rohhäute müssen konserviert, das Leder gegerbt, gefärbt, wetterfest gemacht werden.

Hoffnung machen Gütezeichen wie das EU Ecolabel, das inzwischen auf den ersten Schuhen zu finden ist. Schuhe, die das Label tragen, dürfen kein hochgiftiges Chrom VI enthalten, Arsen, Cadmium und Blei sind ebenfalls tabu. Der Formaldehydgehalt in Leder ist beschränkt, einige Phthalate komplett verboten. Hinzu kommen Anforderungen an die Produktionsbedingungen. Das ist ein Anfang, aber leider nur das. Denn viele problematische Inhaltsstoffe, die gerade bei Lederprodukten im Einsatz sein können, reglementiert das EU-Label nicht. Chlorkresole etwa. Und wenn es um Azo-Farbstoffe geht, lässt das Label noch recht hohe Rückstände zu.

Ganz und gar keinen Hinweis auf die Schadstoffbelastung geben Angaben zum ökologischen Fußabdruck, wie ihn Timberland für seine Kinderschuhe mitliefert.

Was tun? Wir haben 15 Kindersandalen für Mädchen und Jungs eingekauft und rundum auf Schadstoffe prüfen lassen. Sind Synthetikschuhe womöglich weniger stark belastet als Ledersandalen? Sind die Sohlen robust, halten die Riemchen was aus, färbt das Material womöglich ab?

Das Testergebnis

Alle Schuhe landen im roten Bereich. Am "besten" schneiden die Sandalen von Ecco ab: Sie schaffen ein "mangelhaftes" Gesamturteil. Alle anderen mussten wir mit "ungenügend" bewerten. Im Vergleich zu vergangenen Schuhtests hat die Schadstoffbelastung aber zumindest ein Stück abgenommen. Auch die Größenangaben stimmen inzwischen: Wer Schuhgröße 30 kauft, bekommt auch eine 30.

Problematische Rückstände aus der Ledergerbung. Damit aus Tierhaut Leder wird, muss es gegerbt werden. Dabei kommen in der Regel Chromsalze zum Einsatz. In nahezu allen Lederschuhen war Chrom in hohen Mengen nachweisbar. Während des Gerbens kann unter ungünstigen Umständen Chrom VI - auch Chromat genannt - entstehen. Das war bei den Schuhen von Timberland und Primigi der Fall. Chromat ist ein krebserregendes Kontaktallergen und auch deshalb seit 2010 in Ledererzeugnissen verboten. Der entsprechende gesetzliche Grenzwert wurde von den beiden Sandalen zwar unterschritten, wir werten dennoch streng ab. Dass es auch ohne Chrombehandlung geht, zeigt Hersteller Kavat mit seinen ledernen Kavat Örn Eko-Logic. Doch ganz ohne Chemie kommt man hier auch nicht aus: Wie etliche Lederschuhe im Test enthalten auch die Eko-Logic-Treter o-Phenylphenol sowie Chlorkresole und -paraffine, Substanzen, die vor allem für das Konservieren des Leders zuständig sind. Und die sorgen am Ende auch bei Kavat für ein "ungenügendes" Gesamturteil.

Ist Synthetikmaterial eine Alternative? Die drei Synthetikschuhe im Test - Bama Kids Sandale, Jack Wolfskin Kid´s Water Rat und Keen Toddler Seacamp - enthalten hohe Gehalte an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen. Hinzu kommt ein jeweils ganz individueller Mix aus Schadstoffen. Dennoch gehören die drei Lederfreien zu den besseren unter den "Ungenügenden".

Jeder zweite Schuh färbt ab. Und an den Riemchen der Schuhe von Ecco und Deichmann sollte man nicht zu doll ziehen, sie können einreißen. Bei der Stups Sandalette kann die Schlaufe, in die der Metallhaken zum Schließen des Schuhs eingenäht ist, einreißen. Ganz und gar nicht strapazierfähig sind die Sohlen der Timberland Toddler’s. Bei der Prüfung des Biegeverhaltens riss die Sohle mehrmals ein, aus einem kleinen Löchelchen war am Ende ein 3,7-Zentimeter-Riss geworden.

Überflüssiger Spezialeffekt. Kinder stehen auf blinkende Schuhe. Aber wenn man überlegt, dass die Batterien der Capt’n Sharky -Sandalen nicht austauschbar sind und die Treter inklusive der Blinkdioden später im Sondermüll entsorgt werden müssen ... das muss wirklich nicht sein.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Immer wieder bitten uns Leser, doch mal wieder Kindersandalen zu testen. Wir haben 15 Modelle für Kinder rund um das Vorschulalter ausgewählt, die Hälfte für Jungs, die Hälfte für Mädchen und ein sportliches Unisexmodell. Bis auf eine Ausnahme, die blinkeden Capt’n Sharky-Sandalen, haben wir ausschließlich Markenprodukte in den Test genommen - die Preise liegen zwischen knapp 30 und 85 Euro.

Die Praxisprüfung

Kinderschuhe müssen im Alltag ein straffes Programm absolvieren. Im Labor wurde geprüft, ob Sohlen das auf Dauer mitmachen: Jede Sohle wurde 30.000-mal in der Dauerbiegeprüfung gebogen. Da Kinder auch mal über spitze Steine oder Glassplitter gehen, wurde getestet, ob ein kleines Loch in der Sohle durch das Laufen zu einem Riss werden kann. Geprüft wurde auch, ob die knallbunten Schuhe auf die Kinderfüße abfärben - dazu wurden Reibprüfungen im trockenen und nassen Zustand sowie mit einer künstlichen Schweißlösung durchgeführt. Darüber hinaus hat uns interessiert, ob auf die angegebene Schuhgröße Verlass ist und, ob die Riemchen auch bei stärkerem Ziehen gut halten.

Die Inhaltsstoffe

Schuhe bestehen in der Regel aus einem bunten Mix verschiedener Materialien. Leder kann Chrom VI enthalten, das sich aus den zur Ledergerbung verwendeten Chromsalzen bilden kann, auch Konservierer wie Formaldehyd oder Chlorkresole oder -paraffine sind hier ein Thema. Kunststoffe können ihre Elastizität Weichmachern verdanken, Synthetiktextilien werden noch immer häufig mit zinnorganischen Verbindungen ausgerüstet. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe sind sowohl in Kunststoffen als auch in Ledermaterialien ein Problem. Analysiert wurden nur die Materialien, die nah am Fuß sind. Die Untersohle blieb außen vor.

Die Bewertung

Schuhe sollen sich auch nach ein paar Tagen auf dem Spielplatz nicht in ihre Bestandteile auflösen. Deshalb geht das Testergebnis Praxisprüfung zu 40 Prozent ins Gesamturteil ein. Wichtig ist aber vor allem, dass sich die Schadstoffbelastung in Grenzen hält. Bei der Bewertung sind wir hier oft strenger als der Gesetzgeber - "ungenügende" Produkte können durchaus noch alle gesetzlichen Grenzwerte einhalten. Generell kann das Gesamturteil nicht besser sein als das Testergebnis Inhaltsstoffe.

ÖKO-TEST April 2014

ÖKO-TEST April 2014
Erschienen am
28. März 2014

Preis: 4.50 €

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