Bauen / Wohnen
Leserfrage vom 30. Oktober 2015
Intransparente Produktionsbedingungen
Die Marke Toms hat auf ihrem Schuhkarton versprochen, dass sie für jedes verkaufte Paar einem Kind in Not ein Paar schenkt. Ist das Versprechen seriös?

Dazu Friedel Hütz-Adams, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Südwind-Institut für Ökonomie und Ökumene in Bonn.

"Darauf, dass Toms sein ‚One-for-One'-Versprechen einhält, muss der Verbraucher schlicht vertrauen. Bei den Beschreibungen auf der Internetseite steht der Charityaspekt im Vordergrund, die Produktionsprozesse bleiben intransparent. Eigentlich sollte es andersherum sein. Es fällt auf, dass als Beispiel für das eigene Engagement mehrfach der Ausschluss von Zwangsarbeit und Menschenhandel genannt wird. Das sind aber keine Arbeitnehmerrechte - Zwangsarbeit und Menschenhandel sind Verbrechen. Etwas auszuschließen, was sowieso verboten ist, kratzt nur an der Oberfläche. Die Kernforderung lautet, dass das Unternehmen für die Mitarbeiter seiner Lieferanten in Argentinien, China oder Äthiopien Löhne durchsetzt, mit denen sie Schuhe, Brillen und Operationen selbst bezahlen können. Ob dies der Fall ist, wird nicht beantwortet, vieles bleibt offen: Werden bei der Herstellung Mindeststandards wie die ILO-Kernarbeitsnormen eingehalten? Beteiligt sich das Unternehmen an Diskussionen über existenzsichernde Löhne? Wollen Verbraucher etwas zur Wertschöpfungskette erfahren, müssen sie Toms eine E-Mail schreiben und sich direkt danach erkundigen."

ÖKO-TEST Juni 2017

ÖKO-TEST Juni 2017
Erschienen am
26. Mai 2017

Preis: 4.50 €

» Inhalt anzeigen