Kosmetik / Pflege / Mode
TEST vom 20. Oktober 2016
Wandersocken
Ende Gelände
Wandersocken
Blasenfreie Füße entscheiden übers Wanderglück. Doch im Test sind auch in teuren Bergstrümpfen wunde Füße möglich. Einige Hersteller machen zudem falsche Wirkversprechen. Vor Schadstoffen in Socken müssen Hobbykraxler aber wenig Angst haben.

Am wichtigsten, um Blasen am Fuß vorzubeugen, ist es, die Füße trocken zu halten. Wandersocken sollten daher möglichst atmungsaktiv sein. ÖKO-TEST wollte wissen, wie es um die Qualität von aktuell im Handel erhältlichen Wandersocken bestellt ist. Wir haben 15 Paar eingekauft und im Labor auf Schadstoffgehalt, Farbabrieb und Atmungsaktivität überprüfen lassen.

Das Testergebnis

Wir bewerten elf Sockenpaare mit "gut" und vier mit "befriedigend". Notenabzug gibt’s vor allem wegen überflüssiger Textilzusätze. Karzinogene Schadstoffe, Weichmacher oder andere Umweltgifte, die immer wieder in der Kleidungsproduktion verwendet werden, fanden wir nicht. Auch auf dem Praxisprüfstand bewährten sich die meisten Bergstrümpfe. Was wir wirklich kritisieren, ist die Atmungsaktivität. Häufig stark beworben, erhält nur ein Sockenpaar die Bestnote.

In sieben Sockenpaaren wies das von uns beauftragte Labor optische Aufheller nach. Sie werden draußen in der Natur kaum abgebaut, belasten dort Böden, Wasser, Pflanzen und Tiere. Über den Schweiß gelangen sie auf die Haut und können dann im Sonnenlicht für Reaktionen sorgen. Viele Socken enthalten zudem umstrittene halogenorganische Verbindungen. Fast alle Stoffe dieser Gruppe sind umweltschädlich, viele von ihnen lösen Allergien aus.

Der Rolls-Royce unter den Wandersocken sind die X-Socks Trekking Silver. Das Silber ziert nicht nur den Namen, sondern auch das Fußbett. X-Socks verwebt einen Polyamidfaden, auf den es per Galvanisierung aufgebracht wurde. Das teuerste Strumpfpaar im Test kostet so 27 Euro. Das Edelmetall soll gegen Fußpilz und -geruch helfen. Sein Einsatz gegen Bakterien und Pilze ist jedoch umstritten; das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hält ihn für verzichtbar. Häufiges Waschen und gängige Hygiene wirkten ohnehin meist zuverlässiger. Den staatlichen Experten zufolge ist die desinfizierende Wirkung - anders als bei medizinischen Wundpflastern mit Silber - zudem bei den oft niedrigen Mengen in Textilien nicht belegt. Vielmehr fürchtet das BfR, dass immer mehr Silber in Alltagsprodukten die Keimresistenz gegen das Edelmetall, aber zunehmend ebenso gegen Antibiotika fördert. Auch deshalb werten wir ab.

Die Farben in allen geprüften Strümpfen widerstanden im Labor problemlos Schweißsimulanzien und starker Reibung. Sie färbten zudem nicht oder kaum auf andere Textilien ab. Problematische Farbbestandteile sind in diesem Test kein Problem.

Entscheidend beim Wandern sind trockene Füße. Leitet eine Socke den Schweiß nicht ausreichend an die Textiloberseite, dann wird die Haut feucht und weicht auf. Schmerzhafte Blasen sind die Folge. In Ganzjahresstrümpfen sollten Füße deshalb eigentlich bestens atmen können. Vollends überzeugt hat im Labor allerdings lediglich ein Produkt. 13 Socken bescheinigen wir nur eine "gute" Atmungsaktivität. Eine mäßige Durchlässigkeit für Schweiß zeigten die Icebreaker Merino Hike Crew Medium Cushion. Dafür gab es zwei Noten Abzug im Praxistest.

Die Wolle vom Merinoschaf kann viel. Moderne Verarbeitung macht sie kuschelweich. Sie ist schweißdurchlässig, riecht auch nach Tagen auf der Haut kaum und wärmt gleichzeitig. Kein Wunder also, dass Outdoorhersteller die Naturfaser häufig in funktionaler Bekleidung verweben. Oft wird den Schafshaaren darüber hinaus zugeschrieben, dass sie Bakterien im Zaum halten können. Zwei Hersteller im Test bewerben ihre Merinosocken damit. Doch stimmt das? "Weder das nach der Waschung verbliebene Tierfett im Merinowollgewebe noch seine wasserabweisende Eigenschaft wirken nachweisbar antimikrobiell", sagt Dr. Elisabeth Heine, die antimikrobielle Ausrüstung von Textilien am DWI - Institut für Interaktive Materialien der RWTH Aachen erforscht. Ihr zufolge gibt es nur eine australische Studie aus den 1970er-Jahren, die allein eine Wirksamkeit von Wachsbestandteilen, chemisch gewonnen aus frisch geschorener Rohwolle, gegen Bakterien beschreibt. Bei industriell verarbeitetem Wollgewebe sei eine solche Wirkung aber nicht nachweisbar. Bekleidungstextilien aus Merino besitzen laut Heine zudem höchstens Wachsrückstände von 0,2 bis 0,3 Prozent. Wir werten folglich wegen Irreführung ab.

ÖKO-TEST Juni 2017

ÖKO-TEST Juni 2017
Erschienen am
26. Mai 2017

Preis: 4.50 €

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