Kinder / Baby
TEST vom 23. Februar 2017
Babynahrung, Getreidebreie
Wer soll’s auslöffeln?
Babynahrung, Getreidebreie
Zwei Esslöffel Getreideflocken oder -grieß aus der Packung, etwas Milch dazu und ein bisschen Obst: Fertig ist die Babybeikost. Die als Getreidebrei vermarkteten Produkte können Eltern schnell zubereiten und lecker aufpeppen. Aber sind die Produkte auch frei von Schadstoffen? Leider nicht immer.

Für Essanfänger ist eigentlich jede Geschmacksrichtung eine Sensation. Produkte wie Babykekse oder Stracciatella-Brei sprechen also zunächst einmal die einkaufenden Eltern an. Eher schlicht kommen die Instantgetreidebreie daher. Dafür sind sie aber mit den Ernährungsempfehlungen für Säuglinge kompatibel. "Die Getreideflocken ohne Schnickschnack wie Zucker oder fertiges Milchpulver sind eines der vernünftigsten Fertigprodukte fürs Breialter", sagt eine ÖKO-TEST-Kollegin. Aus der Breizeit ist ihr vierjähriger Sohn bereits raus, aber sie erinnert sich noch an das gute Gewissen beim Zubereiten der Getreide-Obst- und Milch-Getreide-Breie.

Aus der Packung kommt das Getreide als Flocken oder Grieß. Milch und/oder Wasser und Obst mischen die Eltern selbst hinzu und sind dadurch in der Früchteauswahl flexibel. Als Produkte für Säuglinge und Kleinkinder unterliegen die Getreidebreie der EU-Richtlinie für Getreidebeikost. Das hat zur Folge, dass bestimmte Nährstoffe wie Vitamin B1 in ausreichender Menge enthalten sein müssen und dass zum Beispiel für Arsen in Reis strenge Grenzwerte gelten. Gut kontrolliert, auf wenige Zutaten begrenzt und fast immer in Bio-Qualität: Das klingt allerdings vernünftig.

Als Getreide kommen bei den Herstellern Hafer, Dinkel, Weizen, Hirse oder Reis in die Tüte. Kombinationen aus verschiedenen Sorten sind eher in der Unterzahl. Hirse und Reis werden aber immer wieder gemischt. Beide Getreidesorten sind glutenfrei. Lebensmittel ohne Gluten haben eine große Fangemeinde auch außerhalb der Gruppe, die aufgrund einer Zöliakie-Erkrankung kein Gluten verzehren darf. Für die Säuglingsernährung hat das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) erst vergangenes Jahr die Empfehlungen zur Einführung glutenhaltiger Lebensmittel überarbeitet. Weder der Zeitpunkt des Erstkontaktes noch das Vorhandensein von Muttermilch bei der Gluteneinführung beeinflussten das Risiko für die Entstehung einer Zöliakie, heißt es im Ernährungsplan für das erste Lebensjahr.

"Eltern können Gluten im Rahmen der Beikost zunächst in kleinen Mengen geben und diese Menge dann steigern. So kann der Milch-Getreide-Brei zunächst zum Beispiel mit Hafer zubereitet werden", sagt Monika Cremer vom Netzwerk Gesund ins Leben. Hafer enthalte weniger Gluten als Weizen oder Dinkel. Ist eine glutenfreie Ernährung nötig, ist Hirse eine gute Alternative zu Reis, der - wie unsere aktuellen Tests von Reis und Reiswaffeln zeigen - häufig mit krebserregendem anorganischem Arsen belastet ist.

Wir wollten wissen, ob auch Reisbreie belastet sind und welche anderen Schadstoffe in Hafer und Co. stecken. 19 Produkte, darunter nur ein konventionelles, haben wir für Sie eingekauft und ins Labor geschickt.

Das Testergebnis

Den Kindern etwas Gutes tun: Mit den acht "sehr guten" und "guten" Getreidebreien im Test ist das kein Problem. Reine Reisbreie sind allerdings nicht darunter.

Arsen, wir haben ein Problem! Immer wieder weisen die von uns beauftragten Labore krebserregendes anorganisches Arsen in Reis und Reisprodukten nach. Richtig angegangen wird das Problem aber anscheinend nicht. Von acht Getreidebreien mit Reisanteil sind vier reine Reisbreie. Diese sind erwartungsgemäß auch besonders stark belastet. Drei davon überschreiten sogar den Grenzwert für anorganisches Arsen in Reis, der für die Herstellung von Lebensmitteln für Babys und Kleinkinder verwendet wird. Der Grenzwert gilt aber nur für die Ausgangsware, nicht für die verarbeiteten Produkte, die häufig höher belastet sein können. Das liegt wohl unter anderem daran, dass durch das Erhitzen des Reises Flüssigkeit verloren geht, wodurch sich die Arsengehalte etwas konzentrieren. Reis ist im Gegensatz zu anderem Getreide auch deshalb so belastet, weil das Wasser, mit dem die Produzenten die Pflanzen fluten, hohe Gehalte an Arsenverbindungen aufweist. Über die Wurzeln nimmt die Reispflanze das Arsen auf und reichert es in den Körnern an.

Abgeschmiert? In mehr als der Hälfte der Breie hat das Labor gesättigte Kohlenwasserstoffe (MOSH/POSH) nachgewiesen. MOSH sind Mineralölbestandteile, die sich im Körper anreichern können und in Tierversuchen zu Organschäden geführt haben. Das Mineralöl kann über Altpapier, das für Lebensmittelverpackungen recycelt wird, oder bereits bei Gewinnungs- und Verarbeitungsprozessen durch den Einsatz von Schmierölen ins Lebensmittel gelangen. Alle von uns eingekauften Breie sind zusätzlich durch Innenbeutel, meist aus Aluminium, geschützt. Polyolefinische Kunststoffe dienen häufig als Siegelschicht. Aus dieser können POSH in geringen Mengen auf die Lebensmittel übergehen. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) konnte eine gesundheitliche Bewertung von POSH bislang nicht vorgenommen werden. Analytisch kann man sie nicht von MOSH unterscheiden. In unserem Test sind die gemessenen Gehalte von MOSH und/oder POSH in drei Produkten stark oder sehr stark erhöht.

Null Toleranz! Wenn etwas in einem Babyprodukt gar nichts zu suchen hat, dann ist das zugesetzter Zucker wie im Pomps Kindergrieß. Getreidebreie enthalten bereits von Natur aus Zucker. Außerdem wird bei den Breien häufig süßes Obst untergerührt. Zusätzlicher Zucker erfüllt demnach überhaupt keinen Zweck und bringt keinerlei Vorteile. Im Gegenteil. Stark gesüßte Speisen bergen die Gefahr einer frühen Prägung auf die Geschmackspräferenz "süß". Kinder könnten somit auch künftig Süßes bevorzugen, was die Entstehung von Übergewicht und Karies fördert.

Zurecht zugesetzt ist dagegen Vitamin B1 (auch Thiamin genannt). Denn die Hersteller erreichen mit den meisten Getreidearten - auch wenn Vollkorngetreide prinzipiell ein guter Vitamin-B1-Lieferant ist - nicht den gesetzlich vorgeschriebenen Gehalt an Thiamin, weshalb sie das Vitamin zusetzen. Ein Thiaminmangel kann in seiner extremen Form unter anderem zu einer Herzinsuffizienz führen. Alle von uns getesteten Produkte erfüllen die in der Beikost-Richtlinie geforderten Werte. Der analysierte Vitamin-B1-Gehalt des Holle Bio-Babybreis Dinkel ist allerdings um mehr als 25 Prozent geringer als der deklarierte Gehalt. Das gibt Punktabzug unter den Weiteren Mängeln.

Deklaration verbessert: Im Gegensatz zum vergangenen Getreidebreitest 2013 haben wir diese Mal weniger an der Verpackung zu bemängeln. Allerdings werten wir beim Humana Getreidebrei Grieß, Bio den fehlenden Zusatz "Den Brei nicht in der Mikrowelle erhitzen" ab. In der Mikrowelle kann der Brei leicht überhitzen.

So reagierten die Hersteller

Anbieter Holle listet in seiner Stellungnahme eine Vielzahl an Maßnahmen auf, die die Produzenten getroffen hätten, um die Migration von Kohlenwasserstoffen aus Verpackungen zu verringern. Sehr geringe Spuren fänden sich allerdings ungeachtet dessen noch immer in Babynahrung. Holle begründet dies unter anderem damit, dass die Kohlenwasserstoffe bereits durch die Rohmaterialien in das Produkt gelangten.

Laut Alnatura werden in ihrer Produktion keine mineralölhaltigen Schmierfette oder Druckfarben eingesetzt. Die MOSH/POSH-Werte seien daher mit großer Wahrscheinlichkeit auf die allgemeine Umweltbelastung zurückzuführen bzw. auf POSH, die beim Versiegeln der Folienbeutel entstehen könnten.

Ernährung im ersten Lebensjahr

Von der Geburt bis zum vierten bis sechsten Monat empfiehlt das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) ausschließliche Milchernährung, bestenfalls mit Muttermilch. Eltern führen danach die sogenannte Beikost ein, bevor das Kind ab etwa dem neunten Monat mit der Familie mitisst. Über die Beikostphase verteilt hat das Baby einen unterschiedlichen Bedarf an Nährstoffen. Es hat sich deshalb ein Drei-Stufen-Modell durchgesetzt. Als Erstes bekommt das Baby einen Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei. Etwa einen Monat später empfiehlt das FKE die Einführung des Milch-Getreide-Breis, wieder einen Monat später den Getreide-Obst-Brei.

Milch-Getreide-Brei (bevorzugt abends)

Zutaten für eine Portion

200 ml Vollmilch (3,5 % Fett)

20 g Vollkorngetreide(flocken) oder Grieß

2 EL Fruchtsaft oder zerdrücktes Obst

Zubereitung

1.) Getreideflocken in kalte, Grieß in kochende Milch einrühren. Aufkochen und ca. zwei Minuten weiterkochen lassen.

2.) Fruchtsaft oder zerdrücktes Obst unterrühren.

Tipp

Nehmen Sie Vollmilch. Das Baby braucht im ersten Lebensjahr etwas mehr Fett.

Getreide-Obst-Brei (bevorzugt nachmittags)

Zutaten für eine Portion

90 ml Wasser

20 g Vollkorngetreide(flocken) oder Grieß

100 g zerdrücktes, fein geriebenes oder püriertes Obstmus

1 TL Rapsöl

Zubereitung

1.) Getreideflocken in kalte, Grieß in kochende Milch einrühren. Aufkochen und ca. drei Minuten weiterkochen lassen.

2.) Frisches, püriertes Obst zugeben. Rapsöl unterrühren.

Quelle: Gesund ins Leben

So haben wir getestet

Der Einkauf

Hafer, Dinkel, Weizen, Hirse oder Reis: Das Angebot an Getreidebreien im Regal ist groß. Deshalb haben wir mindestens zwei von jeder Sorte eingekauft. Milchbreie - also solche, die Molke- oder Milchpulver enthalten und nur noch mit Wasser aufgegossen werden - haben wir nicht berücksichtigt.

Die Inhaltsstoffe

Unsere Reistests zeigen immer wieder ein Arsenproblem auf. Darum haben wir auch dieses Mal alle Breie mit Reisanteil auf anorganisches Arsen testen lassen. Tropanalkaloide sind unerwünschte, natürliche Inhaltsstoffe von Pflanzen wie Bilsenkraut oder Stechapfel, die als Beikräuter versehentlich mitgeerntet werden können. Hirse ist wegen der Ähnlichkeit der Samen besonders anfällig, weshalb wir die Hirsebreie im Test darauf untersuchen ließen. Pestizide, darunter auch der Wachstumsregulator Chlormequat, das Schimmelpilzgift Ochratoxin A und Cadmium analysierten die beauftragten Labore in allen Produkten.

Die Weiteren Mängel

Eltern sollten ihren Kindern Breie mit dem Löffel füttern. Wenn Kleinkinder Nahrung mit einer hohen Energiedichte mit dem Fläschchen aufnehmen, steigt das Risiko, dass sie zu viel essen. Außerdem schadet ein zu langes Nuckeln kohlenhydrathaltiger Nahrung den Zähnen. Produkte, deren Anbieter auf Fläschchenfütterung hinweisen, werten wir daher um eine Note ab.

Die Bewertung

Die Prüfer haben in den Getreidebreien hauptsächlich Arsen und Mineralöl in bedenklichen Mengen gefunden. Diese sind demnach auch für die meisten Abwertungen verantwortlich. Aber nur ein Produkt ist mit beiden Schadstoffen belastet. Auch deshalb sind über drei Viertel der Produkte "befriedigend" oder besser.

ÖKO-TEST Juni 2017

ÖKO-TEST Juni 2017
Erschienen am
26. Mai 2017

Preis: 4.50 €

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