Kosmetik / Pflege / Mode
TEST vom 30. März 2017
Make-up
Teinted Love
Make-up
Make-up soll Pickel, Pigmentflecken und andere vermeintliche Makel abdecken, ohne wie eine Maske auf dem Gesicht zu liegen. Was man den Make-ups allerdings nicht ansieht: ob sie problematische Stoffe enthalten. Deshalb haben wir 20 Produkte in die Labore geschickt.

Wenn Nachrichten- und Talkshowmoderatoren vor die Fernsehkameras treten, wirken sie im besten Fall ausgeschlafen, haben weder Augenringe noch Pickel und sehen trotz HD-Auflösung völlig natürlich aus. Da allerdings auch Moderatoren ganz normale Menschen mit einem ganz normalen Alltag sind, der auch in ihren Gesichtern ganz normale Spuren hinterlässt, helfen für den makellosen Teint Profis nach: die Maskenbildner. Machen sie ihren Job gut, gelten sie mit Fug und Recht als Künstler - nicht umsonst heißen sie im Englischen Make-up Artists. Und doch bemisst sich die Qualität ihrer Arbeit abseits der Spezialeffektsparte nicht daran, wie viel, sondern wie wenig zum Schluss von ihr zu erkennen ist.

Aber was macht eigentlich eine gute Profischminke aus? Bernd Bauer kennt die Herausforderungen, die mit der Einführung hochauflösender Kameratechnologien noch gestiegen sind. Der Maskenbildner und seine Kollegen aus der Agentur Die Maske in Köln (www.die-maske.de) schminken regelmäßig Menschen, die für TV-Produktionen jeglicher Art vor die Kameras treten. Entsprechend hohe Ansprüche hat Bauer an seine Arbeitsmaterialien: "Wir benutzen Spezialprodukte, HD-Make-ups, die speziell für Film und Fernsehen entwickelt wurden. Diese Make-ups sind so fein, dass man sie eigentlich kaum sehen kann - die Hautstrukturen sollen sichtbar bleiben und nicht zugepappt werden", erklärt der Profi.

Während Frauen im asiatischen Raum für einen hellen, porzellanartigen Teint nicht selten sogar zur Bleichpaste greifen und US-Amerikanerinnen gar keinen Hehl daraus machen, ordentlich in die kosmetische Trickkiste zu greifen, ist in unseren Breiten eher Natürlichkeit angesagt: "Bei der deutschsprachigen Frau ist immer der Wunsch da, so geschminkt zu sein, dass man die Schminke nicht erkennt. Der Traum jeder Frau: Man soll zu ihr sagen, sie sehe gut aus, nicht ‚das Make-up sieht gut aus'", sagt Bauer.

Für TV-Moderatoren sei das ein besonders wichtiger Aspekt, der den Anspruch an die Maskenbildner noch verstärkt: "Bei Schauspielern, die in eine Rolle geschminkt werden, sind Veränderungen üblich. Aber ein Moderator ist er selbst und kann niemand anderen spielen - deshalb mag er es nicht, wenn er sich verfremdet vorkommt."

Für eine möglichst natürliche Wirkung verwenden die Profis deshalb mehrere Farbtöne - mindestens drei verschiedene Nuancen. "Wir arbeiten immer mit einer Grundierung, einer Aufhellung und einer Schattierung - dann gibt es meistens noch eine Belebung, indem wir einen Rotton hinzufügen. Auch wenn das für viele schwer vorstellbar ist: Rot wird überall mit hineingearbeitet, wie ein Zwischenton, der verhindert, dass das Gesicht wie eine Maske wirkt."

Damit das auch zu Hause gelingt, bietet der Kosmetikhandel ein riesiges Sortiment an Produkten, in dem sich ebenfalls der Wunsch nach Natürlichkeit spiegelt: "Hauttonangleichende" Foundations im "Nude-Look" sollen einen möglichst natürlich wirkenden Teint zaubern und Rötungen und Unregelmäßigkeiten trotzdem wirkungsvoll kaschieren. Wir haben 20 solcher Flüssig-Make-ups eingekauft und ihre Rezepturen in den Laboren genau untersuchen lassen.

Das Testergebnis

Naturkosmetik überzeugt - wieder einmal: Alle sieben zertifizierten Make-ups schaffen es zur Bestnote, wohingegen nur eines von 13 konventionellen Produkten wenigstens ein "gutes" Gesamturteil erhält. Das wird allerdings aus dem Verkauf genommen. Weitere zwei erreichen noch die Note "ausreichend", ganze zehn konventionelle Make-ups rasseln aber mit bis zu zwölf Minuspunkten auf ganzer Linie durch.

Pfui! Weder auf noch in die Nase gehören die Make-ups von Artdeco, Douglas, Essence und Manhattan. Sie enthalten Duftkomponenten wie künstlichen Moschusduft, der sich im menschlichen Fettgewebe anreichert und der verdächtigt wird, Leberschäden zu verursachen. Auch den Duftstoff Lilial, der sich in der Inhaltsstoffliste hinter dem sperrigen Begriff Butylphenyl Methylpropional verbirgt, beanstanden wir, denn er hat sich im Tierversuch als fortpflanzungsgefährdend erwiesen.

Hormone steuern viele Prozesse im menschlichen Körper. Werden sie aber von außen zugeführt, zum Beispiel über Kosmetikinhaltsstoffe, können sie den empfindlichen körpereigenen Hormonhaushalt stören. Propyl- und Butylparaben, die im Maybelline Fit me! Luminous + Smooth, 120, Classic Ivory enthalten sind, oder die chemischen UV-Filter Ethylhexylmethoxycinnamat und Octocrylen, wie sie gleich in sieben konventionellen Make-ups stecken, haben in wissenschaftlichen Untersuchungen solches Potenzial gezeigt. Wir kritisieren den Einsatz dieser Stoffe - umso mehr, wenn es unbedenkliche Alternativen gibt.

Haftbar gemacht. Fast schon unspektakulär wirkt da einer der Hauptbestandteile fast aller konventionellen Make-ups: Silikonöle. Sie sorgen zwar für eine weiche Textur und dafür, dass die Abdeckcreme möglichst lange auf der Haut haftet. Aber sie stören auch das empfindliche Hautgleichgewicht. ÖKO-TEST rät deshalb, lieber zu Varianten mit natürlichen Ölen und Wachsen zu greifen.

Einträglich? Durch PEG/PEG-Derivate, die in zwölf von 13 konventionellen Produkten im Test enthalten sind, können die anderen Schadstoffe unter Umständen leichter die Hautbarriere passieren. Diese sogenannten penetrationsfördernden Eigenschaften sind bei Salben für die medizinische Anwendung oft erwünscht, um den Wirkstoff in den Körper einzubringen - bei Kosmetikprodukten sehen wir sie jedoch kritisch.

Silberstreifen gibt es hier höchstens am Horizont: Metalle wie Blei, Chrom, Nickel oder Aluminium, die als mehr oder weniger starke Verunreinigungen in natürlichen Inhaltsstoffen wie Titandioxid oder Eisenoxid enthalten sein können, wies das Labor in den getesteten Make-ups nur in geringen Mengen nach, die wir nicht abwerten.

Im Konjunktiv. Wenn eine allgemein gehaltene "May-contain"-Deklaration verhindert, dass die in der von uns getesteten Nuance eingesetzten Farbbestandteile genau ersichtlich werden, haben wir nachgefragt. Verschiedene Hersteller hielten es nicht für nötig, uns gegenüber die Farbbestandteile ihrer Produkte aufzuschlüsseln. Für diese Intransparenz gibt es Punktabzug unter den Weiteren Mängeln.

Fleck, lass nach!

Eine falsche Bewegung, eine kurze Unachtsamkeit, schon ziert ein Make-up-Fleck die weiße Bluse - und hält sich dort oft hartnäckig. Mit ein paar Hausmitteln können Sie ihm zu Leibe rücken:

Erste Hilfe für robuste Textilien: Fetthaltige Flecken lösen Sie am besten mit Alkohol, wie er meist in Parfüm, Nagellackentferner, Gesichtswasser oder Haarspray enthalten ist. Geben Sie etwas davon auf den Fleck, lassen es trocknen und bürsten den Stoff anschließend vorsichtig ab. Damit Sie nicht vom Regen in die Traufe kommen, sollten Sie das Notfallmittel aber vorher an unauffälliger Stelle testen.

Eignet sich die Alkoholmethode nicht, zum Beispiel bei besonders empfindlichen Textilien wie Seide oder Leinen, kann schon ein Stück trockenes Brot helfen: Es saugt Fett und Feuchtigkeit aus dem Gewebe heraus und verhindert, dass sie sich im Stoff festsetzen.

Zu Hause können Sie den Fleck mit alkoholhaltigen und fettlösenden Haushaltsreinigern wie Backofenspray, Geschirrspülmittel oder Teppichreiniger vorbehandeln, bevor Sie das Kleidungsstück in die Waschmaschine stecken. Auch Gallseife gilt als zuverlässiger Fleckentferner. Aber auch hier gilt: Vorsicht bei empfindlichen Textilien, sie können Schaden nehmen.

Kompakt

Was ist eigentlich ...

Camouflage?

Als Camouflage bezeichnet man Abdeckcremes mit einer höheren Pigmentdichte. Damit lassen sich selbst deutliche optische Veränderungen wie Feuermale, Pigmentveränderungen oder Tätowierungen überdecken.

Contouring?

Beim Contouring wird mit hellen und dunklen Akzenten die Gesichtsform optisch modelliert. Dunkle Schattierungen, etwa unterhalb der Wangenknochen, seitlich des Nasenbeins oder am oberen Rand der Stirn heben danebenliegende, hellere Partien hervor. Diese Stellen lassen sich dann mit sogenannten Highlightern noch weiter betonen.

Colour Correction?

Hier wirken Komplementärfarben gegen farbliche Unregelmäßigkeiten im Hautbild: Rötungen wie Pickel oder Aknenarben lassen sich mit grüner Abdeckpaste kaschieren, dunklen Augenringen rückt man mit Apricot-Tönen zu Leibe, Violett hilft gegen einen gelbstichigen Teint und Gelb lässt bläulich durch die Haut schimmernde Venen verschwinden.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Der Trend beim Make-up geht zur Natürlichkeit: Geschminkt sein, ohne geschminkt auszusehen. Deshalb werden die Teintschmeichler immer häufiger als "leichte Foundation", "hauttonangleichend" oder mit dem "Nude-Look" beworben. Solche haben wir in Naturwarenläden, Drogerien und Parfümerien eingekauft. Die Preisspanne, umgerechnet auf 30 Milliliter, reicht von 1,99 bis 34,48 Euro.

Die Inhaltsstoffe

Wichtige Bestandteile aller Make-ups sind mineralische Farbstoffe wie Titandioxid oder Eisenoxide. Sie sind natürlichen Ursprungs und können mit Schwermetallen wie Blei, Chrom und Cadmium oder mit Aluminium und Nickel belastet sein. Darauf ließen wir sie im Labor untersuchen. Außerdem wurden sie zum Beispiel auf problematische Duftkomponenten, krebsverdächtige Formaldehyd/-abspalter und umstrittene halogenorganische Verbindungen überprüft.

Die Weiteren Mängel

Auf vielen Packungen ist nur eine allgemeine Auflistung von Farbstoffen angegeben, die in allen angebotenen Nuancen enthalten sein können - aber nicht müssen: Diese sogenannte May-contain-Deklaration sollten die Hersteller aufschlüsseln, da wir wissen wollen, welche Stoffe exakt in dem von uns getesteten Farbton eingesetzt werden. Taten sie es nicht, sorgte das für Punktabzug. Steckt das Make-up im Plastikspender, kann uns kein Hersteller glaubhaft machen, dass zum Schutz auch noch ein Karton nötig ist. Den tolerieren wir nur, wenn er einen Glasbehälter vor dem Zerbrechen schützt.

Die Bewertung

Wiesen die Labore problematische Substanzen nach, schlug sich das im Testergebnis nieder. Die meisten konventionellen Make-ups enthalten PEG/PEG-Derivate und Silikonverbindungen, die nicht förderlich für das empfindliche Hautgleichgewicht sind. Kritischer noch sehen wir Konservierungsmittel und UV-Filter, die in Tier- oder Zellversuchen hormonwirksame Eigenschaften gezeigt haben, und gesundheitsschädliche Duftstoffe.

ÖKO-TEST Juni 2017

ÖKO-TEST Juni 2017
Erschienen am
26. Mai 2017

Preis: 4.50 €

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