Geld / Recht
TEST vom 30. März 2017
Grüne Geldanlage
Wenig Licht, viel Schatten
Grüne Geldanlage
Die Finanzkrise hat auch gute Seiten. Sie hat die Nachfrage nach ethisch-ökologischen Geldanlagen kräftig angekurbelt. Doch viele Grüne-Geld-Investments sind riskanter als gedacht, vereinzelt werden gutgläubige Grünanleger sogar abgezockt. ÖKO-TEST wagt den Rückblick und zieht eine erste Bilanz.

Hohe Renditen plus ein gutes Öko-Gewissen? Das kann es bei nachhaltigen Geldanlagen durchaus geben. Oft genug geht es aber auch schief, wie allein die Beispiele von Prokon oder German Pellets zeigen. Denn in Sachen Rentabilität, Liquidität und Sicherheit gelten für ethisch-ökologische Geldanlagen die gleichen Regeln wie für konventionelle Geldanlagen. Das bedeutet: Anleger müssen zugunsten des nachhaltigen Anlageziels zwar nicht auf Rendite verzichten, sie bekommen aber auch keinerlei Renditebonus und auch kein Plus an Sicherheit geschenkt. Im Gegenteil. Je höher die Renditeversprechen sind, desto höher ist auch bei Umweltinvestments das Risiko der Anlage. Deshalb kommt es bei der Auswahl primär auf die Anlageform und dann erst auf die Details der Grünanlage an. Sonst wird die nachhaltige Geldanlage schnell zum Desaster. Denn gerade bei Umweltinvestments dominieren oft Anlageformen, die keinerlei Sicherheit bieten. Darauf hat ÖKO-TEST in den vergangenen Jahren immer wieder deutlich hingewiesen und vor den Risiken gewarnt: "Ob Anleger die versprochenen Zinsen und die Rückzahlung des Kapitals pünktlich und in voller Höhe erhalten, hängt allein von der Bonität der Emittenten ab".

Wie richtig wir damit lagen, zeigt der aktuelle Überblick über die Entwicklung der Angebote: Von 71 untersuchten Beteiligungen verlaufen lediglich 29 planmäßig. Das entspricht einer Quote von bescheidenen 40,8 Prozent. Von den restlichen 42 Offerten dagegen endeten 17 bereits mit Schrecken, weil entweder der Anbieter oder der geschlossene Fonds selbst Insolvenz anmelden musste oder zahlungsunfähig ist (in den Tabellen ab S. 134 rot markiert). In diesen Fällen haben Anleger ihr Kapital ganz oder zumindest teilweise in den Sand gesetzt. Weiteren elf Investments (gelb markiert) droht unserer Meinung nach ein ähnliches Schicksal. Denn massive Verzögerungen oder Kürzungen der versprochenen Ausschüttungen zeigen, dass bereits der Wurm drin ist. In weiteren sechs Fällen sind die prospektierten Ausschüttungen zumindest fraglich. Bei sieben sind Erfolg oder Misserfolg derzeit noch nicht absehbar, weil die Anbieter erst am Ende einer langen Laufzeit von zehn Jahren und mehr erste Erträge ausschütten wollen.

Bei den insgesamt 75 untersuchten börsennotierten Investments wie Anleihen, handelbaren Genussscheinen, Aktien, ETF-Indexfonds und Zertifikaten, sieht es dagegen deutlich besser aus: Sechs Offerten wurden zwar eingestellt, allerdings ohne Verlust für die Anleger. Sie bekamen Ihr eingezahltes Geld zurück. Bei immerhin 44 Anleihen, Genussscheinen und ETFs lief sogar alles planmäßig. Die Anleger erhielten also sämtliche Ausschüttungen genau wie versprochen. Das ist eine Erfolgsquote von immerhin 58,7 Prozent. Mehr noch: Mit breit gestreuten Angeboten, wie ETF-Indexfonds auf nachhaltige Börsenindizes, konnten die Anleger sogar richtig gut verdienen. Im Schnitt haben sie mit diesen Papieren in den vergangenen fünf Jahren jährliche Durchschnittsrenditen von 7,3 bis 14,9 Prozent erzielt. Das ist ein üppiger Ertrag, der zudem belegt: Auch etwas riskantere Umweltschutzinvestments können sich durchaus lohnen, sofern man auf die richtige Anlageform und ausreichende Risikostreuung achtet.

Getrübt wird das Bild bei den börsennotierten Anlagen allerdings von 19 Pleiten (ebenfalls rot markiert) und sechs Offerten, die unsere Meinung nach Zahlungsprobleme haben (gelb markiert), die jedoch überwiegend auf das Konto der Mittelstandsanleihen gehen. Denn in diesem Marktsegment wurden Anleger regelrecht abgezockt, wie die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SDK) in ihrem Schwarzbuch Börse 2016 feststellte. Betroffen waren nicht nur die grünen Investments. Nach Angaben der Experten von BondGuide, einer Plattform für Unternehmensanleihen, wurden am sogenannten Minibondmarkt in den letzten Jahren insgesamt sage und schreibe 1,8 Milliarden Euro Anlegerkapital verbrannt - Tendenz weiter steigend. Längst hat sich herausgestellt, dass dieses Marktsegment offenbar von Anfang an Etikettenschwindel war. Denn was unbedarfte Anleger mit dem Begriff "Mittelstand" verbanden, also zum Beispiel Solidität, Seriosität und Wertarbeit, das hatten viele Emittenten gar nicht zu bieten. Umso erstaunlicher ist es, dass Ratingagenturen auch die längst kollabierten Anleihen oft mit einem A- oder immerhin BBB-Rating bewerteten, was einer guten bis sehr guten Bonität entspricht - und viele Anleger oft bedenkenlos zugreifen ließ. Denn solche "Traum"-Noten gibt es bei Unternehmensanleihen normalerweise nur für grundsolide internationale Großkonzerne, wie BASF oder Daimler. Allerdings waren bei den Mittelstandsanleihen nicht die großen und erfahrenen Ratingagenturen wie Moody’s oder Standard & Poor’s am Werk, sondern kleine deutsche Bonitätswächter wie die Berliner Agentur Scope oder die Neusser Creditreform. Ob die nicht so genau hingeschaut haben, Gefälligkeitsnoten vergaben oder durch kreative Buchführungspolitik der Emittenten selbst getäuscht wurden, wird am Markt mittlerweile heftig diskutiert. Eine Studie im Auftrag der schweizerischen Fachzeitschrift Kredit & Rating Praxis kommt auf jeden Fall zu dem Ergebnis, dass die Ratingnoten in diesem Marktsegment durchweg zu gut ausfielen und die Ausfallwahrscheinlichkeit der Papiere viel zu niedrig eingeschätzt wurde. Außerdem wundern sich die Studienautoren über die Diskrepanz zwischen dem Rating und den Zinskupons der Minibonds. "Wenn ein Unternehmen ein BBB-Rating aufweist und dann eine Rendite von über sieben Prozent bietet, muss sich ein potenzieller Bondskäufer fragen, warum bei einer derartig hervorragenden finanziellen Stabilität keine günstigere Finanzierung möglich ist", so die Studienautoren.

Dieser Widerspruch war ÖKO-TEST schon vor sechs Jahren aufgefallen, als wir vor diesen Anleihen warnten. Damals wunderte sich ÖKO-TEST über die gute Bewertung von German Pellets, die von Creditreform ein solches BBB-Rating erhielten. "Die hohen Zinsen - im Vergleich zu sicheren Bundesobligationen muss German Pellets jährlich stolze fünf Prozentpunkte mehr Zinsen zahlen - sind ein Indikator für das mit der Anleihe verbundene Risiko", warnte ÖKO-TEST seinerzeit - und traf damit voll ins Schwarze. Seit Februar 2016 ist German Pellets pleite. Das vor elf Jahren von Peter Leibold gegründete Unternehmen mit weltweit mehr als 30 Tochtergesellschaften brach zusammen wie ein Kartenhaus. Über Anleihen und Genussrechte hatte der Brennstoffhersteller in den vergangenen Jahren insgesamt rund 250 Millionen Euro bei 17.000 Anlegern eingeworben, die jetzt um ihr Geld bangen. Seit Monaten ermittelt die Rostocker Staatsanwaltschaft gegen Leibold wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung, Bankrott, Untreue und Steuerhinterziehung. Ein Ende der Ermittlungen ist aufgrund der verschachtelten Konzernstruktur aber noch nicht absehbar. Dafür ist Firmengründer Leibold wieder im Geschäft. Wie kurz vor Weihnachten bekannt wurde, hat er drei Pelletwerke von ehemals verbundenen Firmen aus der Insolvenzmasse zurückgekauft. Das Geld aus dem Werkverkauf fließt aber nicht der alten GmbH zu, sodass die geprellten Anleger sich daran nicht schadlos halten können. 30 von ihnen ist daraufhin der Kragen geplatzt. Sie haben Anfang Januar über die Frankfurter Kanzlei Nieding + Barth Schadenersatzklagen gegen Peter Leibold, dessen Ehefrau, gegen die zuständige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und weitere Personen eingereicht.

Noch mehr Kapital als German Pellets vernichtete das Landwirtschaftsunternehmen KTG-Agrar. Der Agrarkonzern von Vorstandschef Siegfried Hofreiter, der über mehrere Anleihen fast 350 Millionen Euro bei rund 12.000 Anlegern eingesammelt hatte, war einer der größten Emittenten am Markt für Mittelstandsanleihen - und galt lange Zeit als Vorzeigeunternehmen. Im Juni 2016 konnte der Konzern dann zunächst die Zinsen nicht pünktlich zahlen. Anfang Juli stellte das mit knapp 400 Millionen Euro überschuldete Unternehmen den Insolvenzantrag. Seither stehen die Anleiheinvestoren vor einem Scherbenhaufen. Der größte Aktivposten der Bilanz über 214 Millionen Euro bestand offenbar überwiegend aus substanzlosen Forderungen. Mehr noch: Ende September musste auch die Bio-Gas-Tochter KTG-Energie Insolvenz anmelden. Dort saß Hofreiter im Aufsichtsrat. Die KTG-Energie galt eigentlich als wertvollster Teil im Reich des schillernden Firmengründers Hofreiter. Denn sie betreibt über ihre 19 Töchter Bio-Gasanlagen mit garantierten Einspeisevergütungen über 20 Jahre und verwendet dafür Abfälle aus Bauernhöfen. Doch infolge der Insolvenz der Muttergesellschaft kam auch die KTG Energie unter Druck und konnte ihre eigene Mittelstandsanleihe über 50 Millionen Euro nicht mehr bedienen. Die ist jetzt für die Anleger nur noch ein Häufchen Mist. Mit einer Insolvenzquote von weniger als drei Prozent droht ihnen nahezu ein Totalverlust. Anlegerschutzanwälte sind aber schon dabei zu prüfen, ob den Anlegern nicht Schadenersatzansprüche zustehen. Auch die Staatsanwaltschaft beschäftigt sich längst mit den merkwürdigen Geschäften des KTG-Konzerns.

Skandale, Missstände und Pleiten gab es aber nicht nur bei grünen Mittelstandsanleihen. Auch bei einigen Beteiligungen ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft. Das gilt zum Beispiel für die PT erneuerbare Energien GmbH in Villingen-Schwenningen, die ÖKO-TEST bereits im Mai 2014 als bedenklich einstufte. Damals offerierte die PT-Solargruppe mit dem PT Grünzins ein Nachrangdarlehen, bei dem die Werbung suggerierte, hier würde eine sicherere Sparanlage verkauft und keine Beteiligung. "Wer hier zugreift, geht ein hohes Risiko ein. Totalverlust nicht ausgeschlossen", so ÖKO-TEST seinerzeit. Mittlerweile kreist über dem Firmenimperium von Geschäftsführer Erik Tröster der Pleitegeier. Im Sommer vergangenen Jahres bat Tröster seine Anleihegläubiger um Zinsstundung. Gleichzeitig ließ er durchblicken, dass er andernfalls Insolvenz beantragen müsste. Die restlichen Anleger der weitverzweigten PT-Gruppe, der fast 800 private Investoren rund 12,9 Millionen Euro anvertrauten, warten teilweise sogar schon seit 2013 auf ihre Ausschüttungen, darunter auch Anleger der beiden PT Energiefonds Dingolfing und Solarinvest, die sich schon 2011 auf der Warnliste von ÖKO-TEST fanden. Seit Jahresbeginn ermittelt zudem die Staatsanwaltschaft gegen Tröster und seine Gesellschaften wegen des Verdachts auf Untreue und Betrug. Ob und wie viel die geprellten Anleger von ihrem Geld wiedersehen werden, steht in den Sternen.

Ähnlich sieht es auch im Fall der insolventen Lignum Sachwerte Edelholz AG aus. Die hatte seinerzeit rund 3.500 Anleger mit über 5.000 Verträgen zu Direktinvestments in bulgarische Edelholzplantagen verleitet - allesamt in der Hoffnung, das wertvolle Edelholz nach 12 bis 22 Jahren mit hoher Rendite verkaufen zu können. Insgesamt rund 70 Millionen Euro wurden in die unter dem Namen "Nobilis" vermarkteten Produkte investiert. Doch die reichhaltige Ernte blieb aus. Seit die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht das öffentliche Angebot im März 2016 untersagte, weil Lignum der Aufsicht keinen gesetzeskonformen Prospekt vorlegen konnte, rutschte Lignum samt Tochterfirmen in die Pleite. Den Anlegern droht der Totalverlust. Dabei hatte ÖKO-TEST schon Ende 2009 vor der Offerte gewarnt. "Eigentlich erwerben die Anleger gar keine Bäume. Sie schließen lediglich ein Termingeschäft auf den Erlös aus der späteren Holzmenge ab. Das ist hochriskant", urteilte ÖKO-TEST damals. Auf der Gläubigerversammlung am 1. März 2017 stellte sich jetzt heraus, wie recht ÖKO-TEST damit hatte. Mehr noch: Derzeit lässt sich nicht einmal aufklären, wem die Plantagen in Bulgarien überhaupt gehören. "Es ist nicht erkennbar, dass die Lignum Sachwerte Edelholz AG oder die Muttergesellschaft, Lignum Holding GmbH, Eigentümerin der bulgarischen Grundstücke geworden ist", so der Insolvenzverwalter. Vor diesem Hintergrund ist auch das Sicherheitskonzept, mit dem das Unternehmen die Bedenken der Anleger zerstreuen wollte, mehr als fragwürdig. Sogar von Betrug ist schon die Rede. Laut Prospekt sollten die Baumbestände grundpfandrechtlich abgesichert werden. Doch es gibt offensichtlich gar keine Sicherheiten, wie die bulgarischen Pfandzertifikate vorgaukelten. Anlegerschutzanwälte gehen mittlerweile davon aus, dass womöglich das gesamte Geschäftsmodell von Anfang an nicht tragfähig gewesen ist. Um wenigstens einen Teil vom Kapitaleinsatz wieder zu sehen, müssten Anleger daher Schadenersatzansprüche gegenüber Berater und Vermittlern geltend machen. Eine erste Klage hat das Landgericht Tübingen aber im Februar abgewiesen (Az.: 3 O 120/16). Begründung: Es hätte auf der Hand gelegen, dass die Rendite letztlich nur aus einem Anstieg des Holzpreises zu erzielen war. Der sei aber kaum verlässlich prognostizierbar, was auch vom Anleger leicht zu durchschauen ist. Daher sei klar gewesen, dass alle entsprechenden Prognosen keine sichere Grundlage haben konnten. Mit anderen Worten: Wer sich vom teuren Hochglanzprospekt blenden ließ, ist selbst schuld.

Anderen Holzanlegern könnte es ähnlich gehen, wenn sich ihre Investments mit Laufzeiten von zehn bis zwanzig Jahren am Ende doch nicht rechnen. Denn gerade Holzinvestments werden meist in fernen Ländern mit zweifelhafter Rechtssicherheit angeboten. Zudem wird Anlegern gerne vorgegaukelt, sie würden Eigentümer der Bäume. Doch das dürfte sich - wie im Lignum-Fall - oft als Illusion erweisen. Zudem sind die miteinander verknüpften Kauf-, Pacht- und Bewirtschaftungsverträge, die Anleger beim Investment unterschreiben, sowie die verschachtelten Firmengeflechte der Anbieter meist völlig intransparent. So wie im Fall der Oliveda Switzerland AG, die Anlegern vor sechs Jahren "Sale and lease back"-Verträge über Olivenhaine mit mindestens zehn Olivenbäumen in Andalusien anbot. Die Basler Firma wurde mittlerweile von der schweizerischen Aufsicht geschlossen, die hier ein Schneeballsystem vermutete. Zudem hatte Oliveda das Schweizer Bankrecht verletzt. 2015 wurde das Konkursverfahren eröffnet und die Firma liquidiert. Den Anlegern soll aber kein Schaden entstanden sein, so Firmengründer Thomas Lommel. Denn über die neu gegründete, deutsche Olive Tree Farmes GmbH und britische Aristaeos Holding Ltd. bietet Lommel weiterhin nahezu identische Investments an. Zumindest einigen Anlegern der ehemaligen Schweizer Firma wurde zudem ein Tauschangebot von der alten in die neue Beteiligung gemacht. Der Trick bei der neuen Offerte: Anders als früher ist die Rückzahlung des Investments bei Olive Tree Farmers nicht mehr vorgesehen. Stattdessen wird die Vermittlung von Kaufinteressenten für die Bäume avisiert. Damit gilt das Holzinvestment aber nicht mehr als klassische Vermögensanlage. Lommel muss - anders als manche Konkurrenten am Markt - daher offenbar nicht einmal einen Prospekt für die neue Offerte erstellen. Und Anleger können im Fall des Falles vermutlich nicht einmal die Vermittler haftbar machen, wenn das Geschäft schiefgeht.

Ähnlich könnte es auch bei den Angeboten von Majestic Trees aussehen. Hier erwerben Anleger Mahagonibäume in der dominikanischen Republik und sollen später an der Holzernte verdienen. Die deutsche Viva AG bietet Käufern mit geringem Eigenkapital sogar die Möglichkeit, den Kauf zu finanzieren. Ob die Rechnung aufgeht, ist jedoch mehr als ungewiss.

Nicht immer sind es aber krumme Touren, die Anlegern bei Beteiligungen einen Strich durch die Rendite-Rechnung machen. Auch wer sich zu sehr auf die Zusagen des Gesetzgebers verlässt, ist bisweilen falsch beraten. Diese bittere Erfahrung machen derzeit Zehntausende von Anlegern, die ihr Geld in spanische oder italienische Solarfonds investiert haben. Die versprochenen Renditen von bis zu acht Prozent pro Jahr auf ihre Einlage können sie sich wohl abschminken. Denn weil die Kosten aus dem Ruder liefen, haben die Regierungen in Madrid und Rom die Einspeisevergütungen für Sonnenstrom drastisch gesenkt - teilweise sogar rückwirkend. Für einige Fonds bedeutete dies das Aus. In anderen Fällen wurden die Ausschüttungen verschoben oder zumindest spürbar gekürzt. Zwar haben manche Anlagenbetreiber noch versucht, gegen die drastischen Tarifkürzungen gerichtlich vorzugehen. Bislang allerdings ohne Erfolg. In Italien hat das Verfassungsgericht sogar bestätigt, dass die rückwirkende Kürzung des Fördertarifs für Photovoltaikanlagen rechtmäßig war.

Besonders ärgerlich dabei: Dass am strahlend blauen Himmel, den Anbieter von spanischen oder italienischen Solarfonds ihren Anlegern versprachen, dunkle Wolken aufzogen, kann der Branche eigentlich nicht verborgen geblieben sein. Schon im Januar 2010 wies ÖKO-TEST ausführlich auf die drohende Kappung der üppigen Einspeisevergütung in Spanien hin. "Das bedeutet für Neuanlagen: Investoren können kaum noch verlässlich kalkulieren", warnte ÖKO-TEST seinerzeit und skizzierte auch die ersten Gefahren für den italienischen Solarmarkt, auf den die Fondsinitiatoren damals gerade umschwenkten. Dennoch wurden immer wieder neue Beteiligungen aufgelegt - bis das Mitte 2015 verabschiedete Kleinanlegerschutzgesetz dem einen Riegel vorschob. Denn seither wurden die Anforderungen an die Kapitalausstattung, die Kompetenz der Geschäftsleiter sowie die Risikostreuung, die Berichtspflichten und die Kontrolle durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) bei Beteiligungen erheblich verschärft. Daher hat sich das Geschäft mit grünen Einzelanlagen aus dem Wind, Sonne, Wald und Energiebereich nunmehr auf neue Anlageformen im Internet verlagert.

Heutzutage sammeln die Betreiber von Solar-, Bio-Gas- und Windenergieanlagen das Geld für ihre Geschäftsideen über Crowdinvesting-Portale kleingestückelt im World Wide Web ein. Der Grund ist simpel: Bei den Crowd-Offerten sind die neuen aufsichtsrechtlichen Hürden spürbar niedriger. Wird die Beteiligung am Unternehmen im Netz mittels Nachrangdarlehen angeboten und macht die Gesamtfinanzierungssumme nicht mehr als 2,5 Millionen Euro aus, müssen die Anbieter nicht einmal einen ausführlichen Prospekt erstellen, aus dem alle wirtschaftlichen, juristischen und technischen Details zum Angebot ersichtlich sind. Es reicht, wenn sie ein Vermögensanlageninformationsblatt (VIB) bereithalten, das die wesentlichen Fakten des Angebots auf drei Seiten zusammenfasst sowie einen Risikohinweis enthält. Denn ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist auch hier nicht ausgeschlossen. Mehr Sicherheit für Anleger bieten daher auch grüne Crowd-Offerten nicht. Im Gegenteil. Auf den grünen Crowd-Portalen tummeln sich oft genug junge Start-up-Unternehmen aus der Branche, die eher einen professionellen Wagniskapitalgeber mit spezieller Branchenkenntnis bräuchten als biedere Anleger, die etwas für den Klimaschutz und ihr Öko-Gewissen tun wollen. Darüber hinaus enthalten die Beteiligungsverträge bisweilen Klauseln, die Kleinanleger sogar tendenziell benachteiligen. Vor allem eine faire Beteiligung am Unternehmenswert am Ende der Laufzeit oder bei Übernahme des Unternehmens durch institutionelle Anleger, wird selten geboten. Das kann der Laie aber kaum erkennen. Einziger Unterschied der Crowd-Offerten im Vergleich zu den bisherigen Beteiligungen: Anleger können nicht mehr ganz so viel Kapital verzocken wie bislang. Die Beteiligungssummen sind begrenzt. Private Anleger können höchstens 1.000 Euro pro Projekt anlegen bzw. maximal 10.000 Euro, wenn sie über entsprechendes Vermögen oder Einkommen verfügen. Das Geschäft funktioniert also nur, wenn ein Unternehmen einen ganzen Schwarm von Kleinanlegern für seine Geschäftsidee begeistern kann. In den momentanen Niedrigzinszeiten scheint das aber kein Problem zu sein. Schließlich wird auch bei den nachhaltigen Crowd-Offerten mit attraktiven Zinsen von bis zu 6,5 Prozent geworben.

Kein Wunder daher, dass in den vergangenen zwei Jahren für Projekte im Bereich erneuerbare Energien insgesamt bereits 11,7 Millionen Euro über Crowdinvesting-Portale eingesammelt wurden, wie das Informationsportal Crowdfunding.de berichtet. Bis jetzt sind alle Angebote aber noch zu jung, um Aussagen über den Erfolg oder Misserfolg der jeweiligen Offerten treffen zu können.

ÖKO-TEST Juni 2017

ÖKO-TEST Juni 2017
Erschienen am
26. Mai 2017

Preis: 4.50 €

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