Freizeit / Technik
TEST vom 06. April 2017
Holzspalter
Bis es kracht
Holzspalter
Wer Holz selbst spaltet, kann Geld sparen - und mit Holzspaltern auch Zeit und Mühe. Mit manchen Einsteigermodellen arbeitet es sich aber auf lange Sicht unnötig beschwerlich. Und Handschutz braucht man nicht nur gegen Holzsplitter, sondern auch gegen Schadstoffe.

Mit Schwung wuchtet Tamme Bohlen ein Stück Birke auf die metallene Auflage des Holzspalters und schiebt es direkt vor den Keil. Der Mitarbeiter eines norddeutschen Prüfinstituts bringt sich am anderen Ende des Geräts in Position, drückt mit der rechten Hand einen Knopf und betätigt gleichzeitig mit der linken einen Hebel. Sofort surrt der Elektromotor. Vom Bediener aus fährt per Hydraulik eine Druckplatte aus Stahl auf den Birkenstamm zu. Sie erreicht das Holz und presst es unnachgiebig gegen den Keil, bis es mit einem kernigen Knacken in zwei Teile gespalten ist. Tamme Bohlen lässt Knopf und Hebel los, die Platte bewegt sich an ihren Ausgangspunkt zurück. Das nächste Stück ist dran.

Was im Juli 2016 neben einer Scheune in Norddeutschland für ÖKO-TEST geschieht, wiederholt sich jährlich an vielen Orten. Immer mehr Haushalte heizen hierzulande mit Holz. Zwischen 2010 und 2014 stieg ihre Zahl um 10,9 Prozent auf 7,1 Millionen, berichtet das Zentrum Holzwirtschaft der Universität Hamburg. Die meisten verfeuern demnach Scheitholz aus Wald oder Garten, das sie vor allem über Waldbesitzer, Forstämter, Landwirte oder Bekannte beziehen. Brennstoffhandel, Baumarkt und sonstiger Einzelhandel spielen laut dem Bericht eine untergeordnete Rolle. Die Scheite kann man sich natürlich auch bequem ofenfertig liefern lassen. Allerdings kostet ein Raummeter gespaltenes, getrocknetes, 33 Zentimeter langes Hartholz durchschnittlich 92 Euro, so das Ergebnis einer deutschlandweiten Umfrage des Technologie- und Förderzentrums im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe (TFZ) in Bayern. Wer Eigeninitiative zeigt und das Holz selbst spaltet, zahlt deutlich weniger. "Wie viel man sparen kann, lässt sich nicht pauschal sagen. Zum einen unterscheiden sich die Preise regional stark, zum anderen hängt es auch maßgeblich davon ab, ob man das Holz nur selbst zerkleinert oder es auch selbst aus dem Wald holt, zurechtsägt oder sogar selbst fällt", sagt Kathrin Bruhn vom TFZ. Auch vom Holzverbrauch hängt es ab, wann sich ein Holzspalter rechnet. Einsteigermodelle gibt es bereits ab 250 Euro.

Zu unterscheiden ist zwischen waagerecht und senkrecht ausgerichteten Spaltern. Die waagerechten funktionieren wie oben beschrieben: Eine Druckplatte schiebt das Holz gegen den feststehenden Keil. Es gibt sie mit und ohne Gestell. Bei den senkrechten steht das Holz auf einer Metallplatte und wird über zwei Bedienarme mittels Krallen fixiert. Drückt man die Arme nach unten, fährt der Keil von oben in den festgehaltenen Stamm. Im niedrigen Preissegment wiegen Senkrechtspalter etwa 100 Kilogramm - rund doppelt so viel wie Waagerechtspalter. Sie sind zumindest theoretisch in der Lage, auch Meterstämme zu bearbeiten. Günstige Waagerechtspalter schaffen Stücke bis zu 50 Zentimetern. Profis wie Forstleute arbeiten dagegen mit deutlich teureren und schwereren Geräten, die gegenüber den kleineren Modellen ein Vielfaches an Spaltdruck ausüben.

Unterschiede gibt es auch beim Antrieb. Viele der günstigeren Geräte werden elektrisch über einen 230-Volt-Anschluss betrieben. Waagerechtspalter verfügen in der Regel über ein eigenes Stromkabel, während an der Rückseite der Senkrechtspalter ein Stromanschluss angebracht ist, sodass man hier auf jeden Fall ein Verlängerungskabel benötigt. Andere Modelle laufen mit Starkstrom oder Kraftstoffmotor.

Wie gut arbeiten relativ günstige Spalter? Gibt es Unterschiede in der Handhabung? Und sind sie mit Schadstoffen belastet? ÖKO-TEST hat sieben Waagerecht- und vier Senkrechtspalter mit 230-Volt-Anschluss in verschiedene Labore geschickt.

Das Testergebnis

Siebenmal "befriedigend", viermal "ausreichend". Die vier Senkrechtspalter zeigen gute Leistungen beim Spalten, verhageln sich das Gesamturteil aber durch viel zu viele Schadstoffe in den Griffen. Zwei Waagerechtspalter spalten zwar ebenfalls gut, unterm Strich lässt sich mit dieser Variante aber bestenfalls "befriedigend" arbeiten. Immerhin ist in puncto Sicherheit fast alles in Ordnung.

Senkrechtspalter im Vorteil: Die im Vergleich teureren Vertikalen spalten Holz von 25 und 33 Zentimetern durchweg gut. Sie sind außerdem über längere Zeit hinweg angenehmer zu bedienen als ihre horizontalen Kollegen, weil man an ihnen aufrecht stehen kann und sich nicht so oft nach dem Holz bücken muss, da es beim Spalten fixiert ist. Obwohl sie recht schwer sind, lassen sie sich ähnlich wie Sackkarren noch relativ gut transportieren. Von den Waagerechtspaltern erreichen nur der Scheppach Ox t500 und der Texas Power Split 550H "gute" Ergebnisse beim Spalten.

Vier Horizontale sind nur "ausreichend". Unter anderem, weil sich ihr Spalthub nicht verkürzen lässt. Hier fährt die Druckplatte zwangsläufig immer wieder den kompletten Weg vom einen Ende des Spalters zum Holz und zurück. Das kostet unnötig Zeit, an anderen Spaltern lässt sich diese Strecke abkürzen. Aufgrund ihrer niedrigen Arbeitshöhe ist langes Arbeiten an den Waagerechtspaltern zudem anstrengend, vor allem für große Gewachsene. Für die Prüfer waren außerdem seitlich angebrachte Knöpfe auf lange Sicht anstrengender zu bedienen als solche, die man von oben bedient.

Achtung, Klemmgefahr: Beim Scheppach Ox t500 sollten Verbraucher besonders darauf achten, nicht mit der Hand zwischen die zurückfahrende Druckplatte und das Kopfende des Spalters zu gelangen. An den Modellen Stahlmann, Texas, Atika und Güde könnten sich Verbraucher zwischen Außenkante und zurückfahrendem Hydraulikgestänge einklemmen. In puncto Sicherheit ebenfalls wichtig: Die Stromkabel so verlegen, dass auf kein Kabel Holz fallen kann. Bei den Senkrechten ist das besonders leicht, sie haben ihren Stromanschluss an der Rückseite.

Jenseits des Standards: Alle Spalter im Test schaffen auch 50-Zentimeter-Stücke. Ist das Holz mal verastet, zerteilen die Senkrechtspalter es dennoch nahezu problemlos. Mit den Waagerechten ist das etwas schwieriger, klappt aber auch. Außerdem lassen sich bei Waagerechtspaltern unrunde Stücke oft nur schwer platzieren.

Vorsicht vor Überlastung! Für ÖKO-TEST taten die Prüfer, was man nicht tun sollte: Sie setzten das Holz gegen die Faser an, verkürzten die Leerlaufzeiten und trieben die Maschinen so an die Grenze zur Überlastung. Manche hielten das 15 Minuten lang durch; andere fielen aus, erreichten aber nach dem Abkühlen im Normalbetrieb wieder ihre Leistung. Mit dem Texas Power Split 550H war nach dem Test kein normales Arbeiten mehr möglich. Die Lehren: Erstens unbedingt mit der Faser spalten, nicht gegen sie. Zweitens den Maschinen immer etwas Erholung von der Druckphase gönnen. Im Normalfall bekommen sie die ohnehin, wenn wie vorgesehen nur eine Person das Gerät bedient.

Waagerechte brauchen weniger Strom. Etwa 20 Wattstunden (Wh) sind es durchschnittlich für 20 Spaltvorgänge. Senkrechtspalter verbrauchen etwa das Fünffache.

Zu zweit aufstellen: Bei allen Produkten im Test brauchte man zum Aufbau zwei Personen. Die Senkrechtspalter ließen sich in etwa 20 Minuten montieren, bei den Waagerechten dauerte es bis zu 45 Minuten (Scheppach Ox t500).

Raus damit: Wie in so vielen von ÖKO-TEST untersuchten Griffmaterialien wiesen die Labore auch in den Spaltern Schadstoffe satt nach. Dazu gehören uns allzu gut bekannte Kandidaten: polyzyklische aromatische Kohlenwasser­stoffe (PAK) - eine Gruppe von Stoffen, von denen manche krebserregend sind; Phthalate, die im Verdacht stehen, Organe zu schädigen und wie ein Hormon zu wirken; und umweltbelastende chlorierte Verbindungen. Im Güde W 520 / 5,5 T UG und im Zipper ZI-HS7H fand das Labor giftiges Blei in erhöhter Menge. Akute Gesundheitsgefahr für Verbraucher besteht zwar nicht, zumal man beim Spalten ohnehin Handschuhe tragen sollte. Trotzdem sollten die Produzenten diese Stoffe vermeiden.

So reagierten die Hersteller

Al-Ko schrieb zum großen Unterschied von angegebenem und gemessenem Spaltdruck beim Modell KHS 5204-1: "Der von Ihren Prüfern gemessene Druck ist so für uns nicht nachvollziehbar." Die Holzspalter würden einer ständigen laufenden Fertigungsüberwachung unterzogen, um eine gleichbleibende Qualität und somit auch einen den Angaben entsprechenden Arbeitsdruck sicherzustellen. Bei dem gemessenen Wert könne es sich nur um eine "außerordentlich seltene Abweichung von der Norm oder um ein abweichendes Ergebnis aufgrund der Messumstände" handeln, die Spaltdrücke könnten zudem durch die am Gerät anliegende Netzspannung beeinflusst werden. Das von ÖKO-TEST beauftragte Prüfinstitut hat den Druck nach einem bewährten Verfahren mit einem Prüfzylinder im laufenden Betrieb gemessen und hält an seinen Ergebnissen fest.

Anbieter Scheppach, der auch für das Woodster-Modell antwortete, konnte die Abweichungen beim Spaltdruck ebenfalls nicht nachvollziehen. Diese würden bei jeder Inspektion überprüft. "Mögliche Ursache für die Messdiskrepanz können zu niedrige Ölstände, nicht vollständig entlüftete Systeme oder nicht erreichte Betriebstemperaturen sein." Sollten Kunden nicht zufrieden sein, könne der Spaltdruck im Servicecenter nachjustiert werden. Zudem wunderte sich Scheppach über die negativen Resultate in den Schadstofftests. Diese stünden nicht mit internen Vorgaben im Einklang, man werde entsprechende interne Prüfungen in die Wege leiten. "In der Zwischenzeit senden wir natürlich Kunden bei Bedenken auf Wunsch kostenfrei geprüfte Griffe zu."

Güde kündigte ebenfalls an, die Schadstoffwerte zu überprüfen.

Experte

Wann schlage und spalte ich mein Holz?

"Holz schlägt man am besten im Herbst und Winter, wenn es wenig Feuchtigkeit enthält. Dann sollte man es auch gleich spalten - und zwar immer entlang der Faser, nicht gegen sie. Später, wenn es bereits angetrocknet ist, sind die Fasern härter. Das heißt, es muss sich mehr Druck aufbauen, bevor das Holz spaltet. Dann kann es förmlich springen, was nicht ungefährlich ist. Außerdem trocknet frisches Holz schneller, wenn man es sofort zerkleinert."

Patrick Müßig ist Prüfingenieur im Fachressort Forstgeräte und Werkzeug des Kuratoriums für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF).

Kompakt

So spalten Sie sicher

Nur allein: "Viele bei uns gemeldete Verletzungen mit Holzspaltern sind passiert, weil Helfer das Holz während des Spaltens festgehalten haben. Diese Maschinen sind wirklich nur für den Ein-Mann-Betrieb konstruiert. Helfer sollten Abstand halten und keinesfalls eingreifen", betont Marc Löwer vom Bereich Prävention der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau in Kassel. Daher sollen Waagerechtspalter für Kurzholz künftig über neue Schutzvorrichtungen verfügen - etwa ein Gehäuse, in dem das Spalten stattfindet. Es wird dann keine neuen Maschinen mehr geben, die nicht in der einen oder anderen Form verkleidet sind. Schon jetzt müssen an Holzspaltern mit Zugriffsmöglichkeit in den Spaltbereich beide Hände während des Spaltvorgangs die Bedienelemente betätigen, sonst läuft nichts.

Mit Schutzkleidung: Schutzhandschuhe, Schutzbrille, Sicherheitsschuhe und je nach Empfindlichkeit auch ein Ohrenschutz sind empfohlen.

Ohne Spaltkreuz: Vertikalspalter liefern bisweilen Spaltkreuze mit, die das Holz vierteln statt halbieren. Dabei kann das Holz allerdings auch gefährlich zur bedienenden Person hinspringen.

Stolperfallen vermeiden: Wer Holzscheite rechtzeitig wegräumt und Arbeitsplatz und Maschine sauber hält, verringert das Verletzungsrisiko. Die Maschine sollte vor jedem Arbeitsgang auf offensichtliche Schäden überprüft werden, insbesondere die Schläuche.

ÖKO-TEST Mai 2017

ÖKO-TEST Mai 2017
Erschienen am
27. April 2017

Preis: 4.50 €

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