Bauen / Wohnen
TEST vom 06. April 2017
Bettdecken, Duo-Kunstfaser
Nicht nur heiße Luft
Bettdecken, Duo-Kunstfaser
Dank eines Hohlraums im Innern sollen Duo-Kunstfaserbettdecken besonders gut wärmen, außerdem gelten sie als stark atmungsaktiv. In der Praxis offenbaren die 15 getesteten Produkte Unterschiede. Was die Schadstoffbelastung angeht, können wir 13 Decken mit "gut" und zwei mit "sehr gut" empfehlen.

Dicke Decken waren früher vor allem Daune, Feder oder Naturhaar vorbehalten, doch sind sie längst auch ein Fall für die Kunstfaser. Das industriell gefertigte Material gilt als preisgünstig, besonders atmungsaktiv und gut waschbar. Und auch bezüglich der Isolation hinken Bettdecken mit qualitativ hochwertigen Kunstfaserfüllungen nicht mehr weit hinterher - vor allem als Duodecke.

Die Vorsilbe "Duo" kennzeichnet ein Produkt, das aus zwei Decken besteht, die am Rand zusammengenäht sind. Der Hintergedanke: Zwischen den beiden Komponenten bildet sich eine Luftblase, die die Wärme speichern soll.

Viele namhafte Hersteller haben Duobettdecken standardmäßig im Angebot, so auch Billerbeck. Im baden-württembergischen Kraichtal produziert das Traditionsunternehmen zu Spitzenzeiten rund 500 Stück am Tag, ein Großteil davon entfällt auf Produkte mit Polyesterfüllung. Die synthetische Kunstfaser basiert zwar auf Erdöl, hat aber den Vorteil, dass sie in unterschiedlichen Zusammensetzungen mannigfaltige Eigenschaften und Strukturen annehmen kann und sich deshalb speziell auf den gewünschten Verwendungszweck anpassen lässt. Außerdem wird das Füllmaterial ohne Tierquälerei hergestellt.

"Winterbettdecken sollen voluminös sein, damit sie viel Luft einschließen, um zu wärmen - und das bei möglichst geringem Gewicht", sagt Billerbeck-Geschäftsführer Friedrich Ermert. Am besten eignen sich dafür sogenannte Hohlfasern. Ähnlich wie Makkaroni sind diese röhrenförmig, nur dass sie von mehreren Kanälen mit geringem Durchmesser durchzogen werden. Äußerlich können sie zudem die gekräuselte Form von Spirellis annehmen, was später für die Bauschigkeit der Bettdecke entscheidend ist. Denn werden die Hohlfasern beim Schlafen zusammengedrückt, springen sie danach wie Federn in ihre ursprüngliche Form zurück.

Billerbeck produziert das verwendete Polyester nicht selbst, sondern bezieht es branchenüblich von externen Chemiefaserunternehmen. In großen Ballen angeliefert, erinnert das Rohmaterial zunächst an einen überdimensionierten Wattebausch. Ein Mischer, der "Ballenöffner", zerkleinert es zu groben Flocken. Danach beginnt mit dem "Krempeln" der eigentliche Verarbeitungsprozess. Die bewährte Technik, auch Kardieren genannt, entstammt dem klassischen Handwerk und hat den Zweck, aus einem Fasergeflecht ein hauchdünnes, einheitliches Vlies zu erzeugen. Das Grundprinzip ist seit Jahrhunderten unverändert, nur dass heute Krempelmaschinen den kräftezehrenden Teil der Arbeit verrichten.

Abgewogen und gleichmäßig auf einem Rollband verteilt, laufen die geflockten Fasern in ein komplexes Walzwerk ein. Die jeweils gegenüberliegenden Walzen drehen sich entgegengesetzt und sind mit winzigen Häkchen ("Garnituren") versehen, an denen das Material hängen bleibt. Nach und nach wird das Gewebe durch die gegenläufige Richtung der Walzen immer weiter auseinandergezogen und verfeinert, bis schließlich das Vlies in der gewünschten Dicke fertiggestellt ist. Etliche übereinanderliegende Vliese ergeben dann die fertige Bettdeckenfüllung, die nun bezogen wird.

Der Bezug muss so dicht sein, dass die Fasern nicht durch das Textil dringen. Die Einzelkomponenten der Duobettdecken werden bei Billerbeck einseitig mit gewebtem Material, meist Baumwolle, bezogen. Die Innenflächen sind in ein "Nonwoven"-Vlies aus Polypropylen oder in ein Netz ("Gaze") aus Polyester gehüllt.

Um die Decke dauerhaft in Form zu bringen, bedarf es aber auch Steppnähte. Im Prinzip gilt: Je weniger Füllung eine Decke enthält, desto größer ist der Spielraum für das Vlies und desto kleinteiliger muss die Steppung sein. Viele Hersteller versehen ihre Bettdecken mit Angaben zum Wärmegrad. Verpflichtet sind sie dazu nicht, da es keine einheitliche Isolationsnorm gibt.

ÖKO-TEST hat sich gefragt: Wie stark wärmen Duo-Kunstfaserbettdecken wirklich und in welchem Maße verarbeiten sie Ausdünstungen und Schweiß? Außerdem wollten wir wissen, ob und wie stark die Produkte mit gesundheitsgefährdenden Stoffen belastet sind.

Das Testergebnis

Überzeugend. Insgesamt 13 der 15 getesteten Duo-Kunstfaserbettdecken können wir mit "gut" empfehlen, zwei Modelle bekommen sogar die Bestnote "sehr gut". Die Preisspanne der Produkte ist beträchtlich, fast 160 Euro liegen zwischen dem teuersten und dem günstigsten. Auf Kosten der Gesundheit geht der große Unterschied erfreulicherweise nicht, wie die Schadstoffanalyse zeigt.

Auffällig reizend. Ein kurzer Blick auf die Tabelle reicht aus, und das größte Manko der meisten getesteten Bettdecken wird offensichtlich: Es sind Rückstände von Antimon. Kommt das umweltschädigende Halbmetall etwa mit Schweiß in Kontakt, kann es sich aus dem Gewebe lösen und für Haut- und Schleimhautreizungen sorgen.

Nur zwei bleiben sauber. Drei Bettdecken erweisen sich in Sachen Antimon als unbedenklich, eine enthält jedoch einen erhöhten Gehalt an umstrittenen halogenorganischen Verbindungen. Das ist eine große Stoffgruppe, von denen manche Verbindungen Allergien auslösen können, andere erzeugen Krebs, umweltschädigend sind sie fast alle. Lediglich das For Friends Duo Steppbett - laut Hersteller ein Auslaufmodell - und das Paradies Faser Prima-Duett polarwarm behalten eine blütenreine Weste und sind im Gesamturteil "sehr gut". Im Test Duo-Kunstfaserbettdecken, erschienen im ÖKO-TEST-Magazin 9/2016, hatte das beauftragte Labor im Paradies Faser Prima-Duett polarwarm noch Antimon nachgewiesen. Anbieter Paradies gab an, dies verbessert zu haben, und ein Nachtest einige Monate später bestätigte, dass in einer neueren Produktvariante ab den Chargen 950 19183... bzw. 950 19933... Antimon nicht mehr in abwertungsrelevanten Mengen enthalten ist.

Abzüge in der B-Note. In zehn Bettdecken finden sich optische Aufheller; die Bleichmittel kommen am häufigsten in Bezügen und Füllungen vor. Allergische Reaktionen sind zwar eher unwahrscheinlich, weil der Bettwäschenüberzug einen permanenten Hautkontakt mit der Decke verhindert - der Umwelt schaden optische Aufheller aber trotzdem. Immerhin ein Drittel der getesteten Produkte zeigt, dass es auch anders geht.

Manche wärmen deutlich besser. Im Vergleich erweisen sich sechs Decken als besonders wärmend - allen voran die Produkte Paradies Faser Prima-Duett polarwarm und Dunlopillo XXL Duo Decke. Obwohl zwischen den materialspezifischen Laborwerten und der Praxis Abweichungen möglich sind, dürften sich diese sechs Modelle eher für Frostbeulen eignen. Weitere sieben Produkte sind im mittleren Spektrum angesiedelt. Nur die beiden günstigsten Bettdecken im Test fallen in Sachen Isolationskraft deutlich ab. Mit der Fähigkeit, Wasserdampf abzutransportieren, verhält es sich erwartungsgemäß entgegengesetzt. Hier sind die eher stärker wärmenden Produkte tendenziell weniger durchlässig und die eher weniger wärmenden tendenziell stärker durchlässig. Am deutlichsten unterscheiden sich die Duobettdecken in der Fähigkeit, Schweiß aufzunehmen. Sechs Produkte können kaum Feuchtigkeit speichern, und ein weiteres, das Sannwald Duo-Steppbett "Vital", überhaupt keine. Mit Abstand am meisten Schweiß nehmen die Rödtoppa Decke, besonders warm und das Galeria Home Duo-Steppbett Komfort auf.

ÖKO-TEST Juni 2017

ÖKO-TEST Juni 2017
Erschienen am
26. Mai 2017

Preis: 4.50 €

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