Kinder / Baby
TEST vom 27. April 2017
Babytees
Auch nur mit Wasser gekocht
Babytees
Wenn das Baby sich krümmt, sind oft Bauchschmerzen daran schuld. Medikamente sollte man den Kleinen meist nicht geben. Also greifen viele Eltern zu Babytees. Der Fenchel soll beruhigend wirken. Zu empfehlen sind die Tees aber nur dann, wenn sie frei von Schadstoffen sind. Da haben wir meist gute Nachrichten.

Fenchel kann so einiges, wenn man den Gesundheitsseiten im Internet Glauben schenken will. So könne die Heilpflanze leichte Krämpfe lindern, Schleim lösen sowie Bakterien und Pilze in ihrem Wachstum hemmen. Und wenn das für Fenchel gilt, dann doch bestimmt auch für den entsprechenden Tee. Aber da wird es knifflig. Denn die Studienlage ist äußert dünn bis gar nicht vorhanden. Dr. Johannes Mayer, Leiter der an der Universität Würzburg gegründeten Forschergruppe Klostermedizin, sieht das Problem vor allem darin, dass die Finanzierung solcher Studien fehle. Mit Tee ließen sich keine großen Gewinne erzielen.

An einer positiven Wirkung von Fencheltee hat Mayer aber keine Zweifel, wenn er denn richtig zubereitet wird: "Die Fenchelfrüchte, auch Fenchelsamen genannt, sollte man vor dem Aufguss leicht andrücken, damit sich deren Ölkammern öffnen. Den Tee dann zugedeckt ziehen lassen und zügig trinken, denn das ätherische Öl im Fenchel ist flüchtig." Und dieses ätherische Öl ist für die gesundheitsfördernde Wirkung entscheidend. Die Samen des Süßen Fenchels enthalten davon etwa zwei Prozent, der medizinisch relevantere Bitterfenchel um die vier Prozent. Beide Fenchelvarianten sind aber nicht zu verwechseln mit dem Gemüsefenchel.

Das ätherische Öl setzt sich aus zahlreichen Einzelverbindungen zusammen. Die bedeutendsten darunter sind das trans-Anethol (im Bitterfenchel zwischen 50 und 70 Prozent) und das Fenchon (mindestens 15 Prozent). "Anethol wirkt krampflösend und kann deshalb bei Verdauungsproblemen helfen, Fenchon wirkt keimhemmend", erklärt Mayer. Bitterstoffe in den Samen könnten darüber hinaus die Verdauung anregen. Wie der Name aber schon verrät, sind diese Verbindungen nur im Bitterfenchel enthalten. In Babytees kommt häufig aus geschmacklichen Gründen Süßer Fenchel zum Einsatz oder eine Mischung aus beiden.

Eine weitere, aber eher unerwünschte Verbindung im ätherischen Fenchelöl ist das Estragol. Dieses steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Allerdings haben Wissenschaftler diese Wirkung nur bei isoliertem, reinem Estragol beobachtet und nicht in Untersuchungen im Fencheltee. Über diesen werden außerdem vergleichsweise geringe Gehalte an Estragol aufgenommen.

Fenchel wird häufig in Kombination mit Anis oder Kümmel verwendet. Auch diese enthalten verschiedene ätherische Öle, die sich untereinander gut ergänzen. Bei leichten Magenschmerzen und Blähungen sollen sie helfen können. Da es aber auch hierfür keine wissenschaftlichen Belege gibt, setzt der Kinderarzt Dr. Ulrich Enzel auf seine jahrelange Erfahrung: "In meine Praxis kommen die Eltern in der Regel mit einer bereits durch Großmütter, Hebammen oder Apotheker ausgesprochenen Empfehlung zu Fencheltee." Aktiv gebe er diese Empfehlung daher nie, auch weil er meist erst aufgesucht werde, wenn eine reine Fenchelteegabe nicht geholfen hat. Auf Nachfrage rate er aber auch nicht davon ab. "Werde ich konkret gefragt, antworte ich: ‚Mir liegen von anderen Eltern positive Erfahrungswerte über Fencheltee vor und über ernste Nebenwirkungen ist mir nur selten berichtet worden.'"

Auch wenn die Wirkung des Fenchels nicht eindeutig zu belegen ist, etwaige Schadstoffverunreinigungen sind es schon. Deshalb haben wir 18 Babytees eingekauft. Alle beinhalten Fenchel, einige ergänzt durch andere Zutaten.

Das Testergebnis

Nicht viel falsch machen kann man mit einem Babytee auf Fenchelbasis. Zwölf "sehr gute" und "gute" Produkte bestätigen das. Es gibt allerdings auch ein paar Ausreißer. So bilden zwei "ungenügende" Tees die Schlusslichter.

Schädliche Beikräuter. Die Belastung von Tees mit Pyrrolizidinalkaloiden, kurz PA, kommt nicht aus den Schlagzeilen. Immer wieder werden Tees zurückgerufen, die zu viel der krebserregenden Stoffe beinhalten. "Zu viel" liegt dabei im Auge des Betrachters, einen gesetzlichen Grenzwert gibt es nämlich nicht. Wir orientieren uns am Richtwert des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Diesen Richtwert überschreiten zwei Produkte im Test, wenn man davon ausgeht, dass die Babys eine Tasse Tee, 200 ml, am Tag trinken: der Babylove Bio Babytee Fenchel und der Tee Fee Natursüßer Kindertee Kräutertee mit Fenchel. Pyrrolizidinalkaloide sind natürliche Inhaltsstoffe mancher Pflanzen, die als Beikräuter versehentlich in den Tee gelangen können.

Pestizidalarm: Da waren wir doch sehr erstaunt. Überraschend viele Bio-Tees weisen Spuren von Pestiziden auf. Bei zwei Produkten sind die Werte sogar erhöht. Im Alete Fencheltee, Beutel hat das Labor Glyphosat über unserer Abwertungsgrenze analysiert. Die internationale Krebsforschungsagentur (IARC) stuft Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend" ein. Erst im März hingegen kam die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) zu der Einschätzung, dass die wissenschaftlichen Belege nicht ausreichen, um das Pestizid als krebserregend, mutagen oder schädlich für die Fortpflanzung zu klassifizieren. Die Übersichtsstudie der ECHA ist aber nicht unumstritten, da sie auch industrie-finanzierte Studien zur Beurteilung der Krebsgefahr von Glyphosat mit einbezieht.

Unnötig süß. Im ÖKO-TEST im Jahr 2011 hatten sechs von sieben Instantbabytee-Hersteller ihren Produkten verschiedene Zuckerarten zugesetzt, darunter Traubenzucker oder Maltodextrin. Das ist glücklicherweise nicht mehr der Fall. Nur zwei Hersteller mischen ihrem Tee süßende Zutaten bei. Der Babydream Fenchel-Tee beinhaltet Isomaltulose. Dieser Zweifachzucker ist etwas weniger süß als normaler Haushaltszucker und nicht kariogen. Wir werten den Zusatz trotzdem ab, denn süß schmeckender Tee kann die Gefahr einer frühen Prägung auf die Geschmackspräferenz "süß" bergen. Gleiches gilt auch für den Tee Fee Natursüßer Kindertee Kräutertee mit Fenchel, Beutel, der Steviablätter enthält.

Mineralölbestandteile gehen zwar nicht in den Teeaufguss über. Aber bei Instanttees rühren Eltern das Pulver in das Wasser ein, das die Babys so vollständig mittrinken. Deshalb ist Mineralöl bei Instantgetränken durchaus ein Thema. Die Untersuchung des Hipp Erster Wohlfühl-Tee ergab sogleich eine erhöhte Belastung mit gesättigten Kohlenwasserstoffen (MOSH/POSH), die sich im Körper anreichern können.

Hinweise zur Vermeidung von Keimbildung gehören genauso auf eine Babyteeverpackung wie Hinweise zu möglichen Zahnschäden durch Dauernuckeln. Bei sechs Produkten fehlen diese oder andere wichtige Informationen aber. Besonders negativ fallen dabei die Babytees von Kottas Pharma, Sonnentor und La Marchante (Tee Fee) auf.

Kein Tee vor vier: Die Empfehlung der Nationalen Stillkommission lautet, das Baby mindestens für die ersten vier Monate ausschließlich zu stillen. Alternativ bekommt das Kind Muttermilchersatznahrung. Wasser oder gar Tee stehen nicht auf dem Speiseplan. Erst mit der Einführung des dritten Beikostbreis brauchen Babys zusätzliche Flüssigkeit. Abzug gibt es also für diejenigen Produkte, deren Anbieter auf der Verpackung eine Verzehrsempfehlung ab der zweiten Woche oder früher angeben.

So reagierten die Hersteller

Auf die Mitteilung der Testergebnisse kann man unterschiedlich reagieren. Da wäre die Firma Holle. Sie schreibt, es bestünden starke Zweifel an unseren Ergebnissen, da eine eigene Untersuchung einer chargengleichen Probe keine Pestizide nachgewiesen habe. Sie gingen von einer "Anpassung" in unserem Bericht aus. Davon ausgehen kann Holle gerne, wir aber halten an unserem Nachweis fest: Das von uns beauftragte Labor hat die Pestizidfunde bestätigt.

Der Hersteller von Tee Fee, La Marchante, nimmt unsere Ergebnisse zum Anlass, sein Produkt zu verbessern. So sollen zum Beispiel fehlende Warnhinweise aufgedruckt werden. Um das Vorkommen von Pyrrolizidinalkaloiden in den Produkten auszuschließen, werden laut La Marchante seit Januar die Rohstoffe per Hand gepflückt. Wir werden das Ergebnis in einer späteren Charge überprüfen.

Wann wird es Zeit für das erste Glas Wasser?

Zwischen dem fünften und siebten Monat führen die Eltern den dritten Beikostbrei am Tag ein. Als erstes zusätzliches Getränk ist dann Leitungswasser die beste Wahl. Nachfolgend haben wir für Sie weitere praktische Tipps rund ums Trinken zusammengestellt:

Lassen Sie das Leitungswasser so lange ablaufen, bis kaltes Wasser aus der Leitung fließt und verwenden Sie kein Trinkwasser aus Bleileitungen.

Süße Getränke bergen die Gefahr, dass sich Kinder schnell daran gewöhnen und auch zukünftig eher Zuckriges bevorzugen. Das gilt auch für Getränke mit Süß- oder Zuckeraustauschstoffen.

Ungesüßte Kräuter- und andere Tees können hin und wieder eine Alternative zu Wasser sein. Kräutertees können aber mit Pyrrolizidinalkaloiden belastet sein, weshalb gerade Kinder sie nicht ausschließlich trinken sollten.

Bieten Sie Ihrem Kind das Wasser aus einem Becher oder einer Tasse an. Dauernuckeln aus dem Fläschchen schadet den Zähnen.

Quelle: Aktualisierte Handlungsempfehlungen von "Gesund ins Leben - Netzwerk Junge Familie", eine Initiative von IN FORM, September 2016

So haben wir getestet

Der Einkauf

Viele Babytees unterscheiden sich nicht unbedingt von anderen Fenchel-Tee-Mischungen. Oft machen allein der Produktname, die Altersempfehlung oder das Layout aus einem Fencheltee einen Babyfencheltee. Die 18 von uns eingekauften Tees sind zum Großteil aus ökologischem Anbau. Für die schnelle Zubereitung unterwegs greifen Eltern auch zu Instanttees, weshalb wir auch davon vier Produkte berücksichtigen.

Die Inhaltsstoffe

Die Instanttees in unserem Test beinhalten nicht die Samen von Fenchel und Co., sondern deren Extrakte. Pestizidrückstände oder Keime sind also nicht zu erwarten. Deshalb haben wir, anders als bei den restlichen Produkten, die vier Instanttees darauf nicht untersuchen lassen. Die Analyse auf Mineralölbestandteile ist wiederum nur bei diesen sinnvoll, da das Pulver im Wasser aufgelöst wird. Aus Teebeuteln gehen Mineralölkohlenwasserstoffe nicht in den Aufguss über. Alle Babytees hat das Labor auf giftige Pyrrolizidinalkaloide (PA) sowie Methyleugenol und Estragol, die potenziell krebserregend und genotoxisch sind, untersucht.

Die Weiteren Mängel

Wer auf der Verpackung angibt, dass der Tee für Säuglinge geeignet ist, oder durch den Namen suggeriert, der Tee sei speziell für Babys gemacht, sollte auch entsprechende Warnhinweise aufdrucken, zum Beispiel, dass Dauernuckeln zu Zahnschäden führen kann oder dass der Tee nicht nachgesüßt werden sollte. Auch sollte der Tee nicht schon ab der zweiten Lebenswoche oder früher empfohlen werden.

Die Bewertung

Was kann an Fencheltee schon schlecht sein? Leider doch einiges. Ein stark erhöhter Wert an PA zum Beispiel, erhöhte Mineralölgehalte oder eine unnötige Süßung. Besonders ärgerlich ist es, wenn das Labor Pestizide in Bio-Tees findet, darunter sogar das als besonders bedenklich eingestufte Glyphosat. "Gut" kann ein solcher Tee jedenfalls nicht mehr sein.

ÖKO-TEST Juni 2017

ÖKO-TEST Juni 2017
Erschienen am
26. Mai 2017

Preis: 4.50 €

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