Bauen / Wohnen
TEST vom 27. April 2017
Blumen, Rosensträuße
Alles andere als rosig
Blumen, Rosensträuße
Kenia ist das Land, in dem die Rosen blühen. Allerdings wird auf den riesigen Blumenplantagen nicht an Pestiziden gespart. Stängel und Blüten sind sogar noch stärker mit Rückständen belastet als im ÖKO-TEST vor sechs Jahren, wie unsere Ergebnisse zeigen. Die Chemiekeule trifft vor allem die Arbeiter in den Farmen.

Ein Abstecher zum Lake Naivasha gehört zum Programm vieler Kenia-Reisenden. Mit gut 135 Quadratkilometern ist das Gewässer nicht nur der größte, sondern - auf 1.800 Höhenmetern - auch der höchstgelegene Süßwassersee des ostafrikanischen Landes. Wegen seiner Vielfalt an Wasservögeln und anderem Getier ist das Naturreservat und Unesco-Welterbe ein lohnendes Ziel für Naturfreunde. Auf dem Weg dorthin kommen die Touristen an Siedlungen vorbei und scheinbar endlosen Reihen von Gewächshäusern. Von den 1.900 Hektar, die am See der Blumenzucht dienen, sind laut der Umweltschutzorganisation WWF rund 1.200 mit Plastikfolien abgedeckt. Treibhäuser auf einer Fläche, die fast 30-mal so groß ist wie das Münchener Oktoberfest. Monokultur neben Monokultur. Ohne den massiven Einsatz von Pestiziden ist diese Art der Landwirtschaft kaum möglich.

Fast 40 Prozent aller in Europa verkauften Rosen stammen aus Kenia. Die Gegend um den See ist das Zentrum der Blumenproduktion. Besonders im Winter brummt das Geschäft. Auch vor dem Muttertag kommen die Arbeiter, die Hälfte von ihnen sind Frauen, kaum hinterher mit dem Schneiden, Bündeln und Verpacken. Neben Tourismus und Teeanbau ist die Blumenzucht der drittgrößte Wirtschaftszweig in Kenia. Mehr als 30.000 Menschen arbeiten am See direkt und indirekt für die Blumenindustrie. Insgesamt 90.000 sind es laut Züchtervereinigung Kenya Flower Council (KFC) in ganz Kenia.

Der Kulturgeograf, Filmemacher und Journalist Jonathan Happ sagt deshalb klipp und klar: "Die Blumenindustrie ist ein Geschenk für Kenia." Besonders für Frauen ohne Bildungsabschluss oder Alleinerziehende sei sie häufig die einzige Möglichkeit, etwas Geld zu verdienen. Happ kennt die Region durch seine Recherchereisen und hat über den Blumenanbau in Kenia geforscht. Er kennt aber auch die Schattenseiten des Booms. "Viele Pump-Operators und Sprayer klagen über Husten und Atembeschwerden. Sie wissen häufig gar nicht, was sie da eigentlich versprühen", sagt Happ. Die Operatoren mischen die Spritzmittel, die die Sprayer über den Blumen vernebeln.

Der Boden rund um den See ist fruchtbar, er selbst liefert das Süßwasser für die durstigen Stängel: Zwischen sieben und dreizehn Liter benötigt jede Pflanze zu ihren Lebzeiten, hat die niederländische Umweltorganisation Water Footprint Network herausgefunden. Plastikfolien schützen die empfindlichen Rosen. Denn den langen Weg nach Europa treten nur unversehrte, gerade gewachsene Exemplare an. Nach zwei Monaten Wachstum in Kenia donnern sie in Frachtfliegern Richtung Europa. Mit an Bord sind auch die Rückstände der Pflanzenschutzmittel. Dass sich reichlich Substanzen in den Rosen finden, hat ÖKO-TEST zuletzt 2011 gezeigt: In 22 untersuchten Sträußen hatten Labore seinerzeit insgesamt 56 Spritzgifte nachgewiesen, darunter auch solche, die als "wahrscheinlich krebserregend" gelten.

Einen Grenzwert für Pestizide in Schnittblumen gibt es nicht, was nicht bedeutet, dass die Mittel ungefährlich sind. Das Pestizid-Aktionsnetzwerk PAN Germany spricht unter Berufung auf die Weltgesundheitsorganisation WHO von zwei bis fünf Millionen Vergiftungsopfern insgesamt pro Jahr. Geschätzt 40.000 Menschen sterben demnach weltweit an den Folgen des Pestizideinsatzes. "Besonders dramatisch ist die Lage in Armutsregionen der Welt", stellte PAN im Jahr 2012 fest. "Gefährliche Pestizide können entgegen früherer Annahmen nicht sicher eingesetzt werden - auch wenn Millionenbeträge für Trainingsprogramme ausgegeben werden."

Dennoch sollen genau diese Trainingsprogramme helfen, den Einsatz der Spritzgifte zumindest zu reduzieren und Gesundheitsrisiken zu vermeiden. Erfüllen Produzenten darüber hinaus bestimmte Voraussetzungen, etwa bei Arbeitszeiten, -schutz und -sicherheit, können sie ihre Ware mit einem Label in den Handel bringen.

Das bekannteste ist das Fairtrade-Label, das es auch für Lebensmittel, Textilien und Spielzeug gibt. Im Fokus stehen dabei neben Arbeits- und Umweltschutz, dem Recht auf Mitbestimmung vor allem die Prämien für soziale Projekte, die an die Beschäftigten in den Erzeugerländern verteilt werden. Festgelegte Mindestpreise für Blumen gibt es im Gegensatz zu anderen Fairtrade-Produkten nicht, die Preise werden zwischen Farmen und Importeuren direkt verhandelt. 38 Produzentenorganisationen von rund 300 in ganz Kenia sind nach Angaben von Fairtrade mittlerweile mit dem Label zertifiziert. Knapp 40 Prozent der in Deutschland verkauften Fairtrade-Blumen stammen aus Kenia, über die Hälfte aus Äthiopien.

Ebenfalls bekannt ist das Label MPS. Es steht für Milieu Programma Sierteelt, was soviel wie Umweltprogramm Zierpflanzen bedeutet und 1995 von der niederländischen Blumenindustrie gegründet wurde. Unterteilt ist es in drei Klassen - A, B und C - entsprechend ihrer Umweltverträglichkeit, wobei A die höchste Klasse ist. Die MPS-Kategorie SQ (Socially Qualified) befasst sich mit den Arbeitsbedingungen in den Betrieben. Diese Qualifikation basiert laut MPS auf den internationalen Menschenrechtskonventionen und den Vereinbarungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Für die Kategorie MPS-Gap muss der Erzeuger täglich den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln dokumentieren.

ÖKO-TEST wollte wissen, wie es um den Pestizideinsatz bestellt ist und hat 14 gebündelte Rosen und Rosensträuße auf Rückstände untersuchen lassen. Außerdem interessierte uns die Frage, wie die Anbieter mit ihrer Verantwortung umgehen und wie transparent das ist. Corporate Social Responsibility (CSR), zu Deutsch Unternehmensverantwortung, ist das Stichwort. Hierbei haben wir uns auf die Frage des verantwortungsvollen Umgangs mit Pestiziden konzentriert.

Das Testergebnis

Da bleibt einem die Luft weg: Die Pestizidrückstände auf den Rosen sind teilweise so hoch, dass die Hälfte der Sträuße in dieser Hinsicht miserabel abschneidet. Nur ein Strauß ist lediglich moderat belastet. Unterm Strich müssen wir sogar acht Mal das Gesamturteil "ungenügend" geben, weil einige Anbieter wenig Bemühung zeigen, etwas am Pestizideinsatz zu ändern - oder es zumindest nicht darlegen. Am Ende reicht es nur für einen Strauß zur Note "befriedigend" und nur drei Mal zu "ausreichend".

Rekordverdächtig: Wieder wurden viele verschiedene Pestizide nachgewiesen, maximal 20 in einem Strauß! Einige der Pestizide dürfen hierzulande nicht verwendet werden, aber für die Rosen aus Ostafrika gelten die Regeln der dortigen Länder. Etwa die Hälfte der gefundenen Verbindungen soll

Pilzerkrankungen bekämpfen, die anderen Schadinsekten und Spinnen zu Leibe rücken. Blumenimporteure begründen den Einsatz so vieler Pestizidverbindungen unter anderem damit, dass die besonders giftigen, aber auch besonders effizienten Mittel ersetzt worden seien durch Wirkstoffe, die viel spezifischer nur gegen einzelne Schädlinge wirken. Außerdem solle durch den Wechsel die Resistenzbildung vermieden werden. Noch gibt es keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse, inwieweit sich die Pestizidcocktails in der Wirkung summieren oder gar verstärken. Für ÖKO-TEST ein Grund, um auch die Anzahl der Pestizide zu bewerten.

Skandalverdächtig: Die meisten Minuspunkte verbuchen die Rosen von Aldi Nord auf ihrem Konto, unter anderem aufgrund des höchsten Gesamtgehaltes. Im Vergleich zu 2011 wurden im aktuellen Test mehrfach deutlich höhere Mengen nachgewiesen. Deshalb haben wir in die Bewertung die Gesamtmengen einbezogen. Auch die Oranje Rosen "Marie-Claire" enthalten extrem hohe Mengen. Gesetzlich ist das alles erlaubt, denn für Blumen gibt es keine Grenzwerte.

Insgesamt nur geringe Rückstände waren in den Rosen von Penny und Kaufland. Am Ende erreicht der Kaufland Rosenstrauß 13 Stiele in Farben (HO) als einziger ein "gutes" Testergebnis Pestizide. Leider wurden auch die Fairtrade zertifizierten Rosen im Test mit mindestens zwölf unterschiedlichen Pestiziden gespritzt. Der zertifizierte Flower Arts Edelrosenstrauß vom Discounter Netto hatte zudem sehr hohe Rückstandsmengen von insgesamt mehr als 50 mg/kg.

Besonders bedenklich: Etwa jedes dritte der nachgewiesenen Pestizide ist besonders bedenklich (siehe Kasten). Etliche stehen im Verdacht, Krebs zu erregen, andere gelten als akut toxisch, was für allem für die Anwender ein Problem ist. Dabei finden sich die meisten nicht auf den Verbotslisten von Fairtrade oder MPS. Dort stehen bei Fairtrade 207? Pestizide, die Schwarze Liste von MPS verbannt 51, ab Juli dieses Jahres 64 Wirkstoffe. Allein acht der besonders bedenklichen Pestizide stecken in den Rosen von Aldi Nord. Sie enthalten unter anderem den von der Weltgesundheitsorganisation WHO als hoch gefährlich eingestuften Wirkstoff Methomyl, der bei Fairtrade verboten wäre. Außerdem enthält der Strauß mit 23 mg/kg des krebsverdächtigen Insektizids Thiacloprid die höchste Konzentration eines besonders bedenklichen Pestizids.

Von wegen Transparenz: Während die Anbieter vor sechs Jahren überhaupt keine Verantwortung für die Giftspritzerei übernehmen wollten, bekennen sich nun vier (von 14 !) dazu. Bei unserer Frage "Welche Politik verfolgen Sie im Hinblick auf den Pestizideinsatz in Blumenfarmen?" sehen Aldi Süd, Blume 2000, Kaufland und Real sich selbst in der Verantwortung. Alle anderen antworteten nicht oder wiesen eine Verantwortung des Handels von sich. Sind die Farmen mit MPS oder Fairtrade zertifiziert, wird der Pestizideinsatz zwar kontrolliert - in der Regel aber nur einmal im Jahr, von den Inspektoren, die über die Labelvergabe entscheiden.

Es geht noch viel besser: Verantwortungsbewusstsein lassen manche Anbieter auch vermissen, wenn es um die Kontrolle der Rosen geht, bevor sie in die Läden kommen. Nur Aldi (Süd und Nord), Blume 2000, Kaufland, Real und Rewe/Penny lassen die Blumen in Labore schicken und belegen uns das mit Laborergebnissen. Wobei die Art der Überprüfung unterschiedlich ausfällt. Mal sind es "eigene unangekündigte Rückstandsanalysen", mal "regelmäßige Untersuchungen meist zu Saisonbeginn", andere belassen es bei "Stichproben".

So reagierten die Anbieter

Aldi Nord zeigte sich "äußerst irritiert" über die Untersuchungsergebnisse. Offenbar sei es zu Verwechslungen beim Packprozess in den Niederlanden gekommen, die Ware stamme nicht von dem mit der MPS-Nummer deklarierten Erzeuger. "Ein solcher Vorfall ist für uns absolut inakzeptabel." Aufgrund der Testergebnisse würden die Läden mittlerweile ausschließlich von einem anderen Lieferanten beliefert.

Auch bei Norma stellte sich heraus, dass dem Lieferanten ein Fehler unterlaufen war und dass in der Verpackung andere Rosen steckten als die MPS-Nummer angab. Sie seien zertifiziert, kämen jedoch von einer anderen Farm.

Die Rewe-Group lieferte eine Erklärung für das bedenklichen Pestizid Diazinon in den Penny Rosen: "Durch die Aufgabe eines benachbarten Betriebes und des damit fehlenden Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln kam es zu einem erhöhten Befallsdruck, sodass eine einmalige Behandlung mit Diazinon zur Bekämpfung von Thripsen erforderlich war, um den Bestand zu retten."

Expertin

Verbot hochgefährlicher Pestizide nötig

"Die große Menge an nachgewiesenen Pestiziden ist alarmierend und führt vor Augen, mit welch enormer chemischen Intensität die Rosen angebaut werden. Viele der nachgewiesenen Wirkstoffe zählen zu den hochgefährlichen Pestiziden. Die Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte haben gezeigt, dass eine "sichere" Anwendung dieser Stoffe nicht möglich ist. Wenn wir die Menschen vor Leid durch Pestizide bewahren wollen, müssen daher dringend andere Anbaumethoden etabliert werden."

Susan Haffmans, Referentin für Pestizide beim Aktions-Netzwerk PAN Germany

Was sind besonders bedenkliche Pestizide?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sprechen im Pestizid-Verhaltenskodex "The International Code of Conduct", der den Umgang mit Pestiziden sicherer machen soll, von sehr gefährlichen Pestiziden (highly hazardous pesticides): Sie bringen ein besonders hohes Potenzial an akuten oder chronischen Gefahren für Gesundheit oder Umwelt mit sich gemäß international anerkannter Einstufungssysteme. ÖKO-TEST legt in diesem Test den Fokus auf besonders gesundheitsgefährdende Pestizide. Wir beziehen uns dabei auf die Einstufungen der WHO, der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA, der Internationalen Agentur für Krebsforschung IARC und auf das europäische Gefahrstoffrecht. Besonders bedenklich sehen wir sogenannte CMR-Stoffe (kanzerogen/mutagen/reproduktionstoxisch) an, also Pestizide, die als krebsverdächtig gelten oder die das Erbgut oder die Fortpflanzung beeinträchtigen können. Außerdem solche, die akut toxisch sind, wenn sie eingeatmet oder verschluckt werden. Diese Spritzmittel müssen in der EU mit dem Totenkopf und dem Satz "Lebensgefahr beim Einatmen" und/oder "Lebensgefahr beim Verschlucken" gekennzeichnet werden.

Biologische Schädlingsbekämpfung - gefräßige Larven und Milben

Schadinsekten können auch mit biologischen Mitteln bekämpft werden. Vor allem gegen die Hauptfeinde auf Rosenfarmen, die Spinnmilben, haben sich Raubmilben mit den klangvollen Namen Phytoseiulus persimilis und Neoseiulus californicus bewährt. Sie werden auch in einigen kenianischen und äthiopischen Farmen mit Erfolg eingesetzt, so auch auf der Farm Afriflora in Äthiopien, berichtet der Ostfrika-Manager Ard van der Maarel von Koppert Biological Systems. Das niederländische Unternehmen arbeitet schon seit 50 Jahren mit biologischen Nützlingen. Die können Spinnmilben fast komplett eindämmen. Auch gegen Weiße Fliegen und Thripse gibt es "Nützlinge" im Programm wie zum Beispiel Fadenwürmer. Nach Einschätzung van der Maarels könne man mithilfe biologischer Mittel fast ohne Pestizide auskommen, das sei eine Frage des Preises. Bei anderen Schädlingen und starkem Befall muss noch zu chemischen Spritzmitteln gegriffen werden. Schwieriger ist es, Pilzkrankheiten biologisch zu bekämpfen, hier können - soweit gesetzlich erlaubt - Pflanzenstärkungsmittel mit Bakterien eingesetzt werden. Leider kann der Verbraucher beim Kauf der Rosen nicht erkennen, ob die Herkunftsfarm mit biologischem Pflanzenschutz arbeitet.

Für heimische Rosen, die überwiegend auch aus Gewächshäusern kommen, habe sich der biologische Pflanzenschutz gut etabliert, so die Erfahrung von Dr. Annette Reineke, Professorin für Pflanzenschutz an der Hochschule Geisenheim. In Europa seien immer weniger chemische Mittel zugelassen und zum Teil seien die Schädlinge schon resistent gegen sie. Den Züchtern sei das Problem sehr bewusst. Deshalb würden alle zumindest einen Baustein aus dem Angebot an Nützlingen gegen Milben und Insekten einsetzen, wenn nicht sogar auf ein umfassendes Konzept setzen.

Kompakt

Dürre am Horn von Afrika

Fast alle Länder Ostafrikas haben derzeit wieder unter den Folgen einer extremen Dürre zu leiden. Millionen Menschen vor allem in Somalia, Südsudan, Eritrea und Äthiopien, aber auch im Norden Kenias droht wegen Wassermangels und Ernteausfällen eine Hungersnot. Die Vereinten Nationen und viele Hilfsorganisationen rufen deshalb zu Spenden für Ostafrika auf. So auch das Bündnis "Entwicklung Hilft", ein Zusammenschluss mehrerer deutscher Hilfswerke, von Terre des Hommes, der Welthungerhilfe sowie German Doctors und Plan International. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) hat dem Bündnis sein Spenden-Siegel zuerkannt, es gilt somit als förderungswürdig. Die Kontonummer lautet: Bündnis Entwicklung Hilft,

DE29 100 20 5000 100 20 5000, Bank für Sozialwirtschaft.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter

www.entwicklung-hilft.de/

Afrika oder Europa?

Schnittblumen aus Südamerika und Afrika haben zwar einen langen Weg hinter sich, dennoch sind sie wohl weniger klimaschädlich als solche, die aus niederländischen Gewächshäusern stammen. Laut einer Studie (2007) der britischen Cranfield Universität belasten zehn Rosen aus Kenia die Umwelt mit fünf Kilogramm Kohlendioxid - bei Blumen aus der untersuchten niederländischen Produktion waren es wegen des hohen Energieverbrauchs fast sechsmal so viel. Allerdings geht die Rechnung nur im Winter auf, im Sommer sind heimische Freilandblumen wegen der besseren CO2-Bilanz die erste Wahl.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Wir haben insgesamt 14 vorgepackte Rosensträuße in Supermärkten, Discountern, Blumenladenketten und einem Gartencenter gekauft. Zwischen neun und 20 einzelne Blumen waren darin gebündelt und das zu günstigen Preisen von 1,99 bis 5,99 Euro. Bei Aldi Nord sind das nur 14 Cent pro Röschen!

Die Pestizide

Im Labor wurden die Sträuße einem sehr umfangreichen Pestizidscreening unterzogen, das mehr als 600 Verbindungen umfasst. Anschließend haben wir geprüft, wie gefährlich diese Stoffe sind, zum Beispiel anhand der gesetzlichen Gefahrstoffeinstufung und der Bewertungen, die andere offizielle Organisationen wie die Weltgesundheitsorganisation WHO vorgenommen haben.

Die Transparenz

Wir haben eine Liste mit sieben Fragen an die Anbieter der Sträuße geschickt. Wir wollten wir wissen, von welcher Farm und aus welchem Erzeugerland die Blumen stammen und ob sie über ein Gütesiegel oder Zertifikat verfügen. Vor allem aber interessierte uns der Pestizideinsatz. Wer übernimmt die Verantwortung für die Giftspritzerei? Wer ist nach Ansicht der Anbieter zuständig? Züchter, Importeure oder auch der Handel? Welche Pestizide sind für den Anbieter komplett tabu und wer überprüft das Verbot? Werden die Rosen, die in den Handel kommen, regelmäßig zumindest stichprobenartig auf Giftrückstände untersucht?

Die Bewertung

Für Pestizidrückstände in Schnittblumen gibt es weder Höchstmengen noch Richtwerte. Wenn aber den Sträußen ein wahrer Giftcocktail anhaftet - noch dazu mit Spritzmitteln, die beispielsweise Krebs auslösen oder die Fortpflanzung beeinträchtigen können - hat das gravierende Folgen für die Arbeiter in den Produzentenländern. Bei hohen und zahlreichen Nachweisen werten wir die Blumen deshalb ab. Schlechte Noten gibt es auch für fehlende Belege oder Angaben in Sachen Transparenz.

ÖKO-TEST Juni 2017

ÖKO-TEST Juni 2017
Erschienen am
26. Mai 2017

Preis: 4.50 €

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