Kosmetik / Pflege / Mode
TEST vom 11. Mai 2017
Wimperntusche
Keine Tuschelei
Wimperntusche
Volumen, Länge, wasserfest, natürliche Inhaltsstoffe? Welche Wimperntusche den eigenen Ansprüchen genügt, muss jeder für sich entscheiden. Unser Test zeigt: In puncto Inhaltsstoffe können wir Naturkosmetik und immerhin ein wasserfestes Produkt empfehlen.

Aus tausenden Badezimmern ertönt täglich ein schmatzendes "Plopp" - immer dann, wenn die Bürste aus einem Mascararöhrchen gezogen wird. Für viele Frauen gehört das Schminkritual am Morgen dazu wie für andere der Kaffee. Ohne getuschte Wimpern aus dem Haus? Undenkbar! Dass das Geschäft lohnt, zeigen Zahlen der Marktforscher von IRI Information Resources: Allein in Deutschland wurden 2015 insgesamt rund 42 Millionen Mascaras verkauft.

Der auffällige Effekt der Wimperntusche entsteht dadurch, dass die natürlichen Wimpern zur Spitze hin heller werden und so kürzer aussehen, als sie in Wirklichkeit sind. Durch die Farbe wird ihre gesamte Länge sichtbar, sie wirken voller. Allerdings hält dieser Effekt nicht ewig - nach einer Fitnesseinheit oder einem herzergreifenden Liebesfilm ärgern sich viele Frauen über verwischte "Pandaaugen". Nicht jeder Mascara hält Schweiß, Tränen oder Berührungen stand, Ränder und Schatten um die Augen sind die Folge. Viele Anwenderinnen benutzen deshalb am liebsten wasserfeste Wimperntusche. Wer aber auf Naturkosmetik schwört, hat hier schlechte Karten: Wasserfest funktioniert nur mit Chemie.

Dafür, dass die schwarze Paste auf den Wimpern haften bleibt und sich weder von Krokodilstränen noch von Schwimmbadwasser beeindrucken lässt, sorgen ein verringerter Wasseranteil sowie Paraffine und Silikonöle. Die erdölbasierten Substanzen sind bei anerkannten Naturkosmetikzertifizierern verboten. Wer unbedingt einen wasserfesten Mascara möchte, muss aber solche Produkte verwenden. Mit rein natürlichen Rohstoffen lässt sich dieser Halt nicht erreichen. Das bestätigten uns viele der Naturkosmetikhersteller, die wir nach neuen Forschungsansätzen gefragt hatten.

In den Zutatenlisten mancher Naturkosmetik-Mascaras steht jedoch eine Substanz, die inhaltsstoffkundige Verbraucher irritieren könnte: Dodecane. Darunter ist gemeinhin ein Paraffin auf Erdölbasis bekannt. Das wollte ÖKO-TEST genauer wissen. Dm antwortete für sein Alverde-Produkt: "Das in der Rezeptur enthaltene Dodecane ist ein 100 Prozent pflanzlicher Kohlenwasserstoff und damit eine natürliche Alternative zu Silikon." Sabine Kästner, Unternehmenssprecherin des Naturkosmetikherstellers Laverana, erläutert: "Die INCI Dodecane unterscheidet nicht zwischen synthetischen und natürlichen Inhaltsstoffen, sodass die Inhaltsstoffe nicht ohne Weiteres gleich als natürlich zu erkennen sind. Dodecane können aus der Petrochemie hergestellt werden oder stammen aus erneuerbaren Rohstoffen, zum Beispiel aus Ölen wie Palmöl oder Kokosöl."

Beide Anbieter lassen ihre Produkte vom Branchenverband Natrue zertifizieren. Sowohl dort als auch beim Zertifizierer BDIH erklärte man uns, dass der Ursprung des Dodecans pflanzlich sein müsse und nicht aus Erdölrohstoffen stammen dürfe, um mit den Zertifizierungskriterien konform zu sein. Die Verbände beteuern, dass Verbraucher sich auf die Standards und die regelmäßige Überprüfung ihrer Einhaltung verlassen könnten.

Wie lange die Produkte an den Wimpern haften, haben wir nicht getestet, da die zehn konventionellen und neun natürlichen Wimperntuschen aus den genannten Gründen schlicht nicht vergleichbar sind. Hier hängt die Wahl von den individuellen Vorlieben ab. Die Inhaltsstoffe der 19 schwarzen Mascaras haben wir aber gewohnt genau unter die Lupe genommen.

Das Testergebnis

Natürlich überzeugt. Was die Inhaltsstoffe betrifft, liegt die Naturkosmetik mit neun "sehr guten" Produkten im Vergleich klar vorne. Immerhin ein "sehr gutes" und "gutes" Produkt gibt es auch bei den wasserfesten Mascaras. Sechs konventionelle Wimperntuschen schaffen es aber nur ins Mittelfeld, zwei sind so stark belastet, dass sie nicht besser als "mangelhaft" und "ungenügend" abschneiden.

Schwarzmaler: Bis auf vier sind alle Produkte im Test mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) belastet. Im Artdeco- und im Essence-Produkt wies das Labor erhöhte PAK-Werte nach. Stark erhöhte Mengen Naphthalin steckten im exklusiv für Dm hergestellten P2 High Impact Mascara Waterproof. Naphthalin gilt als krebsverdächtig und darf in Kosmetik nur in "technisch unvermeidbaren Spuren" enthalten sein. Richtwerte sind gesetzlich nicht festgelegt - was "technisch vermeidbar" ist, bleibt also Auslegungssache.

Behörden sind hellhörig. Ob es sich bei der im P2-Produkt nachgewiesenen Menge noch um "technisch unvermeidbaren Spuren" handelt, wollte uns gegenüber keine Behörde konkret bestätigen. Allerdings antwortete uns das Bundesministerium für Gesundheit und Frauen in Österreich, wo die Wimperntusche produziert wird: "Um mehr Klarheit in diese Angelegenheit zu bringen, wird sich die zuständige Behörde in Österreich darum kümmern, mehr Informationen zu bekommen. Zu diesem Zweck wird eine amtliche Kontrolle beim [...] Betrieb stattfinden." Auch das für Exklusivanbieter Dm verantwortliche Chemische und Veterinär-Untersuchungsamt (CVUA) Karlsruhe kündigte an, dem Hinweis "in Zusammenarbeit mit der zuständigen Behörde" nachzugehen. Für uns liest sich das, als würde der nachgewiesene Naphthalin-Gehalt auch aus behördlicher Sicht nicht auf die leichte Schulter genommen.

Erdölprodukte wie Paraffine und Silikone stecken ebenfalls ausnahmslos in jedem wasserfesten Mascara. Da sie in Wimperntusche nicht zur Hautpflege eingesetzt werden und bei normaler Anwendung nur auf den Wimpern bleiben, werten wir sie hier nicht ab.

Kaum der Rede wert. Die Nickelbelastung der Produkte, in denen meist Eisenoxide stecken, bewegte sich in einem so niedrigen Bereich, dass wir nicht abwerten. Eine Untersuchung der Universität Kopenhagen mit rund 4.000 Frauen hat zudem gezeigt, dass Nickelallergikerinnen auf Wimperntusche nicht häufiger mit Lidekzemen reagierten als Nicht-Allergikerinnen. Nur in Einzelfällen komme es zu Reaktionen.

Kein Thema mehr: Die potenziell krebserregenden Nitrosamine, die noch vor wenigen Jahren ein großes Problem in Mascaras waren, scheinen kein Thema mehr zu sein. In keinem der getesteten Produkte stecken Substanzen wie Triethanolamin oder Tromethamin. Solche Ausgangsstoffe ließen auf eine Nitrosaminbelastung schließen.

ÖKO-TEST Juni 2017

ÖKO-TEST Juni 2017
Erschienen am
26. Mai 2017

Preis: 4.50 €

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