Kosmetik / Pflege / Mode
TEST vom 11. Mai 2017
Trockenshampoos
Staub aufwirbeln
Trockenshampoos
Trockenshampoos versprechen in Sekundenschnelle sauberes und fettfreies Haar. Die Produkte in Spray- oder Puderform enthalten meist unbedenkliche Inhaltsstoffe, wie unser Test zeigt: 9 der 15 Trockenshampoos schneiden mit "sehr gut" ab.

Für viele ist Trockenshampoo eine Erinnerung an die 70er- und 80er-Jahre, an Föhnfrisur und Dauerwelle. Danach fristete das Pulver fast drei Jahrzehnte lang ein Nischendasein. Doch nun ist es wieder da. Glaubt man Internetforen und Blogs, sind es hauptsächlich Frauen, die sich vor allem eine kurze Auffrischung des Haars für zwischendurch wünschen - wenn es mal schnell gehen muss.

"Ich habe schon lange, bevor ich mein Kind bekam, Trockenshampoo benutzt, weiß die Zeitersparnis jetzt allerdings doppelt und dreifach zu schätzen" - so begründet Beauty-Bloggerin "Frau Shopping" ihr Faible für die Instantwäsche. Ganz ähnlich klingen die Erfahrungsberichte auf den Internetseiten der Frauenzeitschriften Elle und Brigitte. Dort schwören Frauen mit langem Haar auf Trockenshampoo vor allem dann, wenn’s pressiert: Zwei, drei kurze Sprühstöße aus der Dose, ein wenig Puder aus der Plastikflasche, schon sehe das Haar aus wie frisch gewaschen. Das versprechen auch die Hersteller in blumigen Worten auf den Verpackungen. Das Pulver sei die "ideale Trockenwäsche", heißt es etwa auf der Dose von Swiss O-Par Frottee Trockenshampoo Fresh, Drogerist Müller verspricht mit Aiko Styling Factory Trockenshampoo eine "blitzschnelle Haarwäsche". Das erreichen die Produkte, indem sie überschüssigen Talg binden. Der lässt das Haar nicht nur fettig aussehen, er wird mit der Zeit auch ranzig. Das kann zu unangenehmen Gerüchen führen. Dem wiederum begegnen die Hersteller doppelt: mit Bindemittel und mit zugesetztem Parfüm.

Laut Anweisung bürsten Verbraucher das Shampoopulver und mit ihm das Fett im Haaransatz nach kurzer Einwirkzeit einfach aus. Der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW) empfiehlt das Puder allerdings nicht für den Dauereinsatz: "Trockenshampoos ersetzen nicht eine regelmäßige Haarwäsche, in der das Haar gründlich von Schmutz, Fett oder den Rückständen von Styling- oder Pflegeprodukten befreit wird", sagt Birgit Huber, stellvertretende Geschäftsführerin des IKW und Bereichsleiterin Körperpflege. "Die Hersteller entsprechen mit dem Angebot an diesen Produkten vielmehr dem Wunsch der Verbraucher nach einem unkomplizierten Haarauffrischer und einer praktischen Stylinghilfe." Denn Spray und Puder sollen auch für mehr Volumen sorgen. So nennt Schwarzkopf & Henkel eines seiner beiden Trockenshampoos im Test folgerichtig Syoss Volume Lift. Über das Ergebnis der kommerziellen Pulver sind sich viele Verbraucher einig: Es wirkt. Wie das Ganze aber genau funktioniert, wissen die wenigsten. Oder wie es "Frau Shopping" ausdrückt: "Ich kann es nicht chemisch erklären."

Dabei ist das Prinzip einfach und seit Jahrhunderten bekannt: Ein Bindemittel saugt das überschüssige Fett am Haaransatz auf. War es in der Barockzeit geröstetes Weizenmehl, das sich der Adel aufs Haupt streute, steckt in der modernen Form des Trockenshampoos vor allem herkömmliche Speisestärke aus Reis- oder Maismehl. Aber auch Talkum und Kieselsäure verwenden die Kosmetikhersteller. Diese Bestandteile binden das Fett an Kopfhaut und Haaransatz, quellen auf und lassen sich ausbürsten. Anders als beim frühneuzeitlichen Original kommen mit dem Bindemittel in den zeitgenössischen Pulvern aber auch zusätzliche Inhaltsstoffe ans Haar. In manchen der vor allem teureren Produkte stecken neben dem obligatorischen Parfüm Wirkstoffe, die das Haar geschmeidiger machen und die Kämmbarkeit erhöhen sollen. Dafür greifen viele Anbieter tief in den kosmetischen Baukasten. Die Stoffe in der Mehrzahl der Trockenshampoos sind zwar unbedenklich. So richtig natürlich sind sie aber meistens nicht.

Wer auf Trockenshampoo nicht verzichten, gleichzeitig aber selbst bestimmen will, was da auf die Haare kommt, kann sich mit einfachen Zutaten das Pulver selbst herstellen. Im Internet gibt es dazu viele Rezepte auf Basis von Stärke und Heilerde. Für dunkles Haar wird etwas Kakao unter das Pulver gerührt. Dadurch soll der verräterische Grauschleier der Stärke ausbleiben.

Eine medizinische Einschätzung zu Trockenshampoo gibt es (noch) nicht. Die einhellige Expertenmeinung der von uns befragten Dermatologen: Es fehlt bislang die wissenschaftliche Basis. So gebe es noch keine relevanten Untersuchungen zur Langzeitwirkung. Entsprechend zurückhaltend sind die Ärzte, was ihre Expertise betrifft. Als grobe Richtschnur gelte, einen gesunden Mix in der Haarpflege zu finden. Das Haupt sollte regelmäßig gründlich gereinigt werden. Und dazu gehöre Wasser und mildes Shampoo. Das Pulver dürfe hin und wieder zum Einsatz kommen. Zum vollkommenen Shampooersatz tauge es aber nicht.

Unterm Strich, das zeigen Test und Expertenrat, ist es eine Frage der persönlichen Entscheidung, wie oft Sie Ihre Haare waschen und ob Sie die schnelle Frische zwischendurch einstreuen. Um Ihnen eine Entscheidungshilfe an die Hand zu geben, haben wir 15 Trockenshampoos in die Labore geschickt.

Das Testergebnis

Mehr als die Hälfte schneidet mit "sehr gut" ab. Nur ein Produkt fällt mit "ungenügend" durch. Der Rest ist Mittelmaß, zumindest nach Analyse der Inhaltsstoffe. Einem Praxistest haben wir die Sprays und Pulver nicht unterzogen. Zu sehr scheint es uns dabei auf persönliche Vorlieben anzukommen.

Moschusduft und Lilial: Negativ bewerten wir polyzyklische Moschus-Verbindungen, die häufig auch in Bodylotions und Waschmittel stecken und die Wissenschaftler auch deshalb inzwischen sogar in Muttermilch nachweisen. Künstliche Moschusdüfte lagern sich im menschlichen Fettgewebe an, neuere Tierversuche geben Hinweise auf Leberschäden. Diese Duftstoffe stecken in vier der 15 Trockenshampoos. Den Duftstoff Lilial wiesen wir in drei Produkten nach. Er hat sich in Tierversuchen als eindeutig fortpflanzungsschädigend herausgestellt und führt daher gesondert zur Abwertung.

Vergällt Alkohol und Freude! In drei Produkten fand sich Diethylphthalat (DEP). Die Chemikalie vergällt den Alkohol im Trockenshampoo, macht ihn dadurch ungenießbar. Das sorgt für Steuererleichterungen. DEP stabilisiert zudem den Duft. Es kann aber auch den Schutzmechanismus der Haut beeinflussen. Daher vergällt es uns auch die Freude.

Tabellenletzter. Algemarina Trocken Shampoo für Echt- und Kunsthaar schneidet mit Abstand am schlechtesten ab. Der Klassiker mit dem Seepferdchen auf der Dose erntet mit seiner fragwürdigen Mixtur ein glattes "ungenügend". Als einziges der untersuchten Trockenshampoos enthält es mit Lilial, Lyral, künstlichem Moschusduft, Diethylphthalat und halogenorganischen Verbindungen gleich fünf Substanzen, die wir in den nachgewiesenen Konzentrationen abwerten.

Aromatisch. Nur zwei Produkte setzen laut Etikett keine deklarationspflichtigen Duftstoffe ein - was die Laboruntersuchung bestätigte. Alle anderen - auch die zertifizierten Naturprodukte - haben sie an Bord, wenn auch meistens in sehr geringen Mengen. Einige dieser Stoffe können Allergien auslösen und führen zur Abwertung. Auf Parfüm allgemein - ob mit deklarationspflichtigen Duftstoffen oder nicht - verzichtet keines der Trockenshampoos.

Zu gut geschützt. Die beiden zertifizierten Naturprodukte werten wir wegen des unserer Ansicht nach unnötigen Umkartons unter dem Testergebnis Weitere Mängel ab. Inhaltlich haben wir an Alverde Trocken-Shampoo Bio-Brennnessel Bio-Zitronenmelisse und dem H&M Conscious Dry Shampoo nichts auszusetzen. Daher bleibt es unterm Strich für beide Naturprodukte beim Gesamturteil "sehr gut".

Ein Selbstversuch aus dem Küchenschrank

Alle getesteten Trockenshampoos arbeiten mit natürlichen Fettabsorbern. In den Pudern und Sprays stecken aber auch viele weitere zum Teil problematische Inhaltsstoffe. Ich habe mich also auf die Suche nach Alternativen begeben. Im Internet kursieren viele Rezepte, sich die Pulver selbst anzurühren. Ein Selbstversuch.

Die Zutaten für mein Shampoo finde ich im Küchenschrank: Maisstärke und zarte Haferflocken. "Wenn du willst, mischst du noch ein paar getrocknete Kräuter drunter", rät mir mein Freund Michael, Outdoorexperte und DAV-Wanderführer mit einem Hang zur selbst gemachten Bio-Körperpflege. Dann rieche das Haar auch frischer. Ich versuche also, den gleichen Effekt wie die kommerziellen Sprays zu erzielen: duftendes, fettfreies Haupthaar.

Im Mörser mische ich Maisstärke, Haferflocken und getrocknete Minzblätter zu einem feinen Pulver. Das geht noch völlig problemlos. Das Auftragen aber wird zu einem größeren Problem. Ich beuge mich über den Badewannenrand und versuche das Pulver möglichst gleichmäßig am Haaransatz einzumassieren. Auch das gelingt ganz gut, trotzdem landen Dreiviertel des Gemischs direkt in der Wanne unter mir. Außerdem staubt es enorm. Gebückt im Bad kauernd lasse ich mein Trockenshampoo einige Zeit einwirken, dann fange ich an, es auszubürsten. Ich bürste einige Minuten in alle Richtungen. Offensichtlich bekomme ich auch sehr viel Pulver in kleinen Klümpchen wieder aus den Haaren. Als ich mir sicher bin, es ist genug, zeigt mir der Blick in den Spiegel: Ich bin um Jahre gealtert, völlig ergraut. Und immer noch sehe ich Klümpchen im Haaransatz. Also bürste ich weiter. Besser wird es aber nicht. Ich gebe auf. Zwar habe ich schon den Eindruck, dass das Fett weg ist. Aber wie ein Greis will ich nicht herumlaufen. Also müssen abschließend doch Wasser und Shampoo herhalten. Zu guter Letzt bin ich obendrein noch einige Zeit beschäftigt, das Badezimmer zu entstauben.

Fazit: Das hausgemachte Trockenshampoo brachte mir weder Zeitersparnis noch führte es zu einem überzeugenden Ergebnis. Glatt durchgefallen. Mit etwas Übung und dem richtigen Werkzeug könnte es trotzdem funktionieren. Das werde ich aber wohl nie erfahren.

ÖKO-TEST Juni 2017

ÖKO-TEST Juni 2017
Erschienen am
26. Mai 2017

Preis: 4.50 €

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