Gesundheit / Medikamente
TEST vom 26. Mai 2017
Gesundheitsportale im Internet
Frag Dr. Google
Gesundheitsportale im Internet
Drei Viertel der Deutschen suchen im Internet nach Informationen zu Krankheitssymptomen. Den Arztbesuch sollte das nicht ersetzen. Denn manche Seiten im Netz schüren eher Ängste, als dass sie Antworten geben. Seriöse Gesundheitsportale vertiefen jedoch das Wissen über die Diagnose. Unsere Übersicht zeigt, welche Seiten zu empfehlen sind.

Seit dem Start der ersten deutschsprachigen Gesundheitsportale vor rund 20 Jahren gibt es eine wachsende Zahl von Webseiten, die sich gezielt Gesundheitsthemen widmen. Besucher nutzen die Seiten nicht nur für eine Selbstdiagnose. Viele haben nach einem ärztlichen Befund auch das Bedürfnis nach Rückversicherung oder ergänzenden Informationen. Sie holen sich eine zweite Meinung ein oder suchen im Netz den Austausch mit anderen Betroffenen. Laut der Anfang 2017 veröffentlichten Studie "Wirkungspotenziale von Gesundheitsportalen" der Universitätsmedizin Mainz nannten die Teilnehmer am häufigsten folgende Motive, warum sie Gesundheitsportale nutzen: schnelle Auskunft über Krankheiten (76,1 Prozent), gezielte Suche nach Informationen zu auftretenden Symptomen (70,1 Prozent), Austausch mit anderen Personen über Erfahrungen und Ansichten (55,1 Prozent), Vorbereitung auf einen Arztbesuch (49,1 Prozent), Informieren über Medikamente/Therapien (45,3 Prozent), Suche nach mehr Informationen zu einer vom Arzt diagnostizierten Krankheit (42,7 Prozent).

Portale können dafür sorgen, dass der Patient insgesamt eine aktivere Rolle übernimmt und in Gesundheitsfragen aufgeklärter ist. Da Ärzte oft nicht über genügend Zeit verfügen, um ausgiebig über Diagnosen zu reden, oder ihr Doktorlatein für Laien nur schwer verständlich ist, gehen Patienten häufig vor oder nach der Sprechstunde ins Internet. Das verändert auch die Arzt-Patienten-Beziehung, wie Mediziner in ihrer Praxis täglich erfahren. "Ärzte müssen heute damit rechnen, dass sich Patienten fortwährend Informationen aus dem Internet beschaffen", sagt Dr. Julian Wangler, der die Mainzer Studie betreute. "Die Informationen können positive wie negative Wirkungen entfalten." Wangler schlägt den Ärzten vor, in der Sprechstunde aktiv auf internetbasierte Gesundheitsrecherchen einzugehen, deren Potenziale und Risiken zu thematisieren und sie für die Patientenbeziehung zu nutzen. "Wenn der Arzt auf die Recherchen des Patienten eingeht, kann er nicht nur möglichen Verunsicherungen vorbeugen, sondern er signalisiert zugleich auch Wertschätzung. Beides kommt der Patientenbindung zugute." In den Weiten des World Wide Webs kann sich der Ratsuchende allerdings auch verlieren. Es finden sich dort auch viele widersprüchliche Aussagen, unseriöse Anbieter oder wenig fundierte Informationen. In der Mainzer Studie gaben 44,1 Prozent der Teilnehmer an, seit der Nutzung von Gesundheitsseiten "gelegentlich verwirrter" zu sein. Schnell klickt man sich da auch mal krank. Mediziner haben für dieses neue Phänomen längst einen Namen: Cyberchondrie, abgeleitet von Cyberspace (virtuelle Welt des Internets) und Hypochondrie (Einbildung von Krankheiten).

ÖKO-TEST hat zwölf Gesundheitsportale genauer unter die Lupe genommen und zeigt auf, wer verlässliche Informationen gibt.

Dafür hat Dr. Beate Müller, Leiterin des Arbeitsbereichs Patientensicherheit am Institut für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität Frankfurt am Main, mit ihrem Team die jeweiligen Seiten begutachtet.

Kompakt

Gläserner Patient

Erfasst!

Wie überall im Netz ist auch der Besucher von Gesundheitsportalen gläsern. Bei Nutzung der Seiten erfasst der Anbieter in der Regel die IP-Adresse des Computers, Datum und Uhrzeit des Abrufs sowie die übertragene Datenmenge. Darüber sollte sich jeder Nutzer angesichts sensibler Suchanfragen klar sein!

Google liest mit

Was genau mit den Daten geschieht, liegt im Ermessen der Anbieter. Die Portale geben in ihren Datenschutzerklärungen mehr oder weniger ausführlich darüber Auskunft. Viele erklären, dass sie die Daten nur temporär, anonymisiert und zu statistischen Zwecken nutzten. Viele verwenden Cookies, also kleine Textdateien, die auf dem Computer des Users zwecks Analyse seines Nutzungsverhaltens gespeichert werden. Meist werden die daraus gewonnenen Daten an Webanalysedienste wie Google Analytics weitergegeben, etwa zum Generieren von persönlich auf den Nutzer zugeschnittener Werbung. Über die Browsereinstellungen können Sie das Setzen oder Speichern von Cookies verhindern. Bei Firefox, Explorer und Google Chrome drücken Sie einfach die Tastenkombination Strg + Shift + Entf und setzen bei "Cookies" ein Häkchen. Anschließend auf "Löschen".

Personenbezogene Daten

Für die direkte Kontaktaufnahme oder für das Absetzen eines Forenbeitrags verlangen viele Anbieter eine Registrierung. Das beinhaltet neben der Bekanntgabe der E-Mail-Adresse in der Regel auch die Nennung von weiteren personenbezogenen Daten - etwa Name, Adresse und Geburtsdatum. Unser Tipp: Nehmen Sie bei dringenden Fragen besser Kontakt mit einem Arzt auf!

Apotheken-Umschau.de

Wer macht es? Verantwortlich ist der Wort & Bild Verlag in Baierbrunn. Die Texte schreiben Fachjournalisten, die von einem wissenschaftlichen Beirat aus Medizinern und Pharmazeuten beraten werden. Die 2001 gestartete Website ist eines der am häufigsten aufgesuchten Gesundheitsportale in Deutschland. Monatlich verzeichnet sie rund 15 Millionen Besuche.

Was bietet es? Das Portal punktet mit viel Inhalt, einer übersichtlichen Gestaltung und hilfreichen Suchfunktionen. Unter dem Menüpunkt "Medikamente" erhält der Nutzer Zugang zu einer der umfangreichsten für Laien zugänglichen Datenbanken an Arzneimitteln, von denen auch jeweils die Beipackzettel zum Download zur Verfügung stehen. Die Beiträge sind mit Autorennamen versehen, weitere Quellenangaben werden nicht gemacht.

Wie ist die inhaltliche Qualität? An der Richtigkeit, Vollständigkeit, Neutralität und Verständlichkeit der geprüften Aussagen hat das beauftragte Medizinerteam kaum etwas zu bemängeln. Allerdings fanden die Experten das Krankheitsbild ADHS zu einfach und kurz abgehandelt, zudem war der Eintrag mehr als zwei Jahre nicht aktualisiert. Der interaktive grafische Symptome-Finder ist nach Meinung des Medizinerteams verbesserungsfähig. Beispiel: "Atemnot und Brustschmerz bei Herzinfarkt". Klickte der Nutzer auf die Brust der Körperdarstellung, wurde ihm ein Artikel zum Thema "Atemnot" angeboten. Dieser war allerdings äußerst allgemein gehalten. Von ÖKO-TEST um eine Stellungnahme gebeten, wies der Anbieter darauf hin, dass das Tool "nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden darf", sondern den Leser lediglich "leichter zum gewünschten Text navigieren" solle.

Finanzierung/Werbung: Das Portal finanziert sich über Werbung und legt nach Eigenaussage großen Wert auf "eine klare Trennung und Kennzeichnung von redaktionellen Inhalten und Werbeinformation". Allerdings bietet der Verlag auch sogenannte Advertorials (Textanzeigen) an. Bei diesen muss der Leser schon sehr genau hinschauen, um sie als Werbung zu erkennen. Sie sind zwar mit dem Hinweis "Anzeige" gekennzeichnet, aber auch angelehnt an die Optik der Internetseite gestaltet.

Dr-Gumpert.de

Wer macht es? Der Frankfurter Orthopäde Dr. Nicolas Gumpert hat das Portal 2002 gestartet. Als Autoren schreiben Mediziner und Fachjournalisten.

Was bietet es? Das Portal ist zwar gut verlinkt und erscheint in Suchmaschinenanfragen deshalb oft weit oben. Allerdings bietet es vergleichsweise wenige Inhalte. Die grafische Gestaltung wirkt unruhig, was durch viel Werbung noch verstärkt wird. Dazu zählen auch Werbebanner, die sich über die Texte legen, sogenannte Flash Layers. Das Portal verfügt über keine eigene Suchfunktion, sondern nutzt die Google-Suche. Als Quellenangabe gibt es lediglich Autorennamen und selbst die fehlen des Öfteren.

Wie ist die inhaltliche Qualität? Auch wenn die grafische Gestaltung zu wünschen übrig lässt: An der Richtigkeit, Vollständigkeit, Aktualität und Verständlichkeit hatten die Experten wenig auszusetzen. Lediglich die Beeinträchtigung durch Werbung und das oftmalige Fehlen von Quellenangaben bemängelten sie.

Finanzierung/Werbung: Die Dr-Gumpert GmbH finanziert sich durch Werbung und Sponsoring. Dr.-Gumpert.de ist nach Eigenaussage "vollständig unabhängig von Pharmaindustrie oder sonstigen Wirtschaftsunternehmen im Gesundheitsmarkt". Die Firma "hostet Werbesprüche und gesponserte Links", wie im Impressum zu lesen ist. Sie bietet Anzeigenkunden "Textwerbung und Bildwerbung" an, die "nach Absprache an vielen Stellen der Themen möglich" sind. Unternehmen können auch mit dem Zusatz: "Dieses Thema wird präsentiert von ..." einzelne "Themen oder Themenbereiche als Sponsor" unterstützen, heißt es unter dem Menüpunkt "Werbung".

Gesundheit.de

Wer macht es? Hinter dem Portal steht der in Frankfurt am Main ansässige Pharma-großhändler Alliance Healthcare. Die Texte liefert seit 2009 die Agentur Next Healthlab aus Wiesbaden. Monatlich verzeichnet das Portal rund 7,5 Millionen Besuche.

Was bietet es? Die grafische Gestaltung der Website, die auch Wellness-, Fitness- und Ernährungsthemen aufgreift, wirkt unruhig. Das wird durch die viele Werbung noch verstärkt. Das Portal verfügt über keine eigene Suchfunktion, sondern nutzt die Google-Suche. Dass der Nutzer auf den Seiten eines Pharmagroßhändlers surft, erfährt er nur eindeutig, wenn er das Impressum anklickt. Lediglich dort taucht der Name Alliance Healthcare Deutschland AG auf. Rubriken wie "Wir über uns", wie sie andere Portale anbieten, fehlen. Als Quellenangaben gibt es lediglich Autorennamen und selbst diese fehlen des Öfteren. Ausgewertete Studien oder weiterführende Literatur werden in der Regel nicht genannt.

Wie ist die inhaltliche Qualität? An der Richtigkeit der getesteten Gesundheitsaussagen hatte unser Medizinerteam wenig zu beanstanden. Allerdings erachteten die Experten bei allen drei geprüften Krankheitsbildern die Informationen als unvollständig. Die Aussagen zum Bandscheibenvorfall (LWS) bewerteten sie als oberflächlich und "mehr zur groben Informationsgewinnung, als zur genaueren Befassung mit dem Thema" dienend.

Finanzierung/Werbung: Finanziert wird die Seite über Werbung. Das Portal verzichtet zwar auf störende Pop-up-Banner. Es macht jedoch in Texten reichlich Gebrauch von nutzungsbasierter Werbung mittels Cookies, die den Lesefluss bremst.

Gesundheitsinformation.de

Wer macht es? Verantwortlich ist die Stiftung für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Die staatliche Einrichtung erfüllt mit der Website einen Teil ihres gesetzlichen Auftrags zur gesundheitlichen Aufklärung.

Was bietet es? Die Seiten sind klar strukturiert und übersichtlich. Eine gut arbeitende Suchfunktion und markant gesetzte Icons sorgen für eine schnelle Übersicht und einfache Navigation. Jeder Text ist am Ende mit Quellenangaben versehen; ausgewertete Studien und weiterführende Literatur werden genannt.

Wie ist die inhaltliche Qualität? Abgesehen von einer nicht ganz exakten Angabe, ab wann der Bluthochdruck zu hoch ist, hatte das mit der Begutachtung beauftragte Medizinerteam so gut wie nichts an der Richtigkeit, Vollständigkeit, Neutralität und Verständlichkeit der Gesundheitsinformationen zu beanstanden. Der Anbieter bekundete, den Bluthochdruckwert zu korrigieren, nachdem ÖKO-TEST ihn darauf aufmerksam gemacht hatte.

Finanzierung/Werbung: Das Portal finanziert sich über die Beiträge der gesetzlich Krankenversicherten. Es ist werbefrei.

Lifeline.de

Wer macht es? Herausgeber ist der Gong Verlag in Ismaning. Die Artikel schreiben Fachjournalisten, denen externe ärztliche Berater und Experten zur Verfügung stehen.

Was bietet es? Neben dem Schwerpunkt Gesundheit finden sich auch Themen aus den Bereichen "Beauty & Wellness". Es gibt eine gut arbeitende Suchfunktion und eine Menüleiste mit vielen Unterpunkten zu den Themen Krankheiten, Symptome, Diagnose, Therapien, Medikamente und Vorsorge. Autoren werden mit Namen genannt, teilweise mit Kurzporträts vorgestellt, hinzu kommen ausgewertete Studien und weiterführende Literatur.

Wie ist die inhaltliche Qualität? Unser Medizinerteam hatte an der Richtigkeit, Vollständigkeit und Verständlichkeit der geprüften Gesundheitsinformationen kaum etwas auszusetzen. Allerdings: Der Artikel zum Krankheitsbild ADHS war seit August 2011 nicht aktualisiert, die Informationen waren zu einfach gehalten. Der interaktive "Symptome-Check" war nach Ansicht unserer Mediziner verbesserungsfähig. Als Reaktion auf unsere Hinweise kündigte der Anbieter an, beides zu überarbeiten.

Finanzierung/Werbung: Finanziert wird das 1996 gestartete Portal über Werbung und Sponsoring. Die Website bietet ihren Anzeigekunden die Platzierung sogenannter Advertorials (Textanzeigen) an, die eine redaktionelle Anmutung haben.

Med.de

Wer macht es? Hinter der Website steht das Bad Dürkheimer Unternehmen Forumhome, das sich auf den Ankauf und das Betreiben von Foren spezialisiert hat. Die Firma hat Anteile an rund 60 Internetforen, deren Themen von Hobbys bis Urlaubszielen reichen. Die Texte liefern eine externe Agentur und freiberufliche Journalisten.

Was bietet es? Die Website wirkt klar und strukturiert, bietet aber vergleichsweise wenige Inhalte. Redaktionell selbst erstellte Artikel zu Gesundheitsthemen gibt es relativ wenige, dafür ein großes Forum, in dem registrierte Teilnehmer über Gesundheitsfragen diskutieren. Eine Suchfunktion existiert nicht. Die Artikel sind ohne Quellenangaben versehen.

Wie ist die inhaltliche Qualität? Das von ÖKO-TEST beauftragte Medizinerteam ließ an den geprüften Seiten kein gutes Haar. Das Thema Bandscheibenvorfall (LWS) sahen sie als zu kurz abgehandelt und nur die Symptome etwas ausführlicher erklärt. Der Beitrag zum Thema Bluthochdruck sei nicht mehr als "eine grobe Übersicht" und beinhalte "teilweise ungenaue Aussagen". Zudem gab es keine Informationen über den Aktualisierungsstand der Artikel. Zum Thema ADHS existierte gar kein Text.

Finanzierung/Werbung: Das Portal finanziert sich über Werbung und Sponsoring. Die Grenzen zwischen Textbeiträgen und Werbung sind - vor allem im Forum - fließend. Kein Wunder, ermöglicht Forumhome Werbetreibenden doch dort Produktplatzierungen. Wie das genauer vor sich geht, kann man unter "Advertising" nachlesen: "Mit SponsorPost platzieren Sie Ihren Content in einem gesponserten Beitrag direkt im Forum und erreichen so exakt die Meinungsbildner und Multiplikatoren Ihrer Zielgruppe. [...] Mit einem Sponsored Article, also einem beauftragten und geförderten Textbeitrag in unserem Magazinbereich, können Sie Ihre Produkte, Dienstleitung oder Ihren Onlineauftritt präsentieren [...]." Die gesponserten Posts sind immerhin als solche gekennzeichnet.

Netdoktor.de

Wer macht es? Herausgeber ist die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. In der Redaktion arbeiten Fachjournalisten, Mediziner und Biologen. Mit monatlich fast 19 Millionen Besuchen ist die Website der führende Anbieter unter den deutschsprachigen Gesundheitsportalen.

Was bietet es? Neben den üblichen Schwerpunkten Krankheiten, Symptome, Medikamente und Gesundheit findet sich auch das Thema Alternativmedizin. Die Seiten sind übersichtlich gestaltet, es gibt eine integrierte Suchfunktion und einen interaktiven Symptom-Checker.

Wie ist die inhaltliche Qualität? Unsere medizinischen Begutachter vergaben für die Richtigkeit, Vollständigkeit, Aktualität, Neutralität und Verständlichkeit der abgeprüften Gesundheitsinformationen fast nur Bestnoten. Einzig der Beitrag zum Thema ADHS fiel negativ auf, da er passagenweise Ängste schüre. Der Symptom-Checker arbeitete im Vergleich zu den Tools anderer Portale sehr gut und stellte nach Ansicht der Mediziner die richtigen Diagnosen.

Finanzierung/Werbung: Das 1999 gestartete Portal finanziert sich über Werbung, Sponsoring und die Lizenzierung von Artikeln. Der Verlag bietet seinen Werbekunden zwar das ganze Programm an den Lesefluss störender Werbung an, inklusive Cookies und Flash-Layers. Gleichwohl machen die Seiten einen vergleichsweise ruhigen Eindruck. Ein Stück in der Grauzone befindet sich das Angebot der "Native Ad(vertising)s", zu Deutsch "Werbung im bekannten Umfeld". In seinen für die Anzeigekunden gedachten "Mediadaten 2017" wirbt der Verlag, der "redaktionelle Stil" dieser Werbeform gewährleiste eine "authentische Meinungsbildung".

Onmeda.de

Wer macht es? Dahinter steht das Kölner Unternehmen Gofeminin.de. Dessen Muttergesellschaft ist Aufeminin.com mit Sitz in Paris. Hauptanteilseigner ist der Axel Springer Verlag. In der Redaktion arbeiten Fach- und Wissenschaftsjournalisten, sie werden von externen medizinischen Experten beraten. Mit mehr als elf Millionen Besuchen pro Monat ist es eines der am häufigsten genutzten deutschsprachigen Gesundheitsportale.

Was bietet es? Das Portal widmet sich nicht nur Gesundheitsthemen, sondern auch Aspekten wie "Schwangerschaft & Familie" und "Gesund leben". Zudem gibt es eine Fülle von Spielen und Selbsttests, darunter ein BMI- oder Wasserbedarf-Rechner sowie einen interaktiven Symptom-Check. Hier und da sind die Seiten zwar ein wenig überladen, dennoch gewinnt man schnell Übersicht, wozu auch eine integrierte Suchfunktion beiträgt.

Wie ist die inhaltliche Qualität? An den begutachteten Artikeln hatte das beauftragte Medizinerteam kaum etwas zu beanstanden. In puncto Richtigkeit, Vollständigkeit und Verständlichkeit war an den Beiträgen fast alles bestens. Einzig die Behandlung des Themas Bluthochdruck bewerteten unsere Experten als "etwas verängstigend". Negativ fiel zudem auf, dass der Beitrag zu ADHS schon mehr als zwei Jahre nicht aktualisiert wurde. Das wird der Anbieter nach eigener Aussage nachholen, nachdem wir darauf aufmerksam gemacht haben. Der Symptom-Check ist nach Meinung der Experten verbesserungsfähig. Das Diagnose-Tool fragte bei "Ohrenschmerzen" und "Atemnot" nicht mehr weiter und leitete über auf jeweils sehr allgemein gehaltene Artikel.

Finanzierung/Werbung: Das 1997 gestartete Portal, das seit 2008 Onmeda heißt, finanziert sich über Werbung und die Lizenzierung von Artikeln. Der Verlag bietet seinen Werbekunden zwar ein breites Programm an den Lesefluss beeinträchtigenden Formaten an, inklusive Videos und Layers. Dennoch machen die Seiten einen vergleichsweise ruhigen Eindruck. Die Platzierung von Advertorials (Textanzeigen) ist zwar möglich. In den für Anzeigekunden gedachten "Technischen Spezifikationen" wird allerdings nicht damit gelockt, Anzeigen angelehnt an die Optik der Internetseite zu gestalten.

Patienten-Information.de

Wer macht es? Verantwortlich ist das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ), eine gemeinsame Einrichtung der Bundesärztekammer und Kassenärztlichen Bundesvereinigung. In der Redaktion arbeiten Fachjournalisten und Mediziner.

Was bietet es? Die Seiten wirken sehr ruhig, strukturiert und übersichtlich. Die Navigationsleiste enthält Menüpunkte wie "Patientenleitlinien", "Checklisten" und "Wörterbücher". Jeder Text ist am Ende mit Quellenangaben versehen, mit Nennung der ausgewerteten Studien und weiterführenden Literatur. Das Portal beschränkt sich auf relativ wenige Krankheitsbilder.

Wie ist die inhaltliche Qualität? Zu den Diagnosen Bandscheibenvorfall (LWS) und Bluthochdruck konnte unser Medizinerteam keine Aussagen machen, da sich keine Artikel auf den Seiten befanden, die sich direkt damit befassten. Der Beitrag zum Thema ADHS überzeugte die Experten nicht. Zwar war inhaltlich alles korrekt, allerdings für Laien schwer verständlich, da mit vielen Fachbegriffen gespickt. Von ÖKO-TEST darauf aufmerksam gemacht, schrieb uns der Anbieter, dass es sich bei dem Artikel um eine an Ärzte gerichtete Leitlinie handele. Das Fehlen von LWS und Bluthochdruck begründete das ÄZQ damit, dass das Portal eher "übergeordnete Krankheitsbilder wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen" behandele, sich darunter aber auch Informationen zum Bluthochdruck befänden.

Finanzierung/Werbung: Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung sind die Finanzierer des werbefreien, im Jahr 2000 gestarteten Portals.

Praxisvita.de

Wer macht es? Herausgeber ist die Bauer Media Group. Die Artikel schreiben Fachjournalisten und Mitglieder eines Expertenbeirats. Monatlich verzeichnet die Website durchschnittlich 3,5 Millionen Besuche.

Was bietet es? Die Gestaltung mit vielen bunten Bildern erinnert an ein Boulevardmagazin. Das Portal widmet sich auch Aspekten wie Wellness, Homöopathie und Heilpflanzen. Informationen zu Krankheiten und Symptome findet der Nutzer über eine A-bis-Z-Suche oder die Eingabe in ein Suchfenster. Die Texte sind weder mit Autorennamen noch anderen Quellenangaben versehen. Ausnahmen sind Artikel oder Interviews mit Mitgliedern des eigenen Expertenbeirats. Die ihm angehörigen Mediziner, Homöopathen und Naturheilkundler werden auf einer Seite vorgestellt, in direkten Kontakt mit ihnen treten kann man allerdings nicht.

Wie ist die inhaltliche Qualität? In puncto Richtigkeit, Vollständigkeit, Neutralität und Verständlichkeit der geprüften Gesundheitsinformationen hatte das beauftragte Medizinerteam kaum etwas auszusetzen.

Finanzierung/Werbung: Das 2014 online geschaltete Portal finanziert sich über Werbung. Besonders lesehemmend sind automatisch startende Videos mit vorgeschalteten Werbeclips.

Qualimedic.de

Wer macht es? Eigentümer ist der Gong Verlag in Ismaning. Es ging erstmals 1999 online. Zu den Autoren der redaktionellen Artikel macht der Anbieter keine Angaben.

Was bietet es? Es gibt eine gut funktionierende Suche. Am Ende eines jeden Artikels werden die ausgewerteten Studien und medizinischen Artikel sowie weiterführende Literatur genannt. Das Portal bietet mehrere Foren und Chats an, in dem sich registrierte Nutzer austauschen können.

Wie ist die inhaltliche Qualität? Was Richtigkeit und Verständlichkeit der Informationen betrifft, hatte unser Medizinerteam an den geprüften Seiten kaum etwas zu bemängeln. Allerdings waren zu allen drei getesteten Diagnosen die Aussagen etwas unvollständig. Zudem waren die Artikel zum Teil seit mehr als vier Jahren nicht mehr aktualisiert.

Finanzierung/Werbung: Das Portal finanziert sich über Werbung, Sponsoring und Lizenzen. Es werden hauptsächlich Bannerwerbung und nutzungsbasierte Onlinewerbung durch Cookies eingesetzt.

Vitanet.de

Wer macht es? Das in München ansässige Internetunternehmen Vitapublic. Die Artikel schreiben Mediziner und freie Autoren, darunter Ärzte und Apotheker.

Was bietet es? Die Seite ist relativ übersichtlich gestaltet, wenn auch etwas überladen mit Bildern. Neben den üblichen Menüpunkten Krankheiten und Symptome sind auch "Alter & Pflege" sowie "Homöopathie & Naturheilkunde" anwählbar. Es gibt eine A-bis-Z-Suche und ein Suchfenster sowie ein Lexikon, das Fachbegriffe erklärt. Einen großen Teil nehmen die Themen Selbstmedikation und Selbsttests ein. Artikel sind mit Autorennamen versehen, oft werden auch ausgewertete Studien und weiterführende Literatur genannt.

Wie ist die inhaltliche Qualität? An der Richtigkeit und Neutralität der geprüften Gesundheitsinformationen hatten unsere medizinischen Begutachter nichts auszusetzen. Lediglich in puncto Vollständigkeit, Aktualität und Verständlichkeit haperte es hier und da ein wenig. So sind die Aussagen zum Bandscheibenvorfall (LWS) seit mehr als zwei Jahren nicht aktualisiert worden. Den Beitrag zu ADHS bewerteten die Experten als zu oberflächlich, denjenigen zum Bluthochdruck hingegen als zu unübersichtlich.

Finanzierung/Werbung: Das 2001 gestartete Portal finanziert sich nicht nur über Werbung, sondern auch über Apothekenlizenzierungen. Vitapublic betreibt auch das Apotheken-Vermarktungsportal Apodigital.

So sind wir vorgegangen

Die Gesundheitsportale

Wir haben zwölf bekannte Online-Gesundheitsportale unter die Lupe genommen. Der Fokus lag auf Internetseiten, die Informationstexte zu Krankheiten und Diagnosen liefern. Arztbewertungsportale und reine Symptome-Finder sowie Seiten, die sich auf ein Krankheitsbild oder wenige Krankheitsbilder beschränken, haben wir ausgeklammert.

Die Begutachtung

Mit der inhaltlichen Überprüfung von Aussagen zu Gesundheitsfragen beauftragte ÖKO-TEST ein Team des Instituts für Allgemeinmedizin, Arbeitsbereich Patientensicherheit, der Goethe-Universität Frankfurt am Main unter der Leitung von Dr. Beate Müller. Anhand der drei häufigen und vielgesuchten Krankheitsbilder Bluthochdruck, Bandscheibenvorfall (Lendenwirbelsäule) und Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) - mit Fokus auf Kinder - untersuchten die Mediziner die Seiten auf ihre Richtigkeit, Vollständigkeit, Aktualität und Verständlichkeit sowie Neutralität gegenüber Werbung oder bestimmten Lehren, und ob die Beiträge Ängste schüren. Befand sich ein interaktiver grafischer Symptome-Finder auf den Seiten, wurde dieser anhand der Phänomene "Ohrgeräusch nach Konzertbesuch" und "Atemnot und Brustschmerz bei Herzinfarkt" getestet. Darüber hinaus prüfte ÖKO-TEST die Portale genauer auf Transparenz, Finanzierung und ob Werbung und redaktionelle Inhalte getrennt sind.

Die Bewertung

Auf eine Bewertung mit einem Gesamturteil haben wir verzichtet. Die Prüfung der Internetseiten stellt eine Stichprobe dar. Sie erfolgte vom 20. März bis 20. April 2017. In unserer Übersicht stellen wir die Vor- und Nachteile des jeweiligen Portals heraus. "Insgesamt ist die Qualität solide bis sehr gut, mit einzelnen Kritikpunkten", so das Fazit von Dr. Beate Müller und ihrem Team.

ÖKO-TEST Juni 2017

ÖKO-TEST Juni 2017
Erschienen am
26. Mai 2017

Preis: 4.50 €

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