Kinder / Baby
TEST vom 26. Mai 2017
Schnuller, Silikon
Saubere Sauger
Schnuller, Silikon
Gute Nachrichten: In unserem aktuellen Test Silikonschnuller bekommen elf Sauger sehr gute Noten. Den Praxistest haben alle ausnahmslos bestanden. In einem Produkt haben wir jedoch die krebsverdächtige PAK-Verbindung Naphthalin gefunden.

Gibt man das Wort "Schnuller" in eine große Internet-Suchmaschine ein, so liefert diese innerhalb von Sekunden 3.150.000 Ergebnisse. Dort gibt es alles, von alltäglichen Elternfragen, über den Onlineshop, der Schnuller mit Bärten und Scherzzähnen verkauft, bis hin zu Berichten über einen Teeniestar, der angeblich mit Schnuller im Mund gesichtet wurde. Bei den meisten Eltern dürfte Letzteres nicht mehr als ein müdes Kopfschütteln auslösen, plagen sie sich doch eher mit der Frage, ob sie ihrem Baby überhaupt einen Beruhigungssauger geben sollen oder ob damit eine spätere Kieferfehlstellung beim Kind programmiert ist. Auch die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt und Weg zur Schnullerentwöhnung beschäftigt Eltern.

Aleyd von Gartzen, Beauftragte für Stillen und Ernährung des Deutschen Hebammenverbandes, ist nicht grundsätzlich gegen Schnuller: "Er sollte aber erst eingesetzt werden, wenn die erste Zeit des Kennenlernens und des Einfindens in das Stillen vorüber ist." Eine genaue Angabe dazu zu machen, wie lang diese "erste Zeit" dauert, sei schwierig, weil das von Kind zu Kind variiere. Aber lieber sollten Eltern in den ersten vier bis sechs Wochen auf den Schnuller verzichten, rät von Gartzen. "Durch den Schnuller können Probleme beim Stillen verstärkt werden, etwa wenn ein Kind Schwierigkeiten hat, die Brust zu finden." Ein frühzeitiger Schnullergebrauch könne dazu führen, dass gerade in den ersten Wochen nicht häufig genug gestillt würde. Häufiges Stillen in diesem Zeitraum sei jedoch sehr wichtig, um die Milchproduktion gut in Gang zu bringen. Darüber hinaus warnt die Stillbeauftragte davor, dass die Schnullergabe nicht zum Automatismus werde: "Man sollte darauf achten, dass man eher zu anderen Beruhigungsmaßnahmen greift: Körperkontakt, tragen oder singen zum Beispiel." Persönliche Zuwendung sei immer besser. Doch von Gartzen hat Verständnis für Mütter, die den Sauger einsetzen, weil sie mal in Ruhe etwas machen wollen: "Es geht ja darum, beide Interessen zu berücksichtigen, von Mutter und von Kind."

"Die Empfehlung, gar keinen Schnuller zu geben, ist sehr akademisch. Kinder dürfen auch Kinder sein", sagt Professor Paul-Georg Jost-Brinkmann, Leiter des Arbeitsbereichs Kinderzahnmedizin an der Charité Berlin. Er rät allerdings dazu, möglichst kiefergerechte - flachere und breitere - Sauger zu verwenden, da sie die Zunge nicht so weit nach unten drängen wie kirschförmige Sauger. Der Zahnmediziner erklärt: "Die normale Lage der Zunge im Ruhezustand ist oben am Gaumen. Hat das Kind einen Schnuller im Mund, wird die Zunge aus ihrer Ruheposition verdrängt." Beim Saugen drückten die Wangen aber gegen die Zähne und weil die Zunge als Widerstand im Oberkiefer fehle, bewegten sich die Zähne irgendwann auf den Schnuller zu. Das klingt nach der viel befürchteten Fehlstellung. Doch der Zahnexperte beruhigt: "Was bis zum vollendeten dritten Lebensjahr geschieht, ist weitgehend reversibel." Wichtig sei, dass Eltern den Schnuller spätestens am dritten Geburtstag entsorgen. Manche Experten empfehlen das sogar schon bis zum zweiten Geburtstag. Dass die Schnullerentwöhnung nicht immer einfach ist, weiß Jost-Brinkmann aus eigener Erfahrung: Seine Söhne haben alle einen Schnuller benutzt und einer habe sich tatsächlich schlecht trennen können, sodass es einige schlaflose Nächte gegeben habe, erinnert sich der dreifache Vater.

Doch bevor die Entwöhnung Thema wird, geht es Eltern erst einmal darum, welche Beruhigungssauger sie unbesorgt kaufen können. Damit Sie wissen, mit welchen Schnullern Sie auf der sicheren Seite sind, haben wir 13 gängige Schnullermodelle eingekauft, auf Schadstoffe untersucht und zudem einem Praxistest unterzogen, um festzustellen, ob sie den Belastungen des Alltags standhalten.

Das Testergebnis

Stabil & sauber: Den Praxistest haben alle 13 untersuchten Silikonschnuller bestanden und auch bei den Inhaltsstoffen haben zwölf von dreizehn Schnullern sehr gut abgeschnitten. Nur ein Produkt hatte ein Schadstoffproblem. Bei einem anderen fehlten wichtige Gebrauchs- und Warnhinweise.

Naphthalin im Nuckel: Im Saugteil des Dentistar Night Schnuller mit Dental Stufe, 2, perlmutt hat das Labor die krebsverdächtige PAK-Verbindung Naphthalin gefunden. Schnuller aus Silikon werden auch deshalb gerne gekauft, weil das Material als besonders rein, also schadstofffrei gilt. In unserem Test Silikonschnuller von 2012 war jedoch gut ein Drittel der untersuchten Schnuller mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) verunreinigt, namentlich mit der krebsverdächtigen Verbindung Naphthalin. Im aktuellen Test überschreitet nur noch einer von 13 untersuchten Saugern unsere strenge Abwertungsgrenze von 100 Mikrogramm pro Kilogramm.

Beißtest bestanden. Im Praxistest simulierte das Labor Alltagsbelastungen, denen Schnuller standhalten müssen. Die Untersuchung auf Durchstichfestigkeit, Beißfestigkeit und Reißfestigkeit gemäß DIN-Norm (EN 1400) haben alle getesteten Schnuller erfolgreich überstanden. Bei diesen Untersuchungen geht es darum, das Risiko zu verringern, dass Teilchen des Saugers abreißen oder sich lösen, wenn das Kind etwa auf dem Schnuller herumkaut, statt nur daran zu saugen.

Zu wenig Warnhinweise. Nach DIN-Norm gehören eine Reihe von Warnhinweisen sowie weitere Anweisungen für die Benutzung auf die Verpackung oder in die Packungsbeilage. Darunter Benutzungshinweise wie dieser: "Tauchen Sie das Saugteil nie in süße Substanzen oder in Medikamente. Ihr Kind könnte Karies davon bekommen." Bei unserer Bewertung orientieren wir uns an der Norm, unabhängig davon, ob sie auf der Schnullerpackung angegeben ist oder nicht. Insgesamt waren die Packungsbeilagen erfreulich vollständig, aber bei Mollis Beruhigungssauger mit Ring, Größe 2, gelb/türkis fehlten zahlreiche Warn- und Benutzungshinweise. Unter den Weiteren Mängeln gab es dafür zwei Noten Abzug. Insgesamt reichte es aber noch für ein "gutes" Gesamturteil.

So reagierten die Hersteller

Die Firma Novatex erklärte zu dem Naphthalin-Gehalt im Sauger des Dentistar Night Schnuller mit Dental-Stufe, 2, perlmutt: "Wird ein Produkt neben einem PAK-haltigen Produkt gelagert, kann z.B. Naphthalin aus diesem heraus und in das andere Produkt hineindiffundieren." Tatsächlich ist Naphthalin ein flüchtiger Stoff. Allerdings war der Dentistar-Schnuller vor unserer Laboranalyse sogar ausgekocht worden.

Schnullerentwöhnung - gefährlicher Ratschlag

Tipps zur Schnullerentwöhnung gibt es viele, doch manche können Kinder in Gefahr bringen. So kursiert in diversen Onlineforen die Empfehlung, einfach ein kleines Stück von der Spitze des Saugers abzuschneiden, weil dadurch das Sauggefühl beeinträchtigt werde. Anke Sachtleben, zuständige Projektmanagerin im DIN-Normenausschuss Sicherheitstechnische Grundsätze (NASG), hält nichts von diesem Vorschlag: "Dass man einen Schnuller zerstört, davon rate ich entschieden ab, gerade in Hinblick darauf, dass das Baby an Kleinstteilen ersticken könnte." Sie verweist auf den Warnhinweis, der gemäß DIN EN 1400 in jeder Schnullerpackung zu finden sein muss: "Kontrollieren Sie den Schnuller vor jedem Gebrauch. Ziehen Sie den Schnuller in alle Richtungen. Werfen Sie ihn beim ersten Anzeichen von Beschädigungen oder Mängeln direkt weg."

Zum Glück gibt es auch zahlreiche ungefährliche Tipps zur Schnullerentwöhnung. Wichtig ist es, das Kind rechtzeitig darauf vorzubereiten, sodass es zum vorher festgelegten Zeitpunkt möglichst freiwillig seinen Schnuller abgibt. Als Anreiz kann ein kleines Geschenk dienen, das etwa von der "Schnullerfee" gebracht wird, oder ein gemeinsamer Ausflug zum nächstgelegenen Schnullerbaum, auf den das Kind seinen Schnuller hängen kann. Wer möchte, kann zur Vorbereitung des Schnullerabschieds inzwischen sogar auf eine kleine Auswahl an Kinderbüchern zurückgreifen, die sich damit befassen.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Silikonschnuller gelten als hygienisch und sind bei Eltern sehr beliebt. Insgesamt haben wir 13 Schnuller verschiedener Hersteller in Drogerien, Supermärkten und im Onlinehandel eingekauft. Die Preisspanne reicht von 98 Cent bis 5,29 Euro pro Stück.

Die Inhaltsstoffe

In unserem Schnullertest 2012 hatten wir in mehr als einem Drittel der untersuchten Beruhigungssauger krebsverdächtige polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) gefunden. Deshalb haben wir bei den aktuellen Untersuchungen ein besonderes Augenmerk auf PAK gelegt, aber auch auf andere mögliche Problemstoffe wie Schwermetalle, giftige Rückstände an zinnorganischen Verbindungen und flüchtige Bestandteile im Saugteil.

Die Praxisprüfung

Das Material eines Schnullers sollte auch dann standhalten, wenn das Baby oder Kleinkind mal darauf beißt, statt nur daran zu nuckeln. Im Praxistest haben wir deshalb die Durchstich-, Reiß- und Beißfestigkeit des Saugteils überprüfen und auch die Qualität des Elastomerschilds, -rings oder -kopfs untersuchen lassen.

Die Weiteren Mängel

Eine vollständige Gebrauchsanleitung mit allen Warn- und Sicherheitshinweisen, die laut DIN-Norm (DIN EN 1400:2014-07) aufgeführt sein müssen, ist wichtig für die Sicherheit des Babys, deshalb haben wir auch hier genau hingesehen. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen belasten die Umwelt, deshalb wurden auch die Verpackungen darauf analysiert.

Die Bewertung

In einem "sehr guten" Schnuller haben krebsverdächtige PAK nichts zu suchen. Außerdem weist die Packung oder der Beipackzettel bei einem solchen Schnuller auf Gefahren durch unsachgemäßen Gebrauch und auf nicht geeignete Reinigungsmethoden hin.

ÖKO-TEST Juni 2017

ÖKO-TEST Juni 2017
Erschienen am
26. Mai 2017

Preis: 4.50 €

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