Kosmetik / Pflege / Mode
TEST vom 26. Mai 2017
Fußbalsam
Gut zu Fuß?
Fußbalsam
Unsere Füße machen viel mit und sollen dabei auch noch schön aussehen - besonders jetzt im Sommer. Cremes und Balsame dafür gibt es reichlich, doch was taugen sie? Wir geben Antworten.

Da sind die Experten sich einig: Menschen, die ihren Füßen etwas Gutes wollen, laufen am besten barfuß! Wer aber nicht gerade zur sehr überschaubaren Gruppe der Barfußschuhträger gehört, die sommers wie winters auf extra breiten und hauchdünnen Sohlen unterwegs ist, hat ein Problem. Und: 82 Prozent der Menschen in Deutschland tragen Schuhe, die ihnen nicht richtig passen. Brennende oder schmerzende Füße am Abend sind da noch die kleinsten Folgen - unter Umständen drohen Durchblutungsstörungen, Fehlstellungen oder Gelenkschäden.

Neben passenden Schuhen und der ein oder anderen Einheit Fußgymnastik gibt es noch eine Möglichkeit, sich selbst und seinen beiden natürlichen Transportmitteln zu Wohlbefinden zu verhelfen: Regelmäßige Fußmassagen sind nicht nur angenehm, sondern können die Durchblutung steigern, die Füße besser mit Nährstoffen versorgen, die Muskulatur entspannen und Schmerzen lindern. Wer einen Freiwilligen hat, ist leicht im Vorteil und kann sich von ihm oder ihr durchkneten lassen; wer keinen findet, braucht dennoch nicht leer ausgehen, denn auch eine Selbstmassage ist nach einem langen Tag eine wohltuende Angelegenheit.

Grundsätzlich gilt: Eine Massageliege ist ideal, aber kein Muss. Eine nicht zu weiche Matratze oder ein Sofa tun es auch. Wer allein ist, sucht sich einen bequemen Platz, legt einen Fuß auf das Knie des anderen Beines und hat so beide Hände frei. Stress ist kontraproduktiv, deshalb am besten eine halbe Stunde Zeit nehmen fürs Drücken, Streichen und Reiben. Bevor es losgeht, die Füße waschen und abtrocknen. Anschließend geht es in vier Schritten weiter.

Die Oberseite: Zum Einstieg zunächst die Oberseite des ersten Fußes mit den Fingern und sanftem Druck langsam von den Zehen in Richtung des Fußknöchels streicheln - in umgekehrter Richtung ist es genau so gut. Wer es etwas fester mag, kann auch die beiden Daumen dafür benutzen. Aber Achtung: Kräftiges Drücken ist tabu! Bearbeiten Sie die Füße mit sanftem Druck. Schmerzen sollten bei einer Wohlfühlmassage nicht entstehen. Anschließend ist der zweite Fuß an der Reihe.

Die Fußsohlen: Den Fuß mit beiden Händen halten und von unten mit beiden Daumen in einer fließenden Bewegung über die Mitte der Fußsohlen von der Ferse bis zu den Zehen streichen. Das Ganze funktioniert auch mit gleichmäßigen Kreisbewegungen, die sich langsam in Richtung Zehen vorarbeiten. Ferse und Fußballen vertragen etwas mehr Druck. Besonders angenehm sind kleine kreisende Bewegungen auf dem Ballen direkt unterhalb der Zehen. Den zweiten Fuß nicht vergessen!

Die Zehen: Jede einzelne Zehe zwischen Daumen und Zeigefinger für etwa 30 Sekunden sanft drücken und anschließend vorsichtig zwischen den beiden Fingern reiben. So vom großen bis zum kleinen Zeh vorarbeiten. Auch die Hautlappen zwischen den Zehen mögen sanften Druck mit den Fingern. Wer will, kann mit Daumen und Zeigefinger auch leicht an den Zehen ziehen.

Der Abschluss: Wie zu Beginn die Oberseite der Füße sanft in eine Richtung ausstreichen. Die Zehen noch einmal vorsichtig zupfen. Beendet wird die Massage mit Streichbewegungen an der Wade vom Knie bis zum Knöchel - oder umgekehrt. Zum Schluss die Füße mit einem Handtuch warm einpacken und hochlegen. Wichtig: Bei geschwollenen Füßen und Beinen, Krampfadern, Ekzemen oder offenen Wunden sollte man besser auf Massagen verzichten.

Eine besondere Form der Fußmassage ist die Fußreflexzonenmassage (FRM), die ihren Ursprung in Fernost hat. Dabei werden bestimmte Zonen am Fuß mit Druck bearbeitet, in der Annahme, korrespondierende Körperteile oder Organe zu stimulieren. Die Methode basiert auf der Idee, dass die Füße den Körper widerspiegeln - der linke Fuß die linke Körperhälfte, der rechte die rechte. Die Nervenenden der Organe befinden sich an bestimmten Stellen im Fuß, glauben die FRM-Anhänger. Einen direkten Nachweis der Nervenverbindungen gibt es aber nicht, ebenso ist die Wirksamkeit der Massagetechnik nicht belegt. Außerdem benötigt man eine Übersicht, eine Art Landkarte der Füße, wo die zu massierenden Stellen dieser Theorie nach liegen. Eine interaktive Grafik bietet etwa das Gesundheitsmagazin der AOK an (www.vigo.de; Suchwort: Fußreflexzonen).

Eine Massage sollte damit enden, die Füße mit einem guten Balsam einzucremen. Welche Produkte sich eignen, um zu einem richtig guten Abschluss zu kommen, hat uns interessiert. Deshalb haben wir 20 Produkte - konventionelle und zertifizierte Naturkosmetik - in Labore geschickt und sie dort gründlich auf Schadstoffe untersuchen lassen.

Das Testergebnis

... kann sich sehen lassen: 15 der getesteten Produkte erhalten "sehr gute" Noten. Schlusslicht im Test mit einer "ungenügenden" Note ist ausgerechnet die teuerste konventionelle Creme.

Problematisches Konservierungsmittel: Für den größten Notenabzug sorgt das umstrittene Konservierungsmittel Polyaminopropyl Biguanide (PHMB), auch Polyhexanid genannt, das in der L’Occitane Fußcreme in der Liste der Inhaltsstoffe auftaucht. PHMB steht im Verdacht krebserregend zu sein.

Vermeidbare Rückstände: In dem Scholl Feuchtigkeitsspendender Fuss Balsam Papaya wiesen die beauftragten Analytiker deutliche Mengen aromatischer Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) nach. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt, dass in Kosmetikprodukten bereits kleine Mengen MOAH krebserregendes Potenzial haben können. Technisch ließen sich die Mineralölrückstände laut BfR auf minimale Mengen reduzieren. MOAH können in mineralölhaltigen Substanzen wie Paraffinen stecken: In unserem Test bemängeln wir Paraffine/Erdölverbindungen/Silikone in einigen Produkten. Im Gegensatz zu natürlichen Ölen integrieren sie sich nicht so mühelos ins Hautgleichgewicht.

Langlebiger Duftstoff: Parfüm ist in allen getesteten Produkten enthalten. Zur Abwertung führt allerdings nur der Nachweis des künstlichen Moschusduftes Galaxolid (HHCB) in der L’Occitane Fußcreme. Diese sogenannte polyzyklische Moschusverbindung ist sehr schwer abbaubar und reichert sich im menschlichen Fettgewebe an. Polyzyklische Moschusverbindungen stehen im Verdacht, hormonell zu wirken, zudem gaben Tierversuche teilweise Hinweise auf Leberschäden.

Beeinflusst Hautschutz: Im selben Produkt hat das beauftragte Labor auch einen erhöhten Wert der Verbindung Diethylphthalat (DEP) festgestellt. Das synthetisch hergestellte DEP wird von der Haut aufgenommen und beeinflusst ihren Schutzmechanismus.

Fragwürdige Emulgatoren: Bei drei Anbietern hat ein Labor PEG/PEG-Derivate nachgewiesen - neben dem Hansaplast Footexpert Feuch­- tigkeitsspendender Fußbalsam und der Neutrogena Fußcreme mit Nordic Berry ist dabei auch wieder die französische Marke L’Occitane aufgefallen. PEG und deren Abkömmlinge dienen als Emulgatoren, die bewirken sollen, dass sich schwer miteinander mischbare Flüssigkeiten - etwa Wasser und Öle - verbinden. Sie können die Haut aber für Fremdstoffe durchlässiger machen. 17 Anbieter zeigen, dass ihre Fußpflegeprodukte auch ohne PEG/PEG-Derivate auskommen.

In 70 Jahren einmal rund um die Erde - was Füße alles aushalten müssen

Auf den Füßen lastet unser gesamtes Körpergewicht

Knapp ein Viertel aller menschlichen Knochen - jeweils 26 pro Fuß von insgesamt 206 (manchmal auch 215, je nach Zählweise) - befinden sich in den Füßen. Hinzu kommen 33 Gelenke, 19 Muskeln und je Quadratzentimeter etwa 500 Schweißdrüsen. Eine Konstruktion, die eine Menge aushalten kann und muss. Denn auf den unteren Extremitäten lastet nicht nur das komplette Körpergewicht, sie müssen dieses auch noch durch die Gegend tragen. Im Laufe von 70 Jahren kommen geschätzt 50 Millionen Schritte zusammen - im Maximalfall fast eine Erdumrundung.

Füße sind breiter und voluminöser geworden

Im Jahr 2010 wurden die Füße der Deutschen in einer großen Reihenuntersuchung mit knapp 5.000 Teilnehmern vermessen. Das Deutsche Schuhinstitut wollte damit herausfinden, ob in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur die Menschen größer und fülliger geworden sind, sondern ob auch deren Füße mitgewachsen sind. Herausgekommen ist dabei, dass sie zwar im Vergleich zur vorigen Untersuchung 1966 nicht länger, dafür aber voluminöser und vor allem breiter geworden sind. Die durchschnittliche Schuhgröße hat sich demnach kaum verändert. Häufigste Größen bei den Frauen sind 38 und 39, bei Männern ist es die 42.

Falsche Größe: Schuhe sind eher zu groß als zu klein

Laut Deutschem Fußreport haben 60 Prozent aller Erwachsenen in Industriestaaten ein Fußproblem, und dass obwohl die allermeisten von ihnen (98 Prozent) mit gesunden Füßen zur Welt kommen. Als Ursache kommt zumeist falsches Schuhwerk infrage. Wobei die meisten Menschen eher zu große als zu kleine Schuhe kaufen. 75 Prozent der deutschen Männer sind demnach in zu großen oder zu langen unterwegs, bei den Frauen sind es 60 Prozent. Zu kleine Schuhe tragen laut Report 20 Prozent der Frauen und zwölf Prozent der Männer.

Fußpflege - medizinisch oder kosmetisch?

Grundsätzlich werden in Deutschland zwei Arten der Fußpflege unterschieden - kosmetisch und medizinisch. Bei der ersten geht es um die ästhetische und hygienische Behandlung der (gesunden) Füße: Nagelpflege, Entfernung von Hornhaut, Fußbäder und Massagen. Podologen, also medizinische Fußpfleger, kümmern sich hingegen um die Prävention und Therapie von Erkrankungen rund um den Fuß, etwa die Behandlung des diabetischen Fußes. Der Beruf ist seit 2002 durch das Podologengesetz geschützt.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Wir haben insgesamt 20 Balsame und Cremes eingekauft, darunter Marken, die traditionell für Fußpflege stehen, und auch solche aus dem Naturwarenladen, der Drogerie und aus Discountern. Die Preisunterschiede sind groß. Das günstigste Produkt haben unsere Einkäufer für 53 Cent je 50 Milliliter erstanden, das teuerste für knapp 12 Euro.

Die Inhaltsstoffe

Die von uns beauftragten Labore haben geprüft, ob die Cremes und Balsame Stoffe enthalten, die den ohnehin stark beanspruchten Körperteilen besser nicht zugemutet werden sollten. Da auf allen Produkten Parfüm deklariert ist, ließen wir sie auf problematische Duftstoffe untersuchen, die Allergikern Probleme bereiten können, sowie künstlichen Moschusduft, der sich im menschlichen Fettgewebe anreichert. Außerdem wurden sie je nach Zusammensetzung zum Beispiel auf krebsverdächtige Formaldehyd/-abspalter, weitere problematische Konservierungsmittel und aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH), die ebenfalls im Verdacht stehen, Krebs zu erregen, untersucht.

Die Weiteren Mängel

Wenn ein Umkarton einen Glasbehälter vor Bruch schützt, ist er gut und richtig. Wo das nicht der Fall ist, etwa bei Kunststofftuben oder -tiegeln, belastet der Karton nur unnötig die Umwelt - wir werten deshalb um eine Note ab. Außerdem haben wir die Verpackungen auf PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen untersuchen lassen, die ebenfalls die Umwelt belasten.

Die Bewertung

MOAH gehören nicht in ein Kosmetikprodukt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt, dass bereits kleinste Mengen krebserregendes Potenzial haben können. Daher werten wir ab. Weitere Notenabzüge für problematische Inhaltsstoffe sorgen bei einigen Produkten für allenfalls mäßige Gesamturteile.

ÖKO-TEST Juni 2017

ÖKO-TEST Juni 2017
Erschienen am
26. Mai 2017

Preis: 4.50 €

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