Bauen / Wohnen
TEST vom 26. Mai 2017
Arbeitshandschuhe, Markenprodukte
Hände im Gelände
Arbeitshandschuhe, Markenprodukte
Arbeitshandschuhe schützen zwar, sie sind häufig aber auch sehr schadstoffbelastet. Höherpreisige Modelle für alltägliche Arbeiten sind da keine Ausnahme. Im Test sind zwölf von insgesamt 17 Produkten "ungenügend" und zwei davon aus unserer Sicht gar nicht verkehrsfähig.

Wer alle Hände voll zu tun hat, setzt selbige häufig einem erhöhten Verletzungsrisiko aus. Schnell rutscht beim Werkeln die Säge ab oder ist ein rostiger Nagel im Weg. Autsch!

Arbeitshandschuhe können Schmerzen zwar nicht immer vermeiden, aber Schlimmeres oft verhindern. Die Suche nach einem schützenden und vielfältig einsetzbaren Modell ist allerdings nicht ganz einfach: auch weil es einen Universalhandschuh mit gleicher Eignung für alle Arbeiten schlichtweg nicht gibt.

Der Handel hält jedoch viele Produkte bereit, die für unterschiedliche mechanische Arbeiten zumindest grundlegend infrage kommen. Teilweise als "Worker" oder "Mechanics" betitelt, zeichnen sie sich durch belastbare, aber relativ flexible Gewebe aus. Eng anliegend sollen sie für motorisch anspruchsvollere Aufgaben taugen.

Vor allem die höherpreisigen Vertreter dieser Gattung verfügen über zusätzliche Dämpfungen und Geleinlagen gegen Quetschungen oder maschinell bedingte Vibrationsstöße, zum Beispiel von Bohrern. Anbieter anderer Modelle versprechen dank Noppen oder abriebfestem Granulat in den Handinnenflächen eine besondere Griffsicherheit. Über die tatsächlichen Stärken und Schwächen eines Arbeitshandschuhs sagen aber der Preis und eine oberflächliche Betrachtung der Ausstattung kaum etwas aus.

Aufschlussreicher sind hier meist Verpackungen und Etiketten. Viele Hersteller ordnen ihre Produkte einer Beanspruchungskategorie zu und geben in Kennziffern an, wie widerstandsfähig sie gegen Abrieb, Schnitte, Durchstiche und Weiterreißen sind. Laut dem Bundesverband Handschutz (BVH) lassen sich daraus zwar keine konkreten Empfehlungen für bestimmte Tätigkeiten ableiten. Es liegt aber auf der Hand, dass etwa Produkte mit einer höheren Schnittfestigkeit bei Arbeiten mit scharfen Kanten einen besseren Schutz bieten. Darüber hinaus ist ein Blick auf die verarbeiteten Materialien sinnvoll. Luftundurchlässiges Latex und Baumwolle sind bei "Worker"-Handschuhen eher selten. Stattdessen kommen häufig robustere synthetische Gewebe zum Einsatz wie Polyester, Polyamid, Nylon oder die dehnbare Chemiefaser Elastan.

In vielen Fällen sind die Handschuhe mit Polyurethanen beschichtet. Diese Kunstharze sollen zusätzliche Flexibilität verleihen und gleichzeitig für eine gute Atmungsaktivität sorgen. Hersteller empfehlen entsprechend beschichtete Handschuhe häufig für feinmotorische Arbeiten. Chloropren-Kautschuk, besser bekannt als Neopren, soll Materialkomponenten zusätzlich verstärken und steht im Ruf, besonders für den Umgang mit Flüssigkeiten geeignet zu sein. Anders als Leder: Es ist zwar in der Regel relativ rissfest und beständig gegen Hitze, bei Feuchtigkeit saugt es sich aber voll, wird weich und die Grifffestigkeit der Handschuhe nimmt ab. Außerdem besteht gerade in feuchten Milieus die Gefahr, dass unsachgemäß behandeltes Leder krebserregende Chromate (Chrom-VI) herausbildet.

Lederhandschuhe aber allein unter Schadstoffverdacht zu stellen, wäre unfair: In vorangegangenen Tests waren auch Produkte aus anderen Materialien durch und durch mit problematischen Substanzen belastet. Vor allem die sehr günstigen Modelle für weniger als fünf Euro hatten vielfach allerlei Schädliches in sich: krebserregende und krebsverdächtige polyzyklische Kohlenwasserstoffe, bedenkliche Weichmacher und/oder giftige Schwermetalle, um einiges zu nennen.

ÖKO-TEST hat sich gefragt, ob ein paar Euro mehr gut angelegtes Geld sind und höherpreisige Arbeitshandschuhe weniger Schadstoffe enthalten. Deshalb haben wir insgesamt 17 Produkte für allerlei handwerkliche Tätigkeiten ins Labor geschickt.

Das Testergebnis

Nicht besser. Auch Arbeitshandschuhe im gehobenen Preissegment sind häufig Schadstoffschleudern. Von 17 Produkten im Test rasseln zwölf mit "ungenügend" durch. Zwei davon sind unserer Meinung nach sogar nicht verkehrsfähig. Immerhin können wir je einmal die Noten "gut" und "befriedigend" vergeben. Drei weitere Handschuhe sind "ausreichend".

Gefährliche Farbbausteine. In drei Produkten kritisieren wir den allergisierenden Farbstoff Dispers-Rot 1 und in einem weiteren Gelb 3, das zudem krebsverdächtig ist. Den Vogel schießt aber der Pulsar Gut-Produkte Vibration Arbeitshandschuh, schwarz ab: Als sei krebsverdächtiges Anilin nicht genug, enthält er die krebserregenden aromatischen Amine Benzidin und p-Aminoazobenzol in Mengen, die jeweils über dem EU-Grenzwert für entsprechende Azo-Farbstoffe in Textil- und Ledererzeugnissen mit Hautkontakt liegen. Ein solches Produkt dürfte gar nicht in Verkehr gebracht werden, wie verschiedene Landesuntersuchungsämter bestätigten.

Auch nicht verkehrsfähig. Gleiches gilt für die Kixx Work Rough Handschuhe, schwarz-weiß: hier allerdings wegen einer Überschreitung des zulässigen europäischen Grenzwerts für Chrom-VI (Chromat) - ein Kontaktallergen, das auch krebserregend ist. Chromat kann in Lederprodukten entstehen, wenn beim Gerbungsprozess eingesetzte Chromsalze nach dem Waschen im Gewebe verbleiben. Vor allem in Kontakt mit Nässe und Feuchtigkeit ist es möglich, dass sich Chrom-VI bildet.

Weichmacher in Fülle. Ist Fingerspitzengefühl gefragt, sollen Arbeitshandschuhe geschmeidig anliegen. Schlecht ist es, wenn Hersteller bestimmte Materialkomponenten mit bedenklichen Weichmachern versehen. In vier Produkten hat das von uns beauftragte Labor erhöhte beziehungsweise stark erhöhte Gehalte an DEHP festgestellt. Der hormonell wirksame und fortpflanzungsgefährdende Phthalat ist in der EU in Spielzeug und Babyartikeln streng reglementiert. In einem weiteren Produkt steckt DPHP - ein Phthalat, das sich in Tierversuchen als schädigend für die Schild- und Hirnanhangsdrüse erwiesen hat. Und zehn Handschuhe enthalten über unserer Abwertungsgrenze Ersatzweichmacher, die bislang noch nicht hinreichend erforscht sind.

Zu viel PAK. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) finden sich in allen Handschuhen - zumindest in Spuren. In sieben Produkten stecken unserer Ansicht nach aber zu hohe Gehalte solcher Verbindungen dieser Stoffgruppe, die gemäß der europäischen Chemikalienverordnung als krebserregend oder als krebsverdächtig eingestuft sind.

Völlig überflüssig. Niederwertigeres Chrom ist weitaus weniger giftig als Chromat, aber umweltschädlich. Trotzdem steckt es mit einer Ausnahme in jedem getesteten Handschuh; bei Produkten ohne Lederanteil zumeist als Farbbestandteil in Klettverschlüssen. Umweltschädigend und dennoch in fast jedem Produkt enthalten sind auch optische Aufheller, die lediglich dazu dienen, Label und Etiketten strahlend weiß erscheinen zu lassen.

Lobenswert. Dass Arbeitshandschuhe nicht zwangsläufig Schadstoffschleudern sein müssen, beweist vor allem der Ox-On Xtreme 3. Außer optischen Aufhellern haben wir nichts zu bemängeln.

So reagierten die Hersteller

Görte und Tiedemann legte ein Gegengutachten vor, nach dem der Pulsar Gut-Produkte Vibration Arbeitshandschuh, schwarz unter anderem keine krebsverdächtigen oder krebserregenden aromatischen Amine enthält. Allerdings fehlen im Gutachten Angaben zur getesteten Charge. Das von uns beauftragte Labor bestätigte unsere Werte.

Bahag will das Kunststofflabel an den Wisent Worker Arbeitshandschuhen, in dem das von uns uns kritisierte Chrom und der Ersatzweichmacher DEHT stecken, durch ein Stofflabel ersetzen. Es soll die Stoffe nicht mehr enthalten. Wir werden das überprüfen.

Experte

Handschuhe trocknen und lüften

"Bei geschädigter Hautbarriere und im feuchten Handschuhmilieu können schlechte Bakterien (Staphylokokkus aureus) gedeihen. Das führt zwar selten zu Infektionen. Trotzdem sollten Handschuhe während der Arbeit immer mal ausgezogen werden, um Luft an die Hände zu lassen. Danach sollten sie gut trocknen."

Prof. Dr. med. Julia Welzel, Chefärztin Klinik für Dermatologie und Allergologie, Hauttumorzentrum Klinikum Augsburg.

Geeignete Arbeitshandschuhe finden

Beanspruchungskategorien

Die Angabe CE zeigt an, dass ein Arbeitshandschuh den in der EU geltenden Anforderungen an Persönliche Schutzausrüstungen (PSA) grundlegend genügt. Damit einher geht die Einordnung des Produkts in eine von drei möglichen Beanspruchungskategorien: Kat. 1 = Eignung für minimale Risiken; Kat. 2 = Eignung für mittlere Risiken; Kat. 3 = Eignung für größere beziehungsweise tödliche Risiken.

Kennzahlen zur Festigkeit

Die meisten Testprodukte enthalten zudem die Angaben EN 420 und EN 388. Das heißt: Sie sind gemäß DIN-Norm auf mechanische Risiken geprüft. Die vier Kennziffern unter dem Hammersymbol stehen der Reihe nach für die Abriebfestigkeit, die Schnittfestigkeit, die Weiterreißfestigkeit und die Durchstichfestigkeit. Je höher die jeweilige Ziffer ist, desto besser schützt der Handschuh in dem jeweiligen Bereich. Bezüglich der Schnittfestigkeit reicht die Skala von 0 bis 5, in den drei anderen Leistungsklassen von 0 bis 4. Genormte Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken müssen mindestens in einem Bereich die Leistungsstufe 1 erreichen.

Künftig weitere Parameter

Kürzlich ist eine Neufassung der DIN EN 388 erschienen, die zwei weitere Prüfverfahren enthält: eine zusätzliche Schnittschutzprüfung für Handschuhe aus robusten Mineral- oder Stahlfasern und eine optionale Stoßschutzprüfung. Die zusätzliche Schnittfestigkeit wird künftig durch Buchstaben von "A" (niedrigste) bis "F" (höchste) hinter den vier Kennziffern ausgedrückt. Ein "P" zeigt eine bestandene Stoßschutzprüfung an. Es dauert aber vermutlich noch etwas, bis die Hersteller nach der neuen Norm produzieren und entsprechende Produkte den Handel erreichen.

Die geeignete Größe

Für die Schutzleistung und die Motorik ist es elementar, dass Handschuhe richtig sitzen. Die von den Herstellern angegebenen Größen beziehen sich meist auf den Umfang der rechten Hand an ihrer gewöhnlich breitesten Stelle: oberhalb der Beuge zwischen dem Daumen und dem Zeigefinger (siehe Grafik oben). Angegeben werden die Größen häufig in Zoll (1" = 2,54 cm). Bei einem Handumfang von 25 Zentimetern sollte also ein Handschuh der Größe 10 sitzen. Außerdem ist darauf zu achten, dass die Handschuhe nicht zu kurz sind - erkennbar daran, dass das Bündchen erst oberhalb des Handgelenks beginnt und nicht bereits am Handballen.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Im ÖKO-TEST Arbeitshandschuhe 2012 waren alle sehr günstigen Produkte stark schadstoffbelastet. Wir wollten wissen, inwieweit höherpreisige Modelle verträglichere Alternativen darstellen. In Baumärkten und Online-Shops haben wir 17 Produkte ab rund neun Euro aufwärts erstanden. Wichtig war uns, dass sich die Arbeitshandschuhe für verschiedene handwerkliche Tätigkeiten eignen - also nicht zu steif sind, einen festen Griff ermöglichen und die Hände bei häufigen Arbeiten wie Montagen oder dem Heben von Gegenständen schützen.

Die Inhaltsstoffe

Analog zum vorangegangenen Test nahmen die von uns beauftragten Labore eine Vielzahl an Schadstoffen ins Visier: unter anderem krebserregende und krebsverdächtige Substanzen wie aromatische Amine, bestimmte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Chrom-VI (Chromat). Letztgenanntes ist zudem ein starkes Kontaktallergen, das sich speziell in Lederprodukten durch Rückstände der Chromgerbung bilden kann. Ebenso interessierte uns, ob die Handschuhe allergieauslösende Dispersionsfarben enthalten und/oder hormonell wirksame beziehungsweise verdächtigte Stoffe wie bedenkliche Phthalate und zinnorganische Verbindungen.

Die Bewertung

Arbeitshandschuhe sollen schützen und nicht schädigen. Produkte, die gesetzliche Grenzwerte für gefährliche Stoffe in Textil- und Ledererzeugnissen mit Hautkontakt überschreiten, sind von vornherein "ungenügend". Starke Punktabzüge gibt es zudem, wenn große Mengen anderer krebserregender und krebsverdächtiger Substanzen wie Anilin und entsprechende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe enthalten sind. Gleiches gilt für gesetzlich reglementierte Weichmacher.

ÖKO-TEST Juni 2017

ÖKO-TEST Juni 2017
Erschienen am
26. Mai 2017

Preis: 4.50 €

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