Gesundheit / Medikamente
Leserfrage vom 26. Mai 2017
Entwicklung von Krebszellen oft nicht vorherzusagen
Gibt es Krankheiten, die nie ausbrechen?

(kai) Ja, Fachleute nennen die Entdeckung einer Krankheit, die auch ohne Behandlung nie zu Beschwerden oder sogar zum Tod geführt hätte, "Überdiagnose". Es handelt sich um eine medizinisch korrekte Diagnose, nicht um eine Fehldiagnose oder falschen Verdachtsbefund, schreibt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Sie können psychisch belastende und überflüssige Behandlungen nach sich ziehen. Überdiagnosen werden meist rückblickend in Studien erkannt, die Patienten über viele Jahre beobachten. Im Einzelfall ist es für Ärzte meist unmöglich, zu beurteilen, ob ein Befund eine Überdiagnose ist. Sie stellen sie häufig nach Früherkennungsuntersuchungen, durch die es per se zu deutlich mehr Diagnosen kommt als ohne. Mit der Mammografie für Brustkrebs oder dem PSA-Test für Prostatakrebs wird etwa nach Krankheiten gesucht, die man noch nicht fühlt, die aber irgendwann, statistisch gesehen, ausbrechen könnten. Weitere Beispiele sind laut IQWiG Untersuchungen an Bandscheiben und Gefäßen, bei denen Ärzte Veränderungen feststellen. Gerade bei etwa sehr früh erkannten Krebszellen ist es aber oft unmöglich, verlässlich vorherzusagen, wie sie sich entwickeln. Nicht jeder Tumor wächst lebensgefährlich; mancher nur sehr langsam, gar nicht oder verschwindet sogar von selbst. Menschen können so aus anderen Gründen sterben, bevor der Krebs durch Beschwerden auffallen könnte.

ÖKO-TEST Juni 2017

ÖKO-TEST Juni 2017
Erschienen am
26. Mai 2017

Preis: 4.50 €

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