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ÖKO-TEST Juni 2017
vom

Arbeitshandschuhe, Markenprodukte

Hände im Gelände

Arbeitshandschuhe schützen zwar, sie sind häufig aber auch sehr schadstoffbelastet. Höherpreisige Modelle für alltägliche Arbeiten sind da keine Ausnahme. Im Test sind zwölf von insgesamt 17 Produkten "ungenügend" und zwei davon aus unserer Sicht gar nicht verkehrsfähig.

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26.05.2017 | Wer alle Hände voll zu tun hat, setzt selbige häufig einem erhöhten Verletzungsrisiko aus. Schnell rutscht beim Werkeln die Säge ab oder ist ein rostiger Nagel im Weg. Autsch!

Arbeitshandschuhe können Schmerzen zwar nicht immer vermeiden, aber Schlimmeres oft verhindern. Die Suche nach einem schützenden und vielfältig einsetzbaren Modell ist allerdings nicht ganz einfach: auch weil es einen Universalhandschuh mit gleicher Eignung für alle Arbeiten schlichtweg nicht gibt.

Der Handel hält jedoch viele Produkte bereit, die für unterschiedliche mechanische Arbeiten zumindest grundlegend infrage kommen. Teilweise als "Worker" oder "Mechanics" betitelt, zeichnen sie sich durch belastbare, aber relativ flexible Gewebe aus. Eng anliegend sollen sie für motorisch anspruchsvollere Aufgaben taugen.

Vor allem die höherpreisigen Vertreter dieser Gattung verfügen über zusätzliche Dämpfungen und Geleinlagen gegen Quetschungen oder maschinell bedingte Vibrationsstöße, zum Beispiel von Bohrern. Anbieter anderer Modelle versprechen dank Noppen oder abriebfestem Granulat in den Handinnenflächen eine besondere Griffsicherheit. Über die tatsächlichen Stärken und Schwächen eines Arbeitshandschuhs sagen aber der Preis und eine oberflächliche Betrachtung der Ausstattung kaum etwas aus.

Aufschlussreicher sind hier meist Verpackungen und Etiketten. Viele Hersteller ordnen ihre Produkte einer Beanspruchungskategorie zu und geben in Kennziffern an, wie widerstandsfähig sie gegen Abrieb, Schnitte, Durchstiche und Weiterreißen sind. Laut dem Bundesverband Handschutz (BVH) lassen sich daraus zwar keine konkreten Empfehlungen für bestimmte Tätigkeiten ableiten. Es liegt aber auf der Hand, dass etwa Produkte mit einer höheren Schnittfestigkeit bei Arbeiten mit scharfen Kanten einen besseren Schutz bieten. Darüber hinaus ist ein Blick auf die verarbeiteten Materialien sinnvoll. Luftundurchlässiges Latex und Baumwolle sind bei "Worker"-Handschuhen eher selten. Stattdessen kommen häufig robustere synthetische Gewebe zum Einsatz wie Polyester, Polyamid, Nylon oder die dehnbare Chemiefaser Elastan.

In vielen Fällen sind die Handschuhe mit Polyurethanen beschichtet. Diese Kunstharze sollen zusätzliche Flexibilität verleihen und gleichzeitig für eine gute Atmungsaktivität sorgen. Hersteller empfehlen entsprechend beschichtete Handschuhe häufig für feinmotorische Arbeiten. Chloropren-Kautschuk, besser bekannt als Neopren, soll Materialkomponenten zusätzlich verstärken und steht im Ruf, besonders für den Umgang mit Flüssigkeiten geeignet zu sein. Anders als Leder: Es ist zwar in der Regel relativ rissfest und beständig gegen Hitze, bei Feuchtigkeit saugt es sich aber voll, wird weich und die Grifffestigkeit der Handschuhe nimmt ab. Außerdem besteht gerade in feuchten Milieus die Gefahr, dass unsachgemäß behandeltes Leder krebserregende Chromate (Chrom-VI) herausbildet.

Lederhandschuhe aber allein unter Schadstoffverdacht zu stellen, wäre unfair: In vorangegangenen Tests waren auch Produkte aus anderen Materialien durch und durch mit problematischen Substanzen belastet. Vor allem die sehr günstigen Modelle für weniger als fünf Euro hatten vielfach allerlei Schädliches in sich: krebserregende und krebsverdächtige polyzyklische Kohlenwasserstoffe, bedenkliche Weichmacher und/oder giftige Schwermetalle, um einiges zu nennen.

ÖKO-TEST hat sich gefragt, ob ein paar Euro mehr gut angelegtes Geld sind und höherpreisige Arbeitshandschuhe weniger Schadstoffe enthalten. Deshalb haben wir insgesamt 17 Produkte für allerlei handwerkliche Tätigkeiten ins Labor geschickt.

Das Testergebnis

Nicht besser. Auch Arbeitshandschuhe im gehobenen Preissegment sind häufig Schadstoffschleudern. Von 17 Produkten im Test rasseln zwölf mit "ungenügend" durch. Zwei davon sind unserer Meinung nach sogar nicht verkehrsfähig. Immerhin können wir je einmal die Noten "gut" und "befriedigend" vergeben. Drei weitere Handschuhe sind "ausreichend".

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Im ÖKO-TEST Arbeitshandschuhe 2012 waren alle sehr günstigen Produkte stark schadstoffbelastet. Wir wollten wissen, inwieweit höherpreisige Modelle verträglichere Alternativen darstellen. In Baumärkten und Online-Shops haben wir 17 Produkte ab rund neun Euro aufwärts erstanden. Wichtig war uns, dass sich die Arbeitshandschuhe für verschiedene handwerkliche Tätigkeiten eignen - also nicht zu steif sind, einen festen Griff ermöglichen und die Hände bei häufigen Arbeiten wie Montagen oder dem Heben von Gegenständen schützen.

Die Inhaltsstoffe
Analog zum vorangegangenen Test nahmen die von uns beauftragten Labore eine Vielzahl an Schadstoffen ins Visier: unter anderem krebserregende und krebsverdächtige Substanzen wie aromatische Amine, bestimmte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Chrom-VI (Chromat). Letztgenanntes ist zudem ein starkes Kontaktallergen, das sich speziell in Lederprodukten durch Rückstände der Chromgerbung bilden kann. Ebenso interessierte uns, ob die Handschuhe allergieauslösende Dispersionsfarben enthalten und/oder hormonell wirksame beziehungsweise verdächtigte Stoffe wie bedenkliche Phthalate und zinnorganische Verbindungen.

Die Bewertung
Arbeitshandschuhe sollen schützen und nicht schädigen. Produkte, die gesetzliche Grenzwerte für gefährliche Stoffe in Textil- und Ledererzeugnissen mit Hautkontakt überschreiten, sind von vornherein "ungenügend". Starke Punktabzüge gibt es zudem, wenn große Mengen anderer krebserregender und krebsverdächtiger Substanzen wie Anilin und entsprechende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe enthalten sind. Gleiches gilt für gesetzlich reglementierte Weichmacher.

So haben wir getestet

Das geht auf keine Kuhhaut: Verbleiben Chromsalze als Produktionsrückstände im Gewebe, können sie Chromat bilden.