Startseite

ÖKO-TEST Februar 2018
vom

Heissklebepistolen

Manche mögen's heiß

Schnell mal was festkleben: Heißklebepistolen, mit denen das besonders flott und einfach funktionieren soll, haben mittlerweile viele Anhänger. Im Test klebten sie ordentlich, doch ganz überzeugen konnte keine.

11189 | 13

25.01.2018 | Richtig kleben ist eine Kunst. Vom entnervten Scheitern kann so mancher ein Lied singen. Die Wahl des passenden Klebstoffs aus dem riesigen Angebot für die verschiedenen Einsatzzwecke erfordert fast ein Studium. Und die richtige Anwendung ist auch noch so eine Sache. Wie einfach soll dagegen das Kleben mit einer Heißklebepistole sein: Klebestick einschieben, Gerät kurz aufheizen, Knopf betätigen und schon tropft der heiße Klebstoff auf die gewünschte Oberfläche, trocknet in Windeseile und - Simsalabim - es hält. Ohne langes Festhalten oder Klammern. Ein schnelles Erfolgserlebnis scheint garantiert.

Die Heißklebepistole ist ein Allroundgerät. Das findet auch Michael Pommer, als Trainer der Do-it-yourself Academy in Köln ein Experte in Sachen Heimwerken: "Das ist ein Universalkleber, mit dem ich viel anfangen und auch gut basteln kann." Auch für kleine Reparaturarbeiten sind die Heißkleber zu gebrauchen. So lassen sich zum Beispiel Holz- und Holzwerkstoffteile wie Schubladen und kleine Möbel damit kleben. Ist die Belastung im Anschluss nicht zu stark, halten sie auch. Ein Vorteil der Schmelzkleber: Die fixierten Teile lassen sich durch Erwärmen meist wieder lösen. Unter freiem Himmel mit ordentlich Sonneneinstrahlung gerät das allerdings zum Nachteil.

In Internetforen kursieren zahlreiche Tipps zu Spezialeinsätzen der vermeintlichen Wunderwaffe. Kurioses inklusive. Statt mit Nadel und Faden zu hantieren, kleben bequeme Zeitgenossen abgerissene Knöpfe wieder an, säumen die zu kürzende Hose, verlegen Leitungen an Wänden, isolieren blanke Kabel oder schaffen mit wenigen Klebepunkten rutschfeste Unterlagen - für was auch immer. Auch schön: Schnörkelige Handyhüllen auf Heißkleberbasis. Oder selbst gemachte Badelatschen aus dem Klebermaterial. Da wird die Heißklebepistole schon mal zum 3-D-Drucker. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Den Materialien schon: Nicht jeder hitzeempfindliche Werkstoff überlebt den Angriff mit der Pistole.

Die Klebesticks bestehen in der Regel aus dem Kunststoff Ethylen-Vinylacetat (EVA). Er ist im Gegensatz zu vielen anderen Klebstoffen lösemittelfrei und gilt als unproblematisch. Die Pistolen sind meist für sieben oder elf Millimeter dicke Klebesticks ausgelegt, teilweise gibt es sie in verschiedenen Längen und Farben. Außerdem sind Spezialpatronen zu haben, zum Beispiel für Kunststoffe oder Sanitärprodukte. Doch Obacht: Ganz so flexibel ist die Sache nicht, denn die einmal eingesteckten Klebesticks lassen sich nicht auswechseln. Ein Stick muss also restlos durchgedrückt werden, bevor der neue zu schmelzen beginnt.

ÖKO-TEST wollte wissen, ob die Heißklebepistolen halten, was sie versprechen und ob aus den Klebstoffen bei hohen Temperaturen Substanzen ausgasen. Wir schickten acht Pistolen mit den zugehörigen Klebesticks in die Labore.

Das Testergebnis

Ordentlich, aber nicht überragend. Voll überzeugen können die acht Heißklebepistolen nicht, aber drei Geräte erreichen am Ende ein "gutes" Gesamturteil, fünf sind "befriedigend".

ÖKO-TEST Februar 2018

Gedruckt lesen?

ÖKO-TEST Februar 2018 für 4.50 € kaufen (zzgl. Versand)

Zum Shop

ÖKO-TEST Februar 2018

Online lesen?

ÖKO-TEST Februar 2018 für 3.99 € kaufen

Zum ePaper

Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
In Baumärkten kauften wir acht möglichst vielseitig einsetzbare Heißklebepistolen mit Kabelanschluss ein, die auch für kleinere Reparaturen im Haushalt geeignet sein sollten. Wir entschieden uns deshalb für dickere Klebesticks mit etwa elf Millimeter Durchmesser. Unter den Testprodukten sind klassische Klebermarken wie Pattex und Uhu, Elektromarken wie Bosch und Steinel sowie Eigenmarken der Baumärkte. Die Preise liegen zwischen rund 5 und 25 Euro. Für den Test besorgten wir außerdem die Klebepatronen des jeweiligen Anbieters.

Die Praxisprüfung
Das von uns beauftragte Testinstitut unterzog die Heißklebepistolen und die zugehörigen Klebesticks einem umfassenden Praxistest. In allen Schritten beurteilten die Experten die Handhabung und achteten auf Auffälligkeiten und Mängel.

Die Inhaltsstoffe des Klebers
Wir wollten wissen, ob die als lösemittelfrei beschriebenen Klebesticks bei den hohen Temperaturen dennoch flüchtige organische Verbindungen ausgasen. Außerdem ließen wir sie auf bedenkliche Weichmacher untersuchen.

Die Weiteren Mängel
Auf dem Prüfstand standen auch bedenkliche Schwermetalle und chlorierte Verbindungen im Gerät und in der Verpackung. Denn häufig enthalten Kabel oder Kunststoffverpackungen umweltbelastendes PVC.

Die Bewertung
Die Heißklebepistolen sollen in erster Linie gut kleben. Deshalb steht die Bewertung der Praxisprüfung im Vordergrund. Wenn die Klebstoffe jedoch zu stark ausgasen oder Gerät und Verpackung umweltbelastende Stoffe enthalten, verschlechtert dies das Gesamturteil.

So haben wir getestet

Das Bestreichen eines Fotokartons mit Klebstoff zeigte die Grenzen für großflächige Verklebungen auf.

So haben wir getestet

Die Prüfer fügten Latten zu einem Rahmen zusammen und dekorierten ihn mit Glassteinen, Federn, Kastanien und Holzperlen.

So haben wir getestet

Exakt gemessen wurde die Klebekraft (Foto oben), aber auch die Temperaturen an Gehäuse und Spitze sowie die Förderleistung.