Startseite

ÖKO-TEST Juni 2017
vom

Erdbeer-Konfitüre und -Fruchtaufstrich

Süß, süßer, Konfitüre

Rot und schön fruchtig nach Erdbeeren - so mögen die Deutschen ihre Lieblingskonfitüre. Tatsächlich sind die meisten Produkte aber eher als Süßigkeit einzustufen, wie unser Test zeigt. Lediglich vier Bio-Fruchtaufstriche schneiden mit "sehr gut" ab.

5946 | 131
Zu diesem Thema ist ein neuer Artikel vorhanden.

26.05.2017 | Rund zwei Kilogramm Marmelade essen die Deutschen im Durchschnitt pro Jahr. Erdbeere ist dabei die mit Abstand beliebteste Sorte. Eigentlich darf der Aufstrich aus Erdbeeren gar nicht Marmelade heißen. Nur Erzeugnisse aus Zitrusfrüchten dürfen sich so nennen, schreibt das Gesetz vor.

Im Alltag sieht man das weniger streng. Fakt ist, dass die Supermärkte ein breites Angebot an Erdbeermarmeladen bereithalten. Dabei sind die Preisunterschiede enorm. Während die günstigsten Konfitüren bereits für 20 Cent pro 100 g zu haben sind, kosten Markenprodukte etwa von Zentis oder Schwartau gut dreimal so viel. Für einen hochwertigen Bio-Fruchtaufstrich kann man locker aber auch 1,50 Euro pro 100 g und mehr ausgeben.

Aus der Vielfalt des Angebots kristallisieren sich zwei Produkttypen heraus: Konfitüren extra und Fruchtaufstriche. Die Konfitüren unterliegen der Konfitürenverordnung und müssen quasi per Gesetz über bestimmte Mindestgehalte an Frucht und Zucker verfügen. Für den Typ Fruchtaufstrich fehlen solche gesetzliche Vorgaben. Sie gelten im Allgemeinen als die fruchtigere und zuckerärmere Alternative zur Konfitüre.

Die Herstellung beider Produktgruppen unterscheidet sich dagegen nicht. Wie man es von der häuslichen Marmeladenzubereitung kennt, dreht sich auch im industriellen Maßstab zunächst alles um den Kochprozess. Dabei kommen die Früchte allerdings nicht frisch vom Feld, sondern werden in der Regel tiefgefroren per Lkw angeliefert, teilen Hersteller mit. Woher die Erdbeeren stammen, bleibt ein Geheimnis. Auf dem Konfitürenglas finden sich jedenfalls meist keine Angaben.

Die Verarbeitung im Werk beginnt mit dem Zerkleinern und teilweisen Pürieren der gefrorenen, ganzen Früchte, beschreibt ein Branchenkenner die Herstellung. Danach gelangen die Fruchtstücke in große Kochkessel, die durchschnittlich 500 Kilogramm fassen. Die größten Anlagen können bis zu einer Tonne aufnehmen, so der Experte. Rohrleitungen dosieren Zucker und je nach Rezeptur flüssigen Sirup dazu. Zu genau definierten Zeitpunkten folgen das Geliermittel Pektin und Zitronensäure. Nach dem Kochen und dem Einstellen des gewünschten Zuckergehalts muss die heiße Konfitüre nur noch abgefüllt werden. Laufen 450-g-Gläser über das Band, ergeben 500 Kilogramm Marmeladenansatz am Ende gut 1.100 fertig produzierte Erzeugnisse.

Experten zufolge arbeiten Konfitürenhersteller heute mit sogenannten Vakuumkochanlagen. Sie haben den Vorteil kurzer Kochzeiten bei zugleich niedrigen Temperaturen von 65 bis 80 Grad Celsius. Das schone die Früchte und nicht zuletzt den Geldbeutel der Produzenten, so ein Experte. Denn unter Vakuumbedingungen verdampfe weniger Wasser als im offenen Kessel. Realistisch seien fünf bis maximal zehn Prozent. Auch die Zutaten wurden im Laufe der Zeit weiter entwickelt und verfeinert. So stellen spezialisierte Betriebe heute aus Apfel- oder Zitrusschalen Pektine her, die je nach Verarbeitungsgrad unterschiedlich stark gelieren. Nicht zuletzt hat sich in den Konfitürenwerken billiger Glucosesirup als Süßungsmittel durchgesetzt. Das drückt nicht nur die Kosten, sondern dient auch als Hilfsmittel für eine besonders streichfähige Konsistenz.

Wir wollten wissen, wie es um die Qualität von Erdbeerkonfitüren und Erdbeerfruchtaufstrichen steht und haben 19 Produkte in die Labore geschickt. Angesichts der teils extrem niedrigen Preise hat uns außerdem interessiert, aus welchen Ländern die Erdbeeren nach Deutschland reisen und ob die dortigen Erntearbeiter zumindest die geltenden Mindestlöhne erhalten.

Das Testergebnis

Überwiegend frühstückstauglich. Egal ob Fruchtaufstrich oder Konfitüre extra - viele Produkte können Sie sich zum Frühstück schmecken lassen. Rundum empfehlen können wir allerdings nur vier Bio-Fruchtaufstriche. Sie glänzen mit hohen Frucht- und niedrigen Zuckergehalten. Das Schlusslicht bildet mit einem "ausreichend" eine Discountermarke.

ÖKO-TEST Juni 2017

Gedruckt lesen?

ÖKO-TEST Juni 2017 für 4.50 € kaufen (zzgl. Versand)

Zum Shop

ÖKO-TEST Juni 2017

Online lesen?

ÖKO-TEST Juni 2017 für 3.99 € kaufen

Zum ePaper

Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Klassische Konfitüren kauften wir überwiegend beim Discounter und in Supermärkten und die Fruchtaufstriche meist in Bio-Supermärkten. Insgesamt wählten wir elf Konfitüren extra und acht Fruchtaufstriche aus.

Die Inhaltsstoffe
Da Erdbeeren immer wieder einmal durch eine hohe Belastung mit Pestiziden auffallen, ließen wir alle Produkte auf ein breites Spektrum an Spritzmittelrückständen untersuchen. Konfitüren extra müssen laut Verordnung aus mindestens 45 g Erdbeeren pro 100 g hergestellt worden sein und einen Gesamtzuckergehalt von mindestens 55 g je 100 g aufweisen. Das ließen wir überprüfen - auch bei den Fruchtaufstrichen. Diese müssen zwar keine speziellen Vorschriften einhalten. Frucht- und Zuckergehalte werden aber ebenfalls angegeben.

Die Sensorik
Schmeckt der Aufstrich kräftig nach Erdbeere oder stehlen eine allzu deutliche Süße oder ein Kochgeschmack die Show? Diese und weitere Fragen zum Aussehen, Geruch, Geschmack und Mundgefühl der Aufstriche ließen wir durch ein erfahrenes Sensorikpanel klären. Die Proben wurden anonym und in mehreren Durchgängen verkostet.

Die Weiteren Mängel
An dieser Stelle prüften wir die Verpackung sowie Packungsangaben. Loben Hersteller auf ihren Produkten etwa ein Herkunftsland der Erdbeeren aus, sollten sie dies durch aussagekräftige Dokumente auch belegen können.

Die Bewertung
Marmelade enthält Zucker. Wenn eine Portion von 30 Gramm aber die empfohlene Tageshöchstmenge zu mehr als 50 Prozent ausschöpft, kann ein solches Produkt bestenfalls mit "gut" abschneiden. Zu weiteren Abzügen führen "befriedigende" Sensoriknoten. Unter den Weiteren Mängeln kommen PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in den Deckeldichtungen sowie übertriebene oder irreführende Packungshinweise hinzu.

So haben wir getestet

Refraktometer heißt das Gerät, mit dem der Gesamtzuckergehalt gemessen wird.

Video zum Thema

Video

ÖKO-TEST-Magazin 6/2017:

Erdbeerkonfitüren und -fruchtaufstriche

Süß, süßer, Konfitüre.

In ihrem Fruchtfleisch vereinen Erdbeeren mehr als 300 Aromen. Die Frage ist: Wie viele schaffen es in die Konfitüren und Fruchtaufstriche. ÖKO-TEST hat nicht nur eine Sensorikprüfung von 19 Produkten durchführen lassen, sondern auch untersucht, wie viel Zucker und Schadstoffe in diesen stecken. Das Ergebnis ist nicht mal so schlecht.