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37 Haus- und Wohnungsschutzbriefe im Test

Spezial Bauen und Finanzieren
vom 03.11.2016

Haus- und Wohnungsschutzbriefe

Unnötiger Schnickschnack

Mit Schutz vor Pech und Pannen rund ums Haus ködern immer mehr Assekuranzen ihre Kunden. Die spöttisch Ungezieferschutzbrief genannte Versicherung ist zwar nicht teuer, hat aber Haken und Ösen. ÖKO-TEST hat sich den Markt genau angesehen.

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03.11.2016 | Schnelle Hilfe statt großer Sorgen", verspricht die Gothaer Versicherung durch ihren neuen Soloschutzbrief, der seit 2014 auf dem Markt ist. Doch die abgesicherten Schäden dürften in der Regel eher ärgerlich sein. Existenzielle Sorgen gehen mit dem verstopften Rohr, der zugefallenen Tür oder dem Wespennest auf dem Dachboden wohl kaum einher. Doch die Ansprache der Versicherer kommt an. So hat die Kölner DEVK seit 2009 den Notfallschutz schon rund 126.000-mal verkauft. Und beim eigentlichen Erfinder des Schutzbriefs für daheim, der Münchener Allianz, ist das Produkt schon seit 2004 einer der am meisten nachgefragten Zusatzbausteine für die Hausrat- und Wohngebäudeversicherung.

"Entsprechend sind sowohl Mieter als auch Eigentümer von Wohnungen und Wohngebäuden unsere Zielgruppe", heißt es bei der Allianz. Das wundert Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. "Es wird immer wieder versucht, solche Policen auch an Mieter zu verkaufen, doch für die haben sie keinen Sinn." Der Grund: Für viele der versicherten Notfälle muss der Vermieter aufkommen. Das gilt beispielsweise, wenn die Heizung, die Wasser- oder Stromversorgung ausfallen oder ein am Haus gebautes Wespennest die Mieter bedroht. Wird der Mangel nicht schleunigst behoben, macht sich der Vermieter sogar schadensersatzpflichtig. Allein, wer sich ausschließt oder Schädlinge in die Wohnung schleppt, muss als Mieter die Kosten des Schlüsseldiensts oder der Beseitigung selbst bezahlen. Doch ein Blick ins Kleingedruckte dürfte sowohl Mieter als auch Vermieter ernüchtern: Versichert ist nur eine provisorische Behebung des Schadens, etwa ein Notschloss.

Bleibt die Bequemlichkeit: Der Versicherte muss sich um nichts kümmern, denn grundsätzlich organisiert und bezahlt beim Haus- und Wohnungsschutzbrief die Assekuranz den Handwerkerservice - im Prinzip zumindest. Denn meistens ist die Erstattung auf höchstens 500 Euro je Schadensfall gedeckelt. Wie viel oder wie wenig tatsächlich geleistet wird, hat ÖKO-TEST jetzt untersucht. Insgesamt haben wir 37 Kombi- und Solopolicen von 23 verschiedenen Versicherern angeschaut und dabei jeweils 27 Leistungsbereiche geprüft.

Das Testergebnis

Der Markt ist undurchsichtig. Das Leistungsspektrum der Anbieter unterscheidet sich teilweise extrem. Nur wenige Kernleistungen sind bei allen Haus- und Wohnungsschutzbriefen identisch. Fünf Verträge erbringen nicht einmal ein Drittel der abgefragten Leistungen. Mehr als zwei Drittel schafft keine der Policen.

Nicht mehr als 1.500 Euro im Jahr. Die meisten Tarife deckeln die Erstattung auf insgesamt 1.500 Euro im Jahr und können daher bestenfalls "ausreichend" (4. Rang) sein. Wenig nutzen viele Einzelleistungen, wenn die Jahreshöchstsummen mit 1.000 Euro noch weiter gedeckelt sind. Nur die Tarife von Rhion erreichen durch Kombination unbegrenzter Jahreshöchstsummen und mittelmäßiger Leistung Rang drei. Für jeden einzelnen Schadensfall liegt die Grenze zumeist bei lediglich 500 Euro. Zwar behauptet der Haftpflichtver

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