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Ratgeber Kosmetik 2017
vom

Körperpeelings

Poly-Meer

Bei Körperpeelings haben die Hersteller die Wahl zwischen Rubbelpartikeln aus der Natur oder aus Mikroplastik. Wir haben 20 Körperpeelings auf solche Zutaten überprüft und festgestellt: Die meisten kommen nicht ohne Kunststoffe aus. Nur die zertifizierte Naturkosmetik ist garantiert plastikfrei.

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11.05.2017 | Vor allem unser Plastikmüll ist es, der auf vielen Wegen in die Gewässer der Erde gelangt. Dort braucht er Jahrhunderte, um abgebaut zu werden.

Wenige Mikro- oder gar Nanometer kleine Partikel machen einen nicht zu unterschätzenden Teil der Kunststoffbelastung in den Gewässern aus. Sie entstehen entweder aus größeren Plastikteilen, die sich unter dem Einfluss der Elemente nach und nach zerreiben, oder sie gelangen direkt als sogenannte Primärpartikel in Miniaturform in die Umwelt - zum Beispiel als Inhaltsstoffe in Kosmetikprodukten und Reinigungsmitteln oder als Kleidungsfasern, die sich beim Waschen lösen. Im Ozean und in Flüssen werden sie von Tieren aufgenommen oder lagern sich unter anderem im Sediment und auf Pflanzen an. Darüber, welche Auswirkungen diese Belastung auf lange Sicht hat, ist noch wenig bekannt.

Das Reizwort der Debatte um die Kleinstteilchen ist "Mikroplastik". Und so schwammig es für den Laien klingt, so schwer lässt es sich auch nach tiefergehender Recherche definieren. In den Vergabegrundlagen des Umweltzeichens "Blauer Engel" werden 100 Nanometer bis fünf Millimeter als Rahmenmaße genannt. Andere Quellen lassen eine Untergrenze offen: Im internationalen Meeresschutz etwa wird alles, was weniger als fünf Millimeter misst, als Mikroplastik definiert.

Vor allem die Kosmetikindustrie versteckt sich jedoch gerne hinter einem eng gefassten Begriff, der nur "feste Kunststoffpartikel" wie Polyethylen (PE) in Peelings als Mikroplastik definiert und ihre Umweltschädlichkeit nur in Produkten anerkennt, die direkt wieder abgewaschen werden und so ins Abwasser gelangen. Demzufolge werden nur wenige Inhaltsstoffe von der freiwilligen Selbstverpflichtung der Hersteller zur Vermeidung von Mikroplastik aus dem Jahr 2013 tatsächlich erfasst. Nicht in die Definition eingeschlossen sind synthetische Polymere, die zum Beispiel als Bindemittel dienen und die die Industrie weiterhin munter einsetzt. Dabei macht die Naturkosmetik längst vor, dass es problemlos möglich ist, gute Produkte ohne erdölbasierte Inhaltsstoffe herzustellen.

Wenn L'Oreal also schreibt, man habe sich "dazu entschlossen, Mikroplastikkügelchen schrittweise nicht mehr zu verwenden", oder Colgate-Palmolive konstatiert, "in Anbetracht von Konsumentenfragen verwenden wir seit Ende 2014 keine Mikroplastik mehr", beziehen sich diese Hoffnung weckenden Aussagen nicht auf alle Kunststoffverbindungen in den Produkten. Sie beschreiben lediglich solche, die wie PE in Peelings für den Hautabrieb eingesetzt werden. Doch mittlerweile werden weitere feste und halbfeste Kunststoffverbindungen oder synthetische Polymere als kritisch eingestuft. So listet das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) in seinem Bericht "Plastic in Cosmetics" mehr als 20 synthetische Polymere auf. Diese können als feste Partikel in Kosmetika eingesetzt werden und lösen sich nicht in Wasser auf. Und das belgische Umweltamt hat zusammen mit dem Beratungsunternehmen TAUW ein Handbuch für Unternehmen erarbeitet, um Mikroplastik zu identifizieren und zu ersetzen. In dem Handbuch "Test to assess and prevent the emission of primary synthetic microparticles (primary microplastic)" werden insgesamt sogar mehr als 60 Mikroplastikverbindungen aufgeführt. Die Hersteller definieren das Problem also einfach weg.

Rossmann geht einen Schritt weiter und verspricht, sich auch mit flüssigem Mikroplastik auseinanderzusetzen und Alternativen für betroffene Produkte zu erarbeiten, "um auch hier unserer Philosophie, die Umwelt nicht weiter zu beeinträchtigen, nachzukommen". Konkrete Substanzen und einen Zeitplan nennt die Drogeriekette allerdings nicht. Konkurrent Dm gibt sich erst einmal problembewusst: "Aktuell werden von einigen Umweltorganisationen allerdings auch synthetische Polymere kritisiert." Um sich dann doch, wie die meisten Hersteller, vor einer umfassenden Auseinandersetzung zu drücken: "Es handelt sich hier um wasserlösliche Stoffe, die nicht die Beständigkeit der PE-Teilchen aufweisen und daher nicht unter die [...] Kategorisierung der Kunststoff-Mikropartikel fallen."

Damit Verbraucher nicht darauf angewiesen sind, die umstrittenen Kunststoffe anhand ihres INCI-Namens zu erkennen, wird sich eine neue Bewertung für Mikroplastik in den Kosmetiktests von ÖKO-TEST niederschlagen. Wir haben 20 Körperpeelings eingekauft. Alle Produkte wurden im Labor unter anderem auf Kunststoffpartikel untersucht.

Das Testergebnis

Natürlich konsequent. In der zertifizierten Naturkosmetik sind erdölbasierte Substanzen wie Kunststoffe per se verboten - hier schrubben zerkleinerte Nussschalen, Fruchtkerne oder Vulkangestein abgestorbene Hautschuppen vom Körper. Und auch sonst sind die acht zertifizierten Peelings sauber. Bei den Produkten, die nicht zertifizierte Naturkosmetik sind, sieht es da schon anders aus: Lediglich ein Produkt erreicht ein "gutes" Gesamturteil - nur dieses Körperpeeling kommt ohne Mikroplastik aus.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Abgestorbene Hautzellen ganz einfach unter der Dusche wegschrubben, das soll mit Körperpeelings kein Problem sein. Wir haben 20 Produkte ausgewählt, die wir in Drogerien, Parfümerien und im Internet gefunden haben. Acht davon sind zertifizierte Naturkosmetik. Die Preisspannen sind beachtlich: Für 200 Milliliter bezahlten wir zwischen 1,11 und 32,99 Euro.

Die Inhaltsstoffe
Experten des Instituts für Umwelt- und Verfahrenstechnik der Hochschule Rhein-Main in Rüsselsheim haben bestimmt, welche und wie viele Peelingpartikel die Hersteller einsetzen, wie groß diese sind und ob es sich um Mikroplastik handelt. Auch andere synthetische Polymere, die von den Herstellern nicht als Mikroplastik betrachtet werden, wurden erfasst. Enthalten die Peelings außerdem Substanzen, die schlecht für die Gesundheit der Anwender sind, zum Beispiel problematische Konservierungsstoffe oder Duftkomponenten? Auch auf diese und andere Parameter ließen wir die Produkte im Labor überprüfen.

Die Weiteren Mängel
PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung oder unnötige Umkartons? All das belastet die Umwelt, weshalb wir die Produkte darauf ebenfalls unter die Lupe genommen haben.

Die Bewertung
Für gesundheitlich bedenkliche Inhaltsstoffe wie das im Tierversuch reproduktionstoxische Lilial oder andere problematische Duftstoffe wie Lyral und künstlichen Moschusduft gab es Minuspunkte. Ebenso für das allergisierende Methylisothiazolinon und PEG/PEG-Derivate, die die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können. Da Plastik ein immer größer werdendes Umweltproblem ist, werten wir schwer abbaubare synthetische Polymere als Inhaltsstoff per se um zwei Noten ab. Naturkosmetikhersteller zeigen, dass Kosmetika ohne Plastik problemlos herzustellen sind.

So haben wir getestet

Im Labor wurden die leichten Polyethylenpartikel (weiß/weiß-rosa) abgetrennt.

So haben wir getestet

Um sie anschließend bestimmen und vermessen zu können.