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ÖKO-TEST August 2017
vom

Dämmstoffe, Dach

Dämm it!

Dachsanierungen sind kein Kinderspiel, weder praktisch noch rechtlich, weil Wärmedämmungen gesetzlichen Vorgaben unterliegen. Bezüglich der Schadstoffbelastung ist die Auswahl einfacher. Im ÖKO-TEST schneiden viele Dachdämmstoffe gut und besser ab.

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27.07.2017 | In frostigen Monaten sollen sie gegen Kälte schützen und in warmen gegen Hitze. Bestenfalls wirken sie dabei schallisolierend und gehen im Falle eines Brandes nicht gleich in Flammen auf. Die Anforderungen an Dachdämmstoffe sind vielfältig und bezogen auf den Wärmeschutz durch die Energieeinsparverordnung (EnEV) gesetzlich geregelt.

Hauseigentümer und ausführende Betriebe müssen deshalb einiges beachten, wenn sie Dämmungen anbringen - gleich ob auf den Dächern (Aufsparren), unter den Sparren oder dazwischen (Zwischensparren). Der Indikator für das Wärmedämmvermögen ist der Lambda-Wert (?), den die Hersteller in den Produktdatenblättern angeben müssen. Er drückt die Wärmeleitfähigkeit aus: Je niedriger der Wert, desto weniger Wärme lässt das Material durch und desto besser ist seine Dämmwirkung.

Diese Information allein sagt jedoch noch nichts über die Anwendung im spezifischen Bauteil aus - hier im jeweiligen Dach. So lässt sich eine höhere Wärmeleitfähigkeit unter Umständen durch eine dickere Dämmschicht ausgleichen. Außerdem sind die in der Regel niedrigeren Dämmwerte anderer Dachbestandteile zu berücksichtigen, etwa der Holzanteil des Zwischensparrens. Deshalb ist es notwendig, dass ein Fachmann den Wärmedurchgangskoeffizienten, kurz U-Wert, ermittelt. Er bezieht neben der Wärmeleitfähigkeit auch bauteilspezifische Parameter ein und ist die Referenzgröße für die rechtlichen Vorgaben der EnEV. Es gilt ebenso: Je geringer der U-Wert, desto besser der Wärmeschutz.

Generell fordert der Gesetzgeber bei Sanierungen U-Werte von 0,24 W/(m²K) für normale (Steil-)Dächer und 0,20 W/(m²K) für solche mit Abdichtung; meist sind das Flachdächer. Abweichungen sind jedoch möglich, wenn Dächer nicht komplett erneuert, sondern lediglich neu eingedeckt werden und Gebäude nach 1983 errichtet oder saniert wurden.

Auch wenn der geforderte Dämmstandard konstruktionsbedingt nicht erreichbar ist - beispielsweise wenn die Höhe des Zwischensparrens für die erforderliche Dämmung nicht ausreicht - kann eine Überschreitung des geforderten U-Werts zulässig sein. "Eine Verpflichtung, in so einem Fall den Sparren aufzudoppeln oder eine Aufsparrendämmung vorzusehen, gibt es nicht", sagt Experte Jan Karwatzki vom Öko-Zentrum NRW. Es reiche hier aus, die maximal mögliche Dämmstärke einzubauen.

Für Neubauten sieht die EnEV einen Dämmstandard von U = 0,20 W/(m²K) vor. Er bezieht sich aber nicht auf das einzelne Bauteile, sondern auf das gesamte Gebäude. Erreicht das Dach den geforderten U-Wert nicht, müssen andere Gebäudeteile die Bilanz ausgleichen, indem sie entsprechend besser dämmen. Ziel der gesetzlichen Regelungen ist es, im Sinne des Klima- und Umweltschutzes langfristig Energie und damit verbunden CO2 einzusparen.

Förderungen sollen diese Aufgabe versüßen. Außer günstigen Krediten vergibt die KfW-Bank auch Zuschüsse für Sanierungen von Steil- und Flachdächern. Sie betragen für eine Einzelbaumaßnahme zehn Prozent der Investitionskosten, maximal aber 5.000 Euro pro Wohnheinheit. Voraussetzung ist, dass das sanierte Dach einen U-Wert von 0,14 W/(m²K) oder niedriger aufweist. Mit Zwischensparrenlösungen sei das oft nicht zu schaffen, sagt Karwatzki. Häufig bedürfe es zusätzlicher Aufsparrendämmungen.

Nicht nur in solchen Fällen ist der Einbau eine knifflige Angelegenheit. Erstens können sich statische Probleme ergeben, wenn durch höhere Dämmstärken deutlich mehr Gewicht auf den Sparren lastet. Zweitens können unsachgemäße Ausführungen bewirken, dass Dämmungen nicht richtig funktionieren und schlimmstenfalls Schaden nehmen, wenn sie nicht luftdicht abgeschlossen sind. Drittens ist teils spezielles Equipment erforderlich, etwa um Zellulosefasern zwischen den Sparren einzublasen.

Fachmännische Unterstützung ist daher ratsam. Das Bundesamt für Wirtschaft- und Ausfuhrkontrolle (Bafa) bezuschusst Vor-Ort-Beratungen durch zugelassene und unabhängige Energieberater. Die Förderung beträgt bis zu 60 Prozent der Beratungskosten und maximal 800 Euro für Ein- und Zweifamilienhäuser. Die weitere Baubegleitung durch den Experten bezuschusst die KfW-Bank mit 50 Prozent beziehungsweise maximal 4.000 Euro. Abseits finanzieller Aspekte und rechtlicher Vorgaben sollte die Wahl der Dämmstoffe von gesundheitlichen und ökologischen Aspekten abhängen. ÖKO-TEST hat 15 Produkte aus nachwachsenden und konventionellen Rohstoffen in die Labore geschickt.

Das Testergebnis

Guter Schnitt. Bereits im vorangegangenen ÖKO-TEST Dachdämmstoffe 2009 hatten Holzfaserprodukte tendenziell die Nase vorn. Und so ist es auch dieses Mal. Die drei entsprechenden Modelle sind "sehr gut". Die Dämmstoffe aus Polyurethan und Schafwolle fallen durch.

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben 15 Dachdämmstoffe eingekauft. Gemäß ihrer Marktbedeutung sind Produkte aus Glaswolle, Zellulose und Holzfaser am stärksten vertreten. Hinzu kommen solche aus Schafwolle, Jute, Kork und Polyurethan. Zwei Modelle sind reine Aufsparrendämmungen, der Rest ist größtenteils nur als Zwischensparrendämmung ausgewiesen. Im Zweifelsfall haben wir uns für die Ausfertigung mit der jeweils niedrigsten Wärmeleitfähigkeit entschieden.

Die Inhaltsstoffe
Direkter Körperkontakt mit den Dämmstoffen ist nach dem Einbau zwar unwahrscheinlich. Trotzdem bergen bestimmte Schadstoffe weiterhin Risiken. So können etwa problematische flüchtige organische Verbindungen (VOC) durch die Verkleidung ausgasen. Auch können sich Schimmelpilze und andere Mikroorganismen beim Einbau in der Raumluft verteilen. Und nicht zuletzt verwenden Hersteller teils umwelt- und gesundheitsschädigende Flammschutzmittel.

Die Bewertung
Weil sich die Auswahl auf Produkte mit "besseren", das heißt niedrigeren Wärmeleitfähigkeiten beschränkt, verzichten wir auf ein Testergebnis Wärmeschutz. Das Gesamturteil entspricht dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Negativ wirkt es sich etwa aus, wenn Produkte sehr empfänglich für Pilze und Bakterien sind oder sie große Mengen zinnorganischer Verbindungen enthalten.

So haben wir getestet

Blau eingefärbt: Unter dem Mikroskop zeigte sich, welche Dämmstoffe besonders empfänglich für Pilzsporen sind.