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95 Nicht reparierbare Produkte im Test

Jahrbuch für 2017
vom 20.10.2016

Geplanter Murks

Schrott lass nach!

Ärgerlich, wenn fest verbaute Teile in Smartphones, Leuchten und Co. frühzeitig den Geist aufgeben. Die Preisfrage: Reparieren oder Neukauf? Für die Entscheidung sind transparente Angaben der Anbieter notwendig. Aber die rücken nicht alles raus.

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20.10.2016 | ÖKO-TEST kritisiert den festen Einbau von Akkus und LED und sieht darin eine leicht vermeidbare Form geplanten Verschleißes. Wir wollten wissen: Wie reagieren Anbieter, wenn sie konkret auf das Problem angesprochen werden und haben ihnen Fragen zum Thema Gebrauchsdauer, Haltbarkeit von Akkus und LED sowie Recycle- und Reparierbarkeit von Mobil- und Elektrokleingeräten gestellt. Von Mobilfunkanbietern wollten wir wissen, ob sie Kunden bei einer Vertragsverlängerung immer auch ein aktuelles Gerät anbieten oder sogar jährlich das neueste Smartphone in Aussicht stellen.

Das Testergebnis

Unsere Anfrage bei Anbietern von Elektrokleingeräten wie Rasierern oder elektrischen Zahnbürsten zeigt, dass die meisten bei den aktuell auf dem Markt erhältlichen Modellen auf einen fest verbauten Akku setzen. Außerdem: Von elf befragten Mobilgeräteanbietern setzt nur einer ausschließlich auf ein Produkt mit wechselbarem Akku. Zwar haben knapp eine Handvoll andere ebenfalls Telefone mit Wechselakkus im Sortiment. Das gilt aber nicht für ihre Tablets. Drei Mobilfunkanbieter bieten zudem an, dass ihre Kunden jährlich das neueste Smartphone bekommen können. Dass die überwiegende Mehrzahl der befragten Firmen kein Interesse zeigten, uns vollumfänglich transparente Informationen zu ihren Produkten zu geben, ist angesichts der Forderung nach detaillierten Produktangaben eine Ohrfeige für alle Verbraucher.

Neukäufe wegen vorzeitigen Defekten sind ärgerlich, vor allem dann, wenn die selbstständige Reparatur ausgeschlossen oder zu teuer ist. Daher ist die Angabe der geplanten Gebrauchsdauer eine wichtige Kaufentscheidung. Von 21 befragten machten nur acht Firmen eine Angabe. Manche Firmen teilten mit, Kunden können sich an der Garantiezeit der Produkte orientieren. Andere Anbieter gaben an, man plane gar keine Gebrauchsdauer. Nach der Absicht langlebige Produkte auf dem Markt zu bringen, klingt das nicht!

14 von 21 Anbieter machten Angaben zu den vollen Akkuladezyklen bzw. der Brenndauer ihrer Geräte. Akkuladezyklen meint die Anzahl vollständiger Entladungen und Ladungen, bis der Akku meist noch etwa 80 Prozent der Originalkapazität besitzt. Laut sieben Mobilgeräteanbietern sollten mindestens 400 Zyklen zu schaffen sein. Bei Leuchten ist das anders: Ein Siegel gibt zunächst an, ob die LED fest eingebaut sind. Verbraucher, die das nicht wollen, lassen die Modelle liegen. Wer sie will: Die Anbieter Briloner, Honsel, Ikea und Philips geben die Brenndauern, die sie uns genannt haben, mindestens auch online an. Bei den Testprodukten reichten diese von 15.000 bis 30.000 Stunden, was laut Anbieter bei täglich drei Stunden leuchten einer Lebensdauer von 14 bis 30 Jahren entspräche.

Laut Arbeiterkammer Wien deckt sich die immer kürzere Nutzung von Mobilgeräten mit der Offerte vieler Netzanbieter, ihren Kunden zur Vertragsverlängerung ein Neugerät anzubieten. ÖKO-TEST kritisiert daher Tarife und Optionen, die Kunden jährlich das neueste Smartphone zusagen, weil sie einen r

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So haben wir getestet

Die Produktauswahl
In immer mehr Produkten werden Akkus und Leuchtmittel fest verbaut. Gehen diese Verschleißteile kaputt, landet ein Gerät oder eine Leuchte auf dem Müll oder vergammelt im Keller oder einer Schublade. Wir haben uns gezielt auf diese Produkte konzentriert. Um einen Überblick über die Fülle an Produkten zu bekommen, haben wir elf Anbieter von Mobilgeräten (Smartphone, Tablets) sowie zehn von Elektrokleingeräten (Wohnraumleuchten, Rasierer, elektrische Zahnbürsten) angeschrieben und nach ihrem Sortiment befragt: Welche dieser Produkte sind aktuell auf dem Markt erhältlich? Bezogen auf diese Produkte haben wir um detaillierte Angaben zur geplanten Gebrauchsdauer, Akku- bzw. LED-Haltbarkeit und zur Reparierbarkeit gebeten. Außerdem haben wir sieben Mobilfunkanbieter zu den Optionen befragt, die Kunden bei einer Vertragsverlängerung haben. Wer bietet Angebote, die dem Kunden jedes Jahr ein neues Smartphone versprechen - und leistet damit mutmaßlich einen Beitrag zur Überproduktion dieser Geräte?

Eine Frage der Transparenz
Verbraucher benötigen detaillierte Informationen, um Produkte besser vergleichen zu können. Wir haben die Anbieter nach den geplanten Gebrauchsdauern ihrer Produkte befragt, deren Berechnung im Entwicklungsprozess laut Produktentwicklern gängige Praxis ist. Außerdem wollten wir wissen, wie lange die fest verbauten Akkus und Leuchtmittel halten. Weil es Verbraucher gibt, die lieber reparieren statt neu zu kaufen, haben wir gefragt, ob der Austausch von defekten Akkus und Leuchtmitteln außerhalb der Garantie- bzw. Gewährleistungszeit eigenständig durch den Kunden möglich ist und wie teuer das werden kann.

Die Bewertung
Produkte mit fest verbauten Akkus und Leuchtmitteln kritisieren wir, da eine fehlende Möglichkeit zum Austausch eine kürzere Produktlebensdauer bedeutet. Dafür schätzen wir Transparenz und Offenheit, weshalb Anbieter, die unsere Fragen transparent beantwortet haben, sich hier keine Gedanken über schlechte Noten machen müssen. Anders diejenigen, die überhaupt nicht auf unsere Schreiben reagiert haben, konkret angebbare Daten oder simple Ja-oder-Nein-Fragen mit langen Erklärungen zu umgehen versuchten, auf das Betriebsgeheimnis verwiesen oder jeglichen Kommentar verweigerten.

So haben wir getestet

Hilfe bei einer Reparatur bekommen Verbraucher im Internet oder in Repair-Cafés, die sich in vielen Städten etabliert haben.

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