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ÖKO-TEST August 2017
vom

Handyversicherungen

Geld verbrannt

Eine Handyversicherung lohnt nicht. Millionen Kunden, vor allem junge Menschen, werfen mit einem solchen Schutz Geld zum Fenster hinaus. Das zeigt unser Test.

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27.07.2017 | Ein Klick mit der Maus - und schon ist der volle Schutz da. Das suggerieren viele neuartige Onlineversicherungsvermittler. So wirbt der Vertreter Simpelsurance unter der Marke "Schutzklick" mit einem "voll versicherten" Handy. Nur ein klein wenig vorsichtiger ist die Nischenassekuranz Wertgarantie aus Hannover. Beim "Sofortschutz", der über Valuecare24 verkauft wird, gibt es "bis zu 100 Prozent bei Totalschaden." Und wer im Elektronikmarkt ein Smartphone kauft, wird laut der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg häufig zum Abschluss einer Versicherung gedrängt.

Mit supergroßem Erfolg. So hat die Einhaus-Gruppe aus Hamm, die etwa Extraschutz24 Plus oder Handyschutz 24 PlatinumPlus anbietet und diese Tarife als Schutzbrief-24- und Extraschutz-24-Verwaltungs- und Vertriebsgesellschaft verkauft, derzeit 2,8 Millionen aktive Verträge. Auch der Versicherungsvertreter Assona aus Berlin liegt im Millionenbereich, während die R+V-Versicherung eine sechstellige Anzahl von Verträgen angibt und über den Berliner Verteter Friendsurance seit Anfang 2013 "gut" 200.000 Elektronikpolicen abgeschlossen wurden.

"Vielfach sind diese weder sinnvoll noch bedarfsgerecht", urteilen die Verbraucherschützer aus Stuttgart. Vor allem haben junge Menschen oft eine ganz andere Erwartung an den Schutz. "Sie glauben, dass sie bei der Absicherung eines neuwertigen Ersatzgeräts gleicher Art und Güte im Schadensfall wieder ein Topgerät erhalten würden", sagt der Berliner Diplom-Informatiker und Sachverständige Bernhard Gramberg. Für die Versicherer ist das ein tolles Geschäft. Sie berechnen ihre Versicherungsprämie auf Basis des Kaufpreises. Doch der gilt schon nach Verlassen des Geschäfts nicht mehr. So verfällt der Wiederbeschaffungswert deutlich. "Die aktuellen Spitzengeräte sind technisch schon viel leistungsstärker und somit kein Maßstab für die Entschädigung", erläutert Gramberg. Daher haben die Versicherten nur Anspruch auf das alte Modell oder dessen Wert, den es am Schadenstag besaß. Geld gibt es aber meist gar nicht. Die Handyversicherung ist bei den meisten Anbietern erst einmal ein Reparaturkostenschutz. Und nur wenn sich die Instandsetzung nicht mehr lohnt oder es zu einem Totalverlust kommt, gibt es ein Ersatzgerät - vielleicht.

Neben Apps von Versicherern und Vermittlern bieten Verteter, Händler und Telekommunikationsunternehmen Handypolicen an. Die Angebote wurden per Internetrecherche ermittelt. Testweise haben wir die Leistungen für ein neues Apple iPhone 7 und ein neues Samsung Galaxy 8 bei 21 Handypolicen nach einer Vertragslaufzeit von 23 Monaten geprüft. Dafür wurde vom Experten Gramberg - er ist Leiter der Fachgruppe Elektrotechnik und Informationstechnik im Bundesverband öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger - der Wiederbeschaffungswert am Schadenstag geschätzt. Für das iPhone liegt er bei 70 Prozent und für das Galaxy bei 60 Prozent des Kaufpreises. Auf Basis dieser Werte hat ÖKO-TEST eine fiktive Entschädigungsleistung bei Totalverlust als Vergleichsmaßstab ermittelt. Dafür wurden vom geschätzten Wiederbeschaffungswert die Versicherungsbeiträge für 23 Monate sowie eine möglichen Selbstbeteiligung für Totalschäden abgezogen. Außerdem wurden der Umfang der Leistung je Tarif berücksichtigt und zwei Modellfälle mit grob fahrlässigem Schäden mit einer Leistungskürzung von 40 Prozent berechnet.

Das Testergebnis

Keine Handyversicherung kann überzeugen. Unter dem Strich führen schon nach 23 Monaten Kosten, Selbstbeteiligung und eingeschränkter Schutz zu einer sehr mageren fiktiven Entschädigungsleistung. Allein Friendsurance und Verivox erreichen in den Testfällen ohne grobe Fahrlässigkeit für beide Smartphones den vierten Rang. Die beste fiktive Entschädigungsleistung liegt beim iPhone bei knapp 48Prozent, die schlechteste bei rund drei Prozent. Beim Galaxy liegt der Spitzenwert nur noch bei 42 Prozent und die rote Laterne sogar bei null Prozent. Der Grund ist, dass der Wiederbeschaffungswert eines iPhones höher ausfällt und somit die Beiträge und Selbstbeteiligung hier etwas weniger ins Gewicht fallen. Bei grober Fahrlässigkeit patzen aber alle Tarife. Unterstellt der Versicherer bei einem Schaden grobe Fahrlässigkeit und kürzt die Entschädigungsleistung um 40 Prozent, gibt es nur noch mangelhafte und ungenügende Ergebnisse. Die fiktive Entschädigungsleistung liegt meist unter 20 Prozent des Wiederbeschaffungswerts - teilweise gibt es kaum noch Leistung.

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ÖKO-TEST-Magazin 8/2017:

Handyversicherung

Geld verbrannt.

Rentiert es sich, beim Kauf eines neuen Smartphones eine Handyversicherung abzuschließen? Dieser Frage ist ÖKO-TEST nachgegangen und hat bei 21 Handypolicen geprüft, welche Leistungen diese für ein neues Apple iPhone 7 und ein neues Samsung Galaxy 8 nach einer Vertragslaufzeit von 23 Monaten erbringen. Das Resümee: Das Geld kann man sich sparen.