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Verdauungsmittel mit Artischocke

Pupsig

Seit Jahrzehnten überliefert der Volksmund, die Artischocke lindere Verdauungsbeschwerden. Auch die Pharmaindustrie verkauft die Heilpflanze in Pillen, die den Magen beruhigen und die Verdauung anschieben sollen. Unser Test von 30 Präparaten entzaubert den Mythos.

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19.10.2017 | Gerade nach ausschweifendem Essen treten Magenbeschwerden auf. "Betroffene empfinden Schmerzen, Druck, Blähungen und Krämpfe im oberen Bauchbereich bis zum Nabel", erläutert Professor Peter Layer von der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. Rebellieren Magen oder Darm, spielt offenbar das "Bauchhirn" verrückt. "Es reicht vom Schlund, über den Magen und Darm bis zum After", erklärt Layer. Dieses Nervengeflecht steuere die Verdauung weitgehend eigenständig. Der Bauch melde dem Gehirn ständig, wie es ihm ergeht. Wer unter funktionellen Magenproblemen oder Reizdarm leidet, fühle "dieses Signaldauerfeuer" dann plötzlich teilweise bewusst.

Das sensiblere Empfinden beruht Layer zufolge meist auf einer Schwächung der Darmschleimhaut-Barriere. So könnten auch Stoffe durch die Darmwand dringen, die die Nerven im Bauch nachweislich irritieren. Nicht nur die Wahrnehmung von kleineren Krämpfen, Druckschmerzen und Blähungen sei so erhöht. Ein so irritiertes Bauchhirn bremse die Verdauung auch physisch. Völlegefühl sei die Folge. Damit es wieder flutscht, empfiehlt der Volksmund seit Jahrzehnten Artischocke. Stoffe in der Pflanze wie Cynarin sollen die Verdauung anregen, den Fettstoffwechsel sowie Leber und Galle unterstützen. Auch das frühere Bundesgesundheitsamt bewertete in den 1990er-Jahren Rezepturen aus den Blättern als wirksam, um Oberbauchschmerzen, Völlegefühl und Blähungen zu lindern.

Auch wir empfahlen Artischockenmittel zuletzt gegen Unterleibsbeschwerden - ein Drittel der Produkte sogar mit "sehr gut". Eine Handvoll Studien gab 2005 Hinweise darauf, dass Artischocke bei Verdauungsproblemen helfen kann. Ein Jahrzehnt später fordert die Wissenschaft allerdings stärkere Beweise, um zu einer Heilpflanze therapeutisch zu raten. Das hat auch die oberste europäische Behörde für Arzneimittelsicherheit erkannt und sich die Artischocke noch einmal genau angeschaut. Grund genug für ein ÖKO-TEST-Update: Bringen Artischockenmittel etwas? Wir haben 30 überprüft.

Das Testergebnis

Für 22 Arzneimittel gibt's "mangelhaft", für eins "ungenügend". Auch die sieben Nahrungsergänzungsmittel fallen komplett durch.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Einkauf
Wir haben 30 Mittel mit Artischocke in Apotheken und Drogerien eingekauft, die bei Verdauungsbeschwerden helfen sollen. Darunter sind sieben Nahrungsergänzungsmittel sowie 23 pflanzliche Arzneien. Verkauft werden die Produkte als Kapseln, Dragees, aber auch als Brausetabletten und Saft.

Wirksamkeit und Nutzen
Hilft Artischockenblätterextrakt, wenn der Bauch drückt, schmerzt und grummelt? Diese Frage hat für uns Professor Manfred Schubert-Zsilavecz beantwortet. Der Experte vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Goethe-Universität Frankfurt beurteilte Wirksamkeit, Risiken und Nutzen der einzelnen Produkte. Zudem prüfte er die Beipackzettel und Produktinformationen.

Hilfs- und weitere Inhaltsstoffe
Hilfsstoffe formen die Tabletten und erleichtern die Aufnahme der Wirkstoffe in den Körper. Wir haben auf deklarierte problematische Farb- und Konservierungsstoffe geachtet.

Bewertung
Entscheidend ist, ob die Wirksamkeit von Arzneimitteln oder der Nutzen eines Nahrungsergänzungsmittels klar belegt ist. Fehlen aussagekräftige klinische Studien, kann es in der Beurteilung der Wirksamkeit und des Nutzens für den gesunden Verbraucher nur ein "mangelhaft" geben. Niedrige Dosierungen, fehlende Altersbeschränkungen und Warnhinweise führen dann schnell zum "ungenügend".

So haben wir getestet

Begutachtet die Artischockenpillen: Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz.

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Bestellnummer: J1710
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